Kirche will mit einem Schutzkonzept dem Missbrauch vorbeugen

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Sexueller Missbrauch, Übergriffigkeiten, Grenzverletzungen – das alles soll in der Kirchengemeinde St. Brigida - St. Margareta verhindert werden. Deshalb wurde ein Schutzkonzept erarbeitet.

Legden

, 17.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Maximale Transparenz und Öffentlichkeit wünscht sich Pfarrer Axel Heinekamp bei dem Thema Missbrauch, das die Kirche in den vergangenen Jahren erschüttert hat. Das Institutionelle Schutzkonzept (ISK) der Kirchengemeinde St. Brigida - St. Margareta haben er und Pastoralreferent Daniel Tenbrink deshalb jetzt auch an Bürgermeister Friedhelm Kleweken überreicht. „Es soll keine Tabuzonen geben“, so Heinekamp.

„Uns schmerzt zutiefst, dass im kirchlichen Kontext Kindern und Jugendlichen unsagbares Leid zugefügt wurde. Mit Gottes Hilfe setzen wir alles daran, kirchliche Räume wieder Schutzräume von Kindern und Jugendlichen sein zu lassen“, heißt es im Schlusswort des ISK. Haupt- und Ehrenamtliche haben daran mitgewirkt.

Kirche will mit einem Schutzkonzept dem Missbrauch vorbeugen

Pfarrer Axel Heinekamp (l.) und Pastoralreferent Daniel Tenbrink haben ein Exemplar des Institutionellen Schutzkonzepts an Bürgermeister Friedhelm Kleweken überreicht. © privat

So waren in der Projektgruppe neben Vertretern aus Kirchenvorstand und Pfarreirat auch Vertreter der Kindergärten St. Brigida, St. Margareta und St. Martin dabei, außerdem Verantwortliche des Zeltlagerteams Legden und des Sommerlagers Asbeck. Begleitet wurden sie von Yvonne Rutz, regionale Präventionsfachkraft des Bistums Münster.

Präventionsschulungen für Ehrenamtliche

Alle Bereiche wurden in den Blick genommen, in denen die Kirche es mit Schutzbedürftigen zu tun hat, erläutert Pfarrer Axel Heinekamp im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. Das ISK greift bei der Einstellung von Hauptamtlichen, aber auch bei Ehrenamtlichen. Alle werden zum Thema Prävention befragt. Ehrenamtliche absolvieren je nach Intensität des Kontaktes mit Kindern und Jugendlichen auch Präventionsschulungen. In Legden passiert das bereits seit einiger Zeit. Auch ein erweitertes Führungszeugnis ist Pflicht.

In den Kindergärten wurden beispielsweise die Örtlichkeiten überprüft. Gibt es Wickeltische, die schlecht einsehbar sind, oder andere schwer einsehbare Ecken – solche Fragen wurden geklärt. In Bezug auf die Ferienlager wurde über typische Lagersituationen gesprochen wie Hygiene, Übernachtungssituationen oder „traditionelle“ Spiele, die eine Gefahr der Übergriffigkeit in sich bergen. Da muss vielleicht auch etwas Beliebtes zugunsten der Prävention über Bord geworfen werden. Auch Sprache, Medien und soziale Netzwerke oder der Umgang mit Nähe oder Distanz sind Thema des Schutzkonzepts.

„Es geht darum, zu sensibilisieren“, so Heinekamp. Auch für die Projektgruppe galt das bei den Schulungen. Heinekamp berichtet von einer Schulung, die von Psychotherapeutinnen geleitet wurde: „Der klassische Missbrauch wird vom Täter über lange Zeit geplant, vielleicht sogar Jahre, in denen er nur durch sein Engagement beispielsweise in der Jugendarbeit auffällt. Das macht die Sache so schwierig. Wenn sie auffallen, spalten sie ein System. Die Hälfte denkt, das könne ja gar nicht sein.“

Veröffentlichung auf der Homepage

Mit dem Schutzkonzept wird außerdem die Handlungssicherheit verstärkt. So finden sich auch alle notwendigen Ansprechpartner in den 22 ISK-Seiten. Das Institutionelle Schutzkonzept wird demnächst auf der Homepage der Kirchengemeinde veröffentlicht und liegt im Pfarrbüro und in den Kindertagesstätten aus.

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