Klappern gehört zum Schuhwerk

Ahaus Klack-klack, klack-klack, klack-klack. Sebastian läuft vom Kindergarten nach Hause. Dort hält sich der Knirps aber nicht lange auf, sondern rennt - klack-klack - quer über den Hof zur Werkstatt. Papa Bernd und Opa Ewald Hölscher sind bei der Arbeit - und die fasziniert den Vierjährigen genauso wie das fertige Produkt: die Holzschuhe.

24.07.2008, 17:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Ewald Hölscher, der jüngste Holzschuhmeister der Region, zeigt Rohling und fertigen Schuh. </p>

<p>Ewald Hölscher, der jüngste Holzschuhmeister der Region, zeigt Rohling und fertigen Schuh. </p>

Die Hölschers aus Asbeck sind keine Leisetreter - schon aus Tradition. Seitdem vor über 100 Jahren Ewald Hölschers Großonkel begonnen hatte, Holzschuhe herzustellen - Holschen eben - , ist Pappelholz auf dem Hof nicht mehr trocken geworden, bevor es einer der Männer der Familie oder bis vor einigen Jahren auch einer der Angestellten in Schuhe verwandelt hat.

Vor 50 Jahren hat Ewald Hölscher die Prüfung als Hozschuhmachermeister abgelegt - als letzter im Kammerbezirk Münster. Seitdem ist die Nachfrage zurückgegangen. Das sei aber, versichert der 72-Jährige schmunzelnd, während er einen Holzstamm auf die Bandsäge wuchtet, wirklich nicht seine Schuld. "Sondern die von Constructa", brüllt er gegen das einsetzende Kreischen an.

Vor der Verbreitung der Waschmaschine hätten alle Frauen, "auch die im Ruhrgebiet", die klumpigen, aber trocken haltenden Schnitz-Schuhe getragen - "zumindest in der Waschküche". Auch in Gießereien, im Hüttenwesen - und natürlich in der Landwirtschaft - gehörten die festen Pantinen zur Berufskleidung. Bis günstige Alternativen aufkamen, "aus Gummi und Plastik und 'som Zeug", ergänzt Hölscher und verzieht den Mund, während er die kantigen Scheite einsammelt.

Ohne aufzublicken spannt der weißhaarige Mann jeweils zwei in die Kopiermaschine. Ein vom Holzstaub ebenfalls graues Metallschild verrät den Namen des Herstellers: "Jürgens, Emsdetten", der Marktführer - in den 1930er Jahren. Dass er ein Museumsstück bedient und einen aussterbenden Beruf ausübt, stört Hölscher nicht: "So lange nicht, wie es Leute gibt, die unser Naturprodukt zu schätzen wissen."

Solche wie Sebastian. Der Blondschopf sitzt auf einem Stuhl mitten in der Werkstatt, lässt die beholzschuhten Füße baumeln und blickt den in der Luft tanzenden Spähnen hinterher. "Er hat in Holschen das Laufen gelernt und will seitdem keine anderen Schuhe anziehen, nicht einmal beim Fußballspielen", stöhnt Vater Bernd Hölscher lächelnd.

Handarbeit

Der 39-jährige Vollerwerbslandwirt drückt auf den Startknopf der Ausbohrmaschine: Anders als sein Vater kann er die "Klumpen" nicht allein in Handarbeit herstellen - mit Zieheisen und Fersenmesser. "Aber auch das hier will gelernt sein", sagt er.

Vorne im Trockenraum schellt das Telefon. Klack-klack, klack-klack: Sebastian ist zur Stelle und hebt ab: Am anderen Ende ist ein Kunde, der eine Bestellung abgeben möchte - Schuhe für den nächsten Mittelaltermarkt ... sy-

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