Legdener nahm 3000 Euro für Räumung von Ekel-Wohnung entgegen – doch beendete die Arbeit nicht

dzAmtsgericht Ahaus

Ein Legdener Rentner (66) nahm von einem Bekannten 3000 Euro entgegen. Im Gegenzug sollte er dessen völlig verwahrloste Wohnung ausräumen. Nun stand der 66-Jährige wegen Betrugs vor Gericht.

Legden

, 26.02.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Berge von Müll, Ungeziefer und Exkremente von der Toilette bis zum Wohnzimmer. Bilder, wie man sie nur aus schlechten RTL-2-Dokus kennt. In einer solchen Wohnung lebte ein 68-jähriger, schwer kranker Mann in Heiden. Weil es ihm selbst unmöglich war, sein Zuhause zu entrümpeln, bat der Heidener offenbar einen Bekannten aus Legden, gegen eine Zahlung in Höhe von 3000 Euro diesen Job zu übernehmen.

Weil der 66-jährige Legdener diese Arbeit aber nie vollendete, das Geld jedoch einbehielt, stand er nun wegen Betruges vor dem Amtsgericht Ahaus. Schon zu Beginn der Verhandlung zeichnete sich ab, dass der Sachverhalt nicht bis ins letzte Detail geklärt werden kann. Zu widersprüchlich die Aussagen der Zeugen, zu kompliziert die Personenkonstellation.

Legdener bestätigt, die 3000 Euro angenommen zu haben

Der angeklagte Legdener bestätigte zwar, die 3000 Euro angenommen zu haben, allerdings sagte er auch: „Ich habe die Wohnung leer geräumt, obwohl sie wirklich in einem derart ekeligen Zustand war. Das Einzige, was ich dort gelassen habe, waren die Waschmaschine, die Toilette und die Teppiche.“ Das sei aber einer Krankheit geschuldet.

Dass ihn sein Bekannter nun verklagte, darüber konnte er nur den Kopf schütteln: „Ich habe ihm immer geholfen. Habe ihn gefahren, seine Sachen eingelagert und ihm durch eine schwere Zeit geholfen.“ Der 68-jährige Heidener widersprach dem allerdings energisch. „Er (der Angeklagte, d. Red.) hat nur die Hälfte ausgeräumt und hat sich danach einfach aus dem Staub gemacht. Er lügt allen die Hucke voll.“

Kläger kann sich an keine Vereinbarung über 3000 Euro erinnern

Der 68-Jährigee wollte sich allgemein an keine Vereinbarung über die 3000 Euro erinnern können: „Diese Absprache gab es nicht. Er hatte bei mir Schulden, weil ich ihm drei Autos finanziert habe. Um die abzuarbeiten hat er zugesagt, mir bei der Wohnung zu helfen.“

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Das Geld habe der Angeklagte sich über die Schwester des vermeintlichen Opfers erschlichen. Das konnte diese aber bei ihrer Vernehmung nicht bestätigen: „Wir haben zu dritt über die 3000 Euro gesprochen. Das hat mein Bruder, glaube ich, auch wahrgenommen. Ich war in dem Moment froh, dass sich überhaupt jemand gekümmert hat. Und er hatte sich mir als bester Freund vorgestellt.“

Schwester des Klägers: „Hier hätte niemand mehr einziehen können.“

Denn auch für sie sei es ein Schock gewesen, als sie die Wohnung in Heiden erstmals betrat. „So, wie sie aussah, hätte da niemand mehr einziehen können.“ Weil der Legdener ihr erklärte, dass er für die Reinigung einen großen Container, Ganzkörperanzüge und Arbeiter brauche, hielt sie die 3000 Euro für angemessen, fuhr mit dem Einverständnis ihres Bruders zur Bank und übergab die Summe in bar.

„Ich habe mich darauf verlassen, dass er wirklich helfen will“, sagte sie vor Gericht. Vor zwei Monaten habe sie dann gesehen, dass die Arbeit aber seit Langem ruhte und noch immer zahlreiche Dinge in der Heidener Wohnung stünden. Richter und Staatsanwalt einigten sich darauf, das Verfahren einzustellen. „Ich sehe in diesem Fall den Vorsatz nicht. Aber den braucht es für einen Betrug“, sagte der Vorsitzende.

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