Kuhstall bietet Technik mit Wellness

Auf den neuesten Stand gebracht

14 Uhr im Stall von Maik Brügging. Die meisten Kühe liegen träge in ihren Boxen. Zwei haben gerade beschlossen, dass sie gemolken werden wollen, und laufen zum Melkstand. Und eine Kuh lässt sich den Rücken mit einer rollenden Bürste schrubben. „Jede Kuh entscheidet selbst, was sie tun will“, sagt der Landwirt.

LEGDEN

, 26.07.2016, 17:37 Uhr / Lesedauer: 3 min
Kuhstall bietet Technik mit Wellness

Der Kuhstall als Wellness-Oase – Rückenmassage mit rollender Bürste inklusive.

„Tante Marianne 2.0“ steht auf dem Melkroboter. Es erinnert noch daran, dass früher Marianne Blanke die Kühe gemolken hat. Heute ist es ein Roboter, der diese Aufgabe verrichtet. Die Familie hat den Betrieb mit dem Bau eines neuen Kuhstalls auf den neuesten Stand gebracht. „Wir sind für die Zukunft gut aufgestellt“, sagt Brügging.

Ausgangspunkt für die Investitionen war die Entscheidung, dass er und seine Frau Theresia den Betrieb ihrer Eltern fortführen wollen. Seit dem 13. Jahrhundert ist die Familie am Wehr 165 ansässig, so erzählt es Bernhard Blanke. Jetzt soll es also weitergehen. Auch wenn die Zeiten für Milchbauern schwierig sind.

Teurer Neubau

Sehr viel Geld haben die Brüggings in den Neubau investiert. Die Entscheidung, so erzählen sie freimütig, haben sie getroffen, als der Milchpreis noch besser war. Der 33-Jährige hat im vergangenen Jahr seinen Job als Landmaschinenschlosser aufgegeben, konzentriert sich voll auf den Betrieb. Ob er das so weiter machen kann? Oder doch wieder eine zusätzliche Einnahmequelle braucht? Sie wissen es nicht.

58 Millionen Euro gibt es als zusätzliche Hilfen von der EU-Kommission für die deutschen Milchbauern. Die Nachricht, wenige Tage alt, kann die Blankes und Brüggings nicht beruhigen. „Ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Bernhard Blanke und die anderen nicken. In den 70er-Jahren, so erinnert er sich an seine Anfänge, kamen 50 Prozent des Verkaufspreises beim Landwirt an. „Heute sind es keine 20 Prozent.“ 19 bis 24 Cent, erläutert Maik Brügging, gibt es heute, je nach Abnehmer, in Deutschland für jeden Liter Milch. 32 Cent bräuchte es, um wenigstens die Kosten zu decken.

Hof breit aufgestellt

Der Hof Blanke/Brügging ist breit aufgestellt. Hier werden Schweine gehalten. Auf 70 Hektar werden Gras, Mais und dreierlei Getreide angebaut. Die Kühe sind aus einer Zweinutzungsrasse. Das bedeutet zwar, dass sie nicht so viel Milch geben wie andere Tiere, dafür aber gutes Fleisch haben. „Unser Ziel ist es, als Familie gut klar zu kommen“, sagt Theresia Brügging. Und da ist der neue Stall, der viel Arbeitserleichterung bringt, die Entscheidung für eine Zukunft.

Stell dir doch ein Bett im Stall auf, du kommst sowieso nicht zum Schlafen“, haben sie Maik Brügging aufgezogen, als im April die Kühe in den neuen Stall umzogen. Es war eine große Umstellung. Seine Kühe stehen nicht mehr angebunden im Stall, sondern können sich frei bewegen. „Ich war überrascht, wie gut die Kühe das angenommen haben“, sagt er. „Sie entscheiden jetzt selbst.“ 42 sind es zurzeit, 63 sollen es werden.

Sogar mitten in der Nacht gehen manche Kühe zum Melken. Die Umstellung von Winter- und Sommerzeit ist kein Thema mehr für Maik Brügging. Und Melkzeiten bestimmen nicht mehr sklavisch den Tagesablauf des Landwirts und seiner Familie.

Selbst die älteren Tiere haben schnell kapiert, dass sie nur durch ein bestimmtes Tor ins Freie auf die Weide kommen, dass sie Kraftfutter im Melkstand bekommen und dabei gemolken werden.

Transponder für jedes Tier

Und dass sie sich unter die gelbe Rolle stellen müssen, um an Stellen gebürstet zu werden, an die sie früher nie rangekommen wären. Und natürlich, wo sie ihr Futter finden. Dass zwischendurch ein Spaltenroboter herumfährt und ihre Hinterlassenschaft zusammenschiebt, stört sie nicht. Jedes Tier hat einen Transponder um den Hals. So „weiß“ der Melkroboter, ob die Kuh schon wieder gemolken werden kann oder ob sie unverrichteter Dinge wieder weiter gehen muss.

Je nach Alter und Zeit, die seit einer Kalbung vergangen ist, sind die Intervalle verschieden. Kühe, die gerade gekalbt haben, oder die beispielsweise für einen Tierarztbesuch von der Herde getrennt werden sollen, werden per Computer durch Gänge die richtigen Wege gelenkt.

Wie viel Milch jede Kuh gibt, das weiß Brügging ganz genau – sogar für jede einzelne Zitze gibt es Daten. „Und das tagtäglich“, betont er. In einem Raum im Stall steht der Computer. Hier kann der Landwirt anhand der Daten ablesen, wie gut es seinen Kühen geht, wie viel sie sich bewegen oder welche Qualität ihre Milch hat. Sowohl die Farbe als auch die elektrische Leitfähigkeit wird jedes Mal kontrolliert – beide Werte können auf Krankheiten hinweisen. Alles ist durchdacht.

Heller und luftiger Stall

Der Stall ist hell und luftig, die Tiere liegen in Tiefstreuboxen. Das Sonnenlicht wird von dem fünf Meter breiten Lichtfirst gebrochen. Regensensoren und Windmesser regeln, wie offen der Stall an den Seiten ist – jetzt im Sommer ist es drinnen kühler als draußen.

Viel Vorbereitung und Planung steckt in dem Neubau. Für den Lichtfirst ist Maik Brügging sogar nach Bayern gefahren. Umgekehrt haben sich schon etliche Landwirte bei ihm umgesehen. Ganz schön voll wurde es bei einem Tag der offenen Tür, damals war der Stall noch nicht bezogen. Maik Brügging: „Da kamen sogar Besucher aus dem Teutoburger Wald und dem Niederrhein zu uns.“

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