Liefernot bei Medikamenten: In Legden setzt die Apotheke auf ihren Großhändler

dzLieferengpässe bei Medikamenten

Berichte über immer mehr Arzneimittel, die nicht lieferbar sind, häufen sich. Wir haben mit Dr. Henning Hruby von der Hubertus-Apotheke über Lieferengpässe und deren Ursachen gesprochen.

Legden

, 27.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das deutsche Gesundheitssystem gehört zu den besten und teuersten der Welt. Dennoch sorgen sich die Apotheker in Westfalen-Lippe um ihre Patienten. Der Grund: Bei Medikamenten kommt es immer wieder zu Lieferengpässen. Wir haben darüber mit Apotheker Dr. Henning Hruby von der Hubertus-Apotheke in Legden gesprochen.

In Apotheken im Ruhrgebiet nehmen die Engpässe teilweise drastische Ausmaße an. Einzelne Apotheker beklagen, dass bis zu 200 verschiedene Medikamente nicht sofort lieferbar seien. Kunden müssen sich mit Alternative begnügen. Was an Medikamenten fehle, sei eine „bunte Mischung“.

Neben Impfstoffen, Krebs- und Blutdruckmedikamenten komme es vor allem bei Schmerzmitteln zu drastischen Engpässen – speziell bei Ibuprofen in höherer Dosierung. Der Pharmazeutische Index „Gelbe Liste“ informiert im Internet tagesaktuell über Lieferschwierigkeiten einzelner Präparate.

Gründe für Engpass

Die Gründe für die Lieferengpässe sind vielfältig. Sie liegen sowohl im Gesundheitssystem, als auch in den Lieferwegen. Die billige Herstellung in asiatischen Ländern führt einerseits zu Lieferschwierigkeiten – andererseits zu Problemen wie Verunreinigungen von Präparaten. Diese müssen dann vom Markt genommen werden.

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So kam es im Sommer 2018 zum Valsartan-Skandal, als eine Verunreinigung des Wirkstoffs eines chinesischen Herstellers bekannt wurde. Blutdrucksenker enthielten Stoffe, die für den Menschen als potenziell krebserregend gelten. Viele Unternehmen riefen ihre Medikamente zurück, nach Schätzungen der Bundesregierung sind hierzulande mindestens 900.000 Patienten von den Rückrufen betroffen gewesen.

Nur wenige Hersteller

Ein weiteres Problem ist die Konzentration der Herstellung auf wenige Konzerne. Im Fall Ibuprofen führte zum Beispiel der Großbrand in einer von fünf herstellenden Firmen im vergangenen Jahr zu einem drastischen Engpass. Auch das Lagerungskonzept spielt eine Rolle.

Saisonal bedingte Lieferengpässe bei Impfstoffen und vor allem auch Ibuprofen kann Dr. Henning Hruby bestätigen. Manchmal ordere die Apotheke darum etwas mehr Ibuprofen. Früher habe es in Apotheken eine sogenannte Winterbevorratung gegeben. „Aber das gibt es heute überhaupt nicht mehr.“

Verkauf in andere Länder

„Der Transportweg ist der Lagerweg“, verdeutlicht Dr. Henning Hruby. Große Hallen, in denen Medikamente gelagert werden, gibt es fast gar nicht mehr. Der Legdener Apotheker hat zudem noch eine weitere Vermutung für Engpässe bei Medikamenten: „Wenn die Ware von Händlern lieber in andere Länder weiterverkauft wird.“

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Denn die Preise für Medikamente in Deutschland unterscheiden sich von denen in anderen EU-Ländern. Das hat zur Folge, dass Medikamente in Länder verkauft werden, in denen sie mehr Profit einbringen.

Alles in allem sieht Dr. Henning Hruby die Hubertus-Apotheke aber bestens aufgestellt. „Wir sind breit gefächert“, sagt er über das vorhandene Angebot an Medikamenten – mehrere tausend verschiedene Präparate. Dreimal am Tag wird die Legdener Apotheke von einem Großhändler aus Münster beliefert. „Das funktioniert bei uns reibungslos.“ Anderenorts könne es vielleicht an dieser Stelle Reibungspunkte geben.

Fall in Köln

Zum Schluss äußert sich Henning Hruby auch zum in dieser Woche bekannt gewordenen Fall aus Köln, bei dem in einer Apotheke einem Glukose-Präparat ein Narkosemittel untergemischt war. Eine 28 Jahre alte Frau und ihr Neugeborenes waren an den Folgen der Einnahme gestorben.

Der Legdener Apotheker erklärt, dass die im eigenen Labor verwendeten Stoffe auf Identität und Reinheit geprüft werden. „Das ist Standard. Wenn die Glukose nicht das ist, was es sein soll, hat man ein Problem.“

In der Legdener Apotheke werden zum Beispiel Salben hergestellt, die Cortison enthalten. „Wenn im Labor zwischen dem Cortison ein Narkotikum steckt, dann wäre das bei uns komisch.“ Hinzu komme das Vier-Augen-Prinzip. Jeder Wirkstoff für eine Salbe werde von einer Person eingewogen und von einer weiteren Person überprüft.

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