Wer zieht ins Legdener Rathaus ein? Das entscheidet sich am Sonntag bei der Kommunalwahl. © Markus Gehring
Keine Schlüsselzuweisung

Legden steht trotz Coronakrise finanziell gut da – das rächt sich 2021

Der Gemeindehaushalt sieht trotz Pandemie deutlich besser aus, als gedacht. Rund eine halbe Million Euro besser, um genau zu sein. Doch das Plus hat für 2021 einen dicken Pferdefuß.

Finanziell geht es der Gemeinde Legden im Moment gut. Fast ein bisschen zu gut: Denn die Gemeinde schließt ihren Haushalt in diesem Jahr wohl so gut ab, dass sie im nächsten Jahr nicht mit Schlüsselzuweisungen rechnen kann. Das wiederum reißt dann ein Loch in die Finanzplanung von Jürgen Göckemeyer, dem Leiter des Fachbereichs Finanzen.

So viel Gewerbesteuern wie noch nie

Aber der Reihe nach: Erst einmal hatte Jürgen Göckemeyer bei der Vorstellung der aktuellen Situation kurz vor Weihnachten gute Nachrichten für die Politiker im Gemeinderat: So nimmt die Gemeinde so viel Gewerbesteuer wie noch nie ein: 1,3 Millionen Euro über dem Ansatz von rund 3,9 Millionen Euro.

Bei den Posten Grundsteuer A und B habe die Verwaltung praktisch eine Punktlandung hingelegt. Schlechter schnitt natürlich die Vergnügungssteuer ab. Statt wie geplant 125.000 Euro gibt es an dieser Stelle nur 33.000 Euro Einnahmen. Eine klare Folge des Corona-Lockdowns. Schließlich mussten ja beispielsweise die meisten Veranstaltungen im Dorf Münsterland abgesagt werden. Auch bei der Einkommenssteuer verzeichnet Jürgen Göckemeyer mit rund 2,07 Millionen Euro rund 350.000 Euro weniger als eingeplant.

Überschuss von rund 500.000 Euro

Unter dem Strich werde die Gemeinde im laufenden Jahr einen Überschuss von rund einer halben Million Euro erwirtschaften, rechnete er vor. Das zusätzliche Geld soll in die Ausgleichsrücklage – also praktisch das Sparschwein der Gemeinde – fließen.

Doch mit dieser Mehreinnahme ist gleichzeitig die schlechte Nachricht verknüpft: „Wir sind abundant und werden für 2021 und unter Umständen auch 2021 keine Schlüsselzuweisungen bekommen“, erläuterte Jürgen Göckemeyer.

Für 2019 standen noch 861.000 für 2020 945.000 Euro Schlüsselzuweisungen in der Haushaltsplanung. Besonders ärgerlich: Die Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer und damit die besonders positiven Effekte für die Haushaltslage werden wohl nur in diesem Jahr so deutlich ausfallen. „Da summieren sich eine ganze Reihe von Einmaleffekten“, sagte Jürgen Göckemeyer. „Das wird so nicht noch einmal vorkommen“, erklärte er weiter. Mit Blick auf die wegbrechenden Schlüsselzuweisungen zeichnete er ein düsteres Bild: „Das wird wirklich anstrengend, so eine Summe im Haushalt auszugleichen.“

Berthold Langehaneberg (CDU) kommentierte den Bericht trocken: „In meinen 26 Jahren im Rat habe ich noch nicht erlebt, dass wir abundant sind“, sagte er. Doch damit gehöre Legden nun anscheinend zu den wohlhabenden Kommunen. Ein Wermutstropfen sei natürlich, dass daran die Schlüsselzuweisungen gekoppelt seien.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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