Die Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge soll neu diskutiert werden. Zurecht findet Ulrich Bogenstahl aus Legden, Obermeister der Baugewerken-Innung Ahaus. © picture alliance / dpa
Sozialversicherungsbeiträge

Legdener Bauunternehmer fordert Reform bei Sozialversicherungsbeiträgen

Die Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge ist gerade mittelständischen Unternehmen schon lange ein Dorn im Auge. Nun kommt Bewegung in die Sache. Den Innungs-Obermeister freut das.

Der Ausschuss für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestages hat sich am Montag in einer Sachverständigenanhörung mit der Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge beschäftigt. Schon in der Vergangenheit war immer wieder Kritik laut geworden. Vor allem für mittelständische handwerkliche Betriebe sei der Mehraufwand bei der aktuellen Regelung enorm.

Dazu erklärt Ulrich Bogenstahl, Bauunternehmer aus Legden und gleichzeitig Obermeister der Baugewerken-Innung, in einer Pressemitteilung: „Die Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge bedeutet bislang zusätzlichen erhöhten Arbeitsaufwand und dadurch mehr und unnötige Bürokratie plus damit verbundene zusätzliche Kosten zu Lasten der Unternehmer“. Bei laufenden Kosten und fehlenden Einnahmen nehme die Gefahr von Liquiditätsproblemen somit zwangsweise zu.

Insofern begrüße die Baugewerken-Innung die Initiative der Opposition in Berlin, die Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge zur Diskussion zu stellen. Laut Andrea Hannemann, die bei Bogenstahl die Personalabteilung leitet, würde eine Abschaffung vielen Betrieben die Arbeit erleichtern. „Eine Firma muss etwa eine Woche vor Monatsende die Beiträge für die Krankenkassen schätzen und liefern“, so Hannemann. Und das ohne zu wissen, wie viele Stunden die Mitarbeiter tatsächlich in dem Monat gemacht haben werden. „Denn das ist nicht vorhersehbar, wegen Urlauben, Krankmeldungen und Überstunden.“

Differenz zwischen Schätzung und erbrachter Leistung

Im Regelfall wird der Betrag drei Tage vor Monatsende von den Krankenkassen abgebucht. Die Lohnabrechnungen folgen Anfang des nächsten Monats. Etwa am 10. des Monats weiß Andrea Hannemann, was tatsächlich für den vergangenen Monat fällig ist. Es gibt also eine Differenz zwischen der Schätzung und der tatsächlich erbrachten Stunden der Mitarbeiter. Diese Differenz muss Andrea Hannemann dann wieder eine Woche später an die Krankenkassen melden, zusammen mit der Schätzung für den kommenden Monat.

Obermeister der Baugewerken-Innung Ahaus, Ulrich Bogenstahl vom Bauunternehmen Bogenstahl in Legden
Obermeister der Baugewerken-Innung Ahaus, Ulrich Bogenstahl vom Bauunternehmen Bogenstahl in Legden © Baugewerke Innung Ahaus © Baugewerke Innung Ahaus

Ein Verzicht der Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge führe „unmittelbar und ohne zusätzlichen bürokratischen Aufwand zu einer deutlichen Verschlankung der Verwaltungsabläufe und der Liquiditätsverbesserung der mittelständischen Bauunternehmen.“, erklärt Ulrich Bogenstahl.

Sozialversicherungsbeiträge bereits hoch genug

Dennoch weist der Bauunternehmer daraufhin, dass eine Rückkehr zur alten Fälligkeitsregelung nur dann Sinn ergibt, wenn ein Abschmelzen der Nachhaltigkeitsrücklage durch entsprechende Maßnahmen kompensiert wird. „Also die Rentenbeiträge nicht erhöht werden“, erklärt Andrea Hannemann.

„Die Abschaffung der Vorfälligkeit darf nicht dazu führen, dass die Sozialversicherungsbeiträge deutlich steigen. Diese sind in Deutschland ohnehin hoch genug“, so Bogenstahl. Höhere Beiträge führten unweigerlich zu höheren Kosten und diese wiederum zu einem Ansteigen der Schwarzarbeit. Daran könne niemand Interesse haben.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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