Künstlergruppe KIM zeigt, wie Kunst auf Fragen der Zukunft reagiert

dzAusstellung im Dormitorium

Zukunft bewahren: Der Titel der neuen Ausstellung des Heimatvereins Asbeck im Dormitorium signalisiert, womit sich Künstler in diesen Tagen beschäftigen. Und das auf sehr verschiedene Weise.

Asbeck

, 10.04.2019 / Lesedauer: 3 min

KIM heißt: Kunst ist mehr. Die westfälische Künstlergruppe setzt bewusst darauf, verschiedene Ausdrucksformen unter dem Namen KIM zu vereinen. Malerei, Grafiken, Zeichnungen, Fotografie, Skulpturen – das alles ist im Dormitorium zu sehen. Doch beim Gang durch die neue Ausstellung des Heimatvereins Asbeck zeigt sich, dass für viele der 17 Künstler die gleichen Themen wichtig sind. Am Sonntag, 14. April, ist die Eröffnung.

Der Titel „Zukunft bewahren“ passt sehr gut. Gleich mehrere Künstlerinnen setzen sich mit dem Klimawandel auseinander. Yisol C. Yun aus Borken malt in Blau- und Grüntönen Bilder, die abstrakt wirken, gleichzeitig an das Schmelzen des Polareises erinnern. „Klimawandel“ nennt sie diese Arbeiten, genauso wie Marie-Theres Höing. Sie hat im Wasser treibende Eisschollen auf die Leinwand gebracht.

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"Zukunft bewahren" heißt die Ausstellung der Künstlergruppe KIM. Die 17 Künstler zeigen im und um das Dormitorium eindrucksvoll, wie verschieden Kunst sein kann. Und wie aktuell.
09.04.2019
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Zwei Objekte von Reinhard Tempelmann© Ronny von Wangenheim
Reinhard Tempelmann© Ronny von Wangenheim
"Leben halten" von Maria Bröker© Ronny von Wangenheim
Mit Chirurgenfäden sind die Schlitze in dem Bild (Ausschnitt) von Edith Mikanski vernäht. © Ronny von Wangenheim
Eine Keramikarbeit von Monika Altrogge© Ronny von Wangenheim
Zwei Objekte von Reinhard Tempelmann© Ronny von Wangenheim
Aus Kastanienholz ist die Skulptur von Reinhard Tempelmann.© Ronny von Wangenheim
Beim Aufbau im Dormitorium: (v.l.) Reinhard Tempelmann, Marie-Theres Höing, Edith Micansky, Yisol C. Yun© Ronny von Wangenheim
Holzskulpturen von Michael Scharenberg© Ronny von Wangenheim
"Wlan" von Gudrun Issel© Ronny von Wangenheim
Petra Katharina Engel© Ronny von Wangenheim
"denk mal" von Marie Theres Höing© Ronny von Wangenheim
"Krake" von Reinhard Tempelmann© Ronny von Wangenheim
"Einsam" von Marie-Theres Höing© Ronny von Wangenheim
"Urgewalt" von Birgit Kölking versteckt sich in einer Nische in den alten Steinmauern des Dormitoriums.© Ronny von Wangenheim
Zwei Arbeiten von Heidi Baum© Ronny von Wangenheim
"Bewahrung der Schöpfung" von Monika Altrogge© Ronny von Wangenheim
"Unbeschwerte Kindheit" von Maria Bröker© Ronny von Wangenheim
Mit Chirurgenfaden sind die Schlitze in dem Bild (Ausschnitt) von Edith Mikanski vernäht.© Ronny von Wangenheim
Aus Kastanienholz ist die Skulptur von Reinhard Tempelmann.© Ronny von Wangenheim
Petra Engels Lithografie „Und sie sehen…“© Elvira Meisel-Kemper
Besucher in der Schau© Elvira Meisel-Kemper
Gemälde „Klimawandel von Yisol C. Yun© Elvira Meisel-Kemper
Norbert Thens „Maria“ (l.) und Gemälde „Klimawandel von Yisol C. Yun (r.)© Elvira Meisel-Kemper
Norbert Thens "Maria"© Elvira Meisel-Kemper
Kreuz von Edith Micansky in der Stiftskammer© Elvira Meisel-Kemper
„Kreuz“ mit Bombensplitter aus Estern in der Stiftskammer von Reinhard Tempelmann© Elvira Meisel-Kemper
„Kreuz“ mit Bombensplitter aus Estern in der Stiftskammer von Reinhard Tempelmann© Elvira Meisel-Kemper
Reinhard Tempelmann (vorn) führte in die Ausstellung ein. Dahintger die anwesenden ausstellenden Künstler von KIM© Elvira Meisel-Kemper
Bernhard Laukötter, Vorsitzender des Heimatvereins Adbeck, umgeben von Kunst© Elvira Meisel-Kemper
Bernhard Laukötter (hinten Mitte), Vorsitznder des Heimatvereins Asbeck, begrüßte Reinhard Tempelmann (hinten re vor der Stütze), Bürgermeister Friedhelm Kleweken (vorn re), die Künstler und die vielen Besucher der Vernissage© Elvira Meisel-Kemper
Besucher sehen sich die Werke an© Elvira Meisel-Kemper
Bernhard Laukötter (hinten Mitte), Vorsitznder des Heimatvereins Asbeck, begrüßte Reinhard Tempelmann (hinten re vor der Stütze), Bürgermeister Friedhelm Kleweken (vorn re), die Künstler und die vielen Besucher der Vernissage© Elvira Meisel-Kemper
Besucher beim Betrachten der Werke© Elvira Meisel-Kemper
Skulptur „Maria“ von Reinhard Tempelmann in der Stiftskammer© Elvira Meisel-Kemper
Kreuz von Edith Micansky in der Stiftskammer© Elvira Meisel-Kemper
Kreuz von Edith Micansky in der Stiftskammer© Elvira Meisel-Kemper
Arbeit von Birgit Kölking© Elvira Meisel-Kemper
Kunstwerke und Besucher vor dem Stiftsgang© Elvira Meisel-Kemper
Besucher in der Schau© Elvira Meisel-Kemper
Kreuz von Edith Micansky in der Stiftskammer© Elvira Meisel-Kemper
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Auch andere Arbeiten der Künstlerin aus Gescher sind politisch. So zeigt Marie-Theres Höing in realistischer Malweise das Holocaust-Mahnmal, durch das mit gesenktem Blick ein Mann läuft, den man unschwer als Björn Höcke erkennen kann. Die Ein-Kind-Politik in China ist Thema in ihrem Porträt eines chinesischen Kindes. „Einsam“ der Titel. Und die Frau mit ihrem Kind auf dem Arm schaut sorgenvoll in die Zukunft. „Kinder sind unsere Zukunft“, kommentiert Marie-Theres Höing.

Ohne Wurzeln keine Zukunft

„Unsere Meere“ nennt Heidi Baum zwei Acryl-Bilder, auch hier kann man in den abstrakten Formen Plastikabfall entdecken. „Bewahrung der Schöpfung“, ein Objekt von Monika Altrogge, oder „Ohne Wurzeln keine Zukunft“, eine Grafik von Petra Katharina Engel sind weitere Beispiele für die Auseinandersetzung mit Zukunftsfragen. Aber es gibt natürlich auch andere Arbeiten, andere Themen. Edith Micansky beispielsweise bezieht sich in einer Arbeit auf Lucio Fontane, der für seine Schnittbilder bekannt wurde. Ihr blutrotes, monochromes Bild hat sie mehrfach zerschnitten und dann mit chirurgischem Nahtmaterial wieder verschlossen.

Auffallend viele bildhauerische Arbeiten finden sich in der Ausstellung, die sich auch auf die Stiftskirche und den Außenbereich erstreckt. Im Säulengang und vor der Kirche ist vor allem Reinhard Tempelmann präsent. Der Bildhauer und Maler aus Gescher, zugleich Sprecher der Künstlergruppe, arbeitet mit Holz, Metall, Bronze oder Granit. Auffallend sind die großen Figuren aus Kastanienholz im Säulengang. Schwangerschaft, Freundschaft und Vielfalt sind die Themen, die Tempelmann hier verarbeitet. Heiter sind seine Objekte aus Fundstücken vor der Kirche. Eine Arbeit erinnert an eine Figur mit einer sehr langen Nase. Reinhard Tempelmann lacht und erklärt: „Das ist meine Stiftsdame.“

Künstlergruppe KIM zeigt, wie Kunst auf Fragen der Zukunft reagiert

"Leben halten" heißt diese Arbeit von Maria Bröker. © Ronny von Wangenheim

KIM besteht schon seit 1990

2020 wird die Künstlergruppe KIM 30 Jahre bestehen. Dann sind Ausstellungen im Kult in Vreden und in Borken geplant. Jetzt erst einmal zeigen die 17 Künstler meist neue Arbeiten im Dormitorium in Asbeck. „Vor vielen Jahren haben wir schon einmal hier ausgestellt“, sagt Reingard Tempelmann. 18 Mitglieder zählt die Gruppe, zu der auch noch der Gründer Walter Köller zählt. Bewusst ist die Zahl der Mitglieder auf maximal 20 begrenzt.

Auffallend ist, dass viele der Künstler Bildhauer sind oder Bildhauerei und Malerei verbinden. Die Mitglieder kommen aus Stadtlohn, Borken, Gescher oder Burlo, aber auch aus dem Ruhrgebiet. Wichtig ist ihnen der Austausch, so Reinhard Tempelmann. So wird einmal im Jahr bei einem der Künstler gemeinsam gearbeitet, daraus entstehen Verständnis für die Arbeitsweisen der anderen, Inspiration für die eigene Arbeit und manchmal auch eine Kooperation.

Zukunft bewahren

  • Die Ausstellung des Heimatvereins Asbeck im Dormitorium, Stiftsstraße 20, wird am Sonntag, 14. April, um 11 Uhr eröffnet.
  • Reinhard Tempelmann von der Künstlergruppe KIM wird in die Ausstellung einführen.
  • Die Ausstellung des Heimatvereins Asbeck läuft bis zum 10. Juni und ist zu sehen samstags, sonntags und an den Feiertagen von 14.30 bis 17.30 Uhr, außerdem nach Vereinbarung. Hier geht es zur Homepage
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