Legdener Bürgerinitiative kämpft weiter gegen Verdichterstation

dzErörterungstermin

Der Protest gegen die Verdichterstation in Legden ist unverändert groß. Jetzt kommt es zum Erörterungstermin. Die Bürgerinitiative hat viele Einwendungen. Und sie hat einen Eilantrag gestellt.

Legden

, 06.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Post mit der Einladung kam spät. Zu wenig Zeit, um sich auf den Erörterungstermin im Planfeststellungsverfahren für die Errichtung der Erdasverdichterstation in Legden vorzubereiten. Die Bürgerinitiative „Verdichterstation – Nein danke“ hat deshalb einen Eilantrag bei der Bezirksregierung Münster gestellt, um den Termin zu verschieben. Bislang, so Rainer Bergemann, gab es keine Antwort.

Sie werden also da sein, am Mittwoch, 10. Juni, wenn es am zweiten Tag des Erörterungstermins um ihre Einwendungen geht. Wie am Dienstag, 9. Juni, ist Beginn um 9 Uhr im Hotel Hermannshöhe, wo mit viel Abstand alle Parteien aufeinander treffen werden. Manche aus der Initiative haben außerdem als Privatpersonen Einwendungen gemacht.

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Bei einem Treffen kurz vor dem Termin haben einige von ihnen Ordner mitgebracht. Sie zeigen auf ihre Einwendungen und auf die Antworten von Open Grid Europe (OGE). Unbefriedigend allesamt. Es werde drumherum geredet, Argumente würden negiert, es fehlten klare Aussagen, es habe nie einen Dialog gegeben, so einige der Kritikpunkte.

BI war bei Bundesnetzagentur und hat Anlagen besichtigt

Einer von ihnen zeigt auf einen Text: Er selbst habe bei einer Veranstaltung von einem Vertreter von Open Grid gehört, bei einer Havarie werde in einem nahen Umkreis niemand überleben. Und dann zeigt er auf die Antwort: Eine solche Aussage sei nie getroffen worden. Und der Eintritt eines Schadensfalls sei bei Einhaltung aller Vorgabe ausgeschlossen.

Für die Zeelink-Leitung braucht man Verdichterstationen wie auf dem Bild die Station Mittelbrunn. Viel zu groß für die Landschaft in Legden, sagt die Bürgerinitiative.

Für die Zeelink-Leitung braucht man Verdichterstationen wie auf dem Bild die Station Mittelbrunn. Viel zu groß für die Landschaft in Legden, sagt die Bürgerinitiative. © Open Grid Europe

Es wird laut im Kreis der Gegner. Sie erzählen, wo sie sich getäuscht gefühlt haben, welche Kritik es an dem Projekt gibt, erinnern an den Besuch bei der Bundesnetzagentur in Bonn oder an die Besichtigung von Verdichterstationen von OGE. Seitdem wissen sie, dass diese Anlagen nur wenig ausgelastet sind. Und überhaupt: Eine solch große Industrieanlage passe nicht nach Legden.

Im Haulingort, wo die Verdichterstation gebaut wird, informiert die BI auf zwei Plakatwänden.

Im Haulingort, wo die Verdichterstation gebaut werden, informiert die BI auf zwei Plakatwänden. © Ronny von Wangenheim

Die Station werde auch in Legden nicht ausgelastet sein, so Rainer Bergemann. Er verweist darauf, dass die Zukunft der Nordstream 2 ungewiss sei. Der Bau der Ostsee-Gasleitung war immer als ein Grund für die Verdichterstation genannt worden. Weil so nicht nur Gas vom Süden in Richtung Legden, sondern auch umgekehrt vom Norden nach Süden fließen sollte. Doch jetzt ruhen die Arbeiten. Die USA drohen wegen Nordstream 2 mit immer härteren Sanktionen.

„Industrieanlage gehört auch in ein Industriegebiet“

Muss die Verdichterstation zwingend in Legden, zwingend im Haulingort gebaut werden? „Nein“, sagt die Bürgerinitiative. „Eine Industrieanlage gehört auch in ein Industriegebiet“, betont Reinhold Eynck. Es gebe andere Verdichterstationen in der Region, die genutzt werden könnten. Und es gebe andere mögliche Standorte entlang der Gasleitungen 63 und 98. Auf dem Gelände der Kavernenspeicher in Epe zum Beispiel. Die Standortprüfung – acht waren es – habe eine reine Alibifunktion gehabt, so kritisiert Rainer Bergemann.

Mehrere Kritikpunkte kristallisieren sich heraus:

  • Mit der Verdichterstation geht der Landwirtschaft 8 Hektar Fläche verloren, dazu könnten 5 Hektar Kompensationsfläche gehören. Ein Landwirt im Kreis erzählt, dass sein Land dafür eingeplant war. Es bot die Voraussetzungen, die Rebhuhn und Kiebitz brauchen. Einen Vertrag habe er zu Hause liegen. Doch unterschreiben würde er nie. Erst habe OGE sogar seine Flächen noch unrechtmäßig angeführt, kritisiert er. Erst auf seine Einwendung, die auch jetzt Teil der Erörterung ist, habe OGE geantwortet, seine Fläche sei nicht mehr relevant.
  • Die Anwohner im Umkreis befürchten weiter, dass der Immobilienwert und der Grundwert sinken werden. Und wer weiß, ob die Schadstoffbelastung nicht so steige, dass später einem Antrag eines Landwirts auf Erweiterung und Stallbau nicht mehr stattgegeben werde.

  • Sie fordern, dass der Grundwasserspiegel vor und nach den Bauarbeiten untersucht wird. „Das wäre unnötig, wurde uns gesagt“ kritisiert Bergemann scharf. Die Befürchtung sei aber da. „Wir haben hier alle eine eigene Hauswasser-Versorgung.“
  • Der Rückbau ist ein weiteres Thema. Reinhold Eynck: „Wer eine Windkraft-Anlage baut, muss den Rückbau gleich mit einplanen. Hier ist ein Rückbau gar nicht vorgesehen.“

Ob sie Erfolg haben werden? Realistisch ist das nicht unbedingt. Aber die Hoffnung bleibt: Reinhold Eynck: „Wir erhoffen von der Bezirksregierung Einsicht, dass wir Bürger von Legden auch eine gewisse Mitbestimmung erwarten.“

Stellungnahme der Gemeinde Legden

Fredhelm Kleweken, erster Bürger der Gemeinde, hat das schon abgehakt. „Wenn wir die Anlage nicht verhindern können, wollen wir als Gemeinde davon wenigstens profitieren“, hatte der Bürgermeister bereits Anfang des Jahres betont. Abgestimmt mit der Politik hat die Gemeinde ebenfalls Einwände angemeldet, die jetzt beim Erörterungstermin besprochen werden. Gefordert wurde auch ein Ansiedlungsvertrag, damit Legden auch am wirtschaftlichen Ertrag beteiligt werde.

Weitere Forderungen betreffen Luft, Lärm und Wasser. Um die Anlage soll nach den Vorstellungen der Gemeinde Legden ein zwei Meter hoher Wall gezogen werden. Gefordert wurde außerdem eine flächenschonende Kompensationsmaßnahme, mit der der Legdener Mühlenbach aufgewertet werden soll. Auch der Brandschutz ist Thema der Stellungnahme. Eine der Forderungen hier ist, dass OGE für die spezielle Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehr und die spezielle Technik und Geräte aufkommen soll.

Zeelink

  • Der Bau der 215 Kilometer langen Zeelink-Erdgasfernleitung von der deutsch-belgischen Grenze bei Aachen ist bereits gestartet.
  • In fünf Abschnitten wird die Leitung von Süden in Richtung Norden verlegt. In Legden sollte eigentlich schon ab April gebaut werden. Die Inbetriebnahme ist für 2021 vorgesehen.
  • Die Projekt ist rund 660 Millionen Euro teuer.
  • Die Leitung wird notwendig für die schrittweise Umstellung von L- auf H-Gas. Das L-Gas-Volumen wird bis 2030 um 90 Prozent zurückgehen.
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