Kinder beim Holzschuhmacher

Margareten-Kindergarten

LEGDEN Wer trägt Holzschuhe? Die in der mit frischen Spänen übersäten Werkstatt antworten im Chor: „Sebastian!“ Alle zeigen auf den blonden Jungen in ihrer Mitte, der wie zum Beweis einen Fuß anhebt. Und tatsächlich: Der steckt in einem Holsken: oben mit roten Leder verziert, unten schon mächtig abgelaufen.

von Von Sylvia Lüttich-Gür

, 12.01.2010, 18:47 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Kindergartenkinder erhielten nicht nur einen Einblick in die Arbeitsweise der Holzschuhmacher, sondern auch einen mit Süßigkeiten gefüllten kleinen Holzschuh. Im Gegenzug haben sie Bernd Hölscher ein Holzschuhbild geschenkt.

Die Kindergartenkinder erhielten nicht nur einen Einblick in die Arbeitsweise der Holzschuhmacher, sondern auch einen mit Süßigkeiten gefüllten kleinen Holzschuh. Im Gegenzug haben sie Bernd Hölscher ein Holzschuhbild geschenkt.

  Seit Ende des Zweiten Weltkrieges haben Lederschuhe ihrer zuvor noch weit verbreiteten geschnitzten Konkurrenz den Rang abgelaufen. Was den Sechsjährigen an den etwas klobigen Naturtretern besonders gefällt? „Ich kann da gut mit laufen“, sagt er schlicht – und rennen und Fußball spielen und toben und springen: alles, was ein Kindergartenkind so machen muss. Er hat aber noch einen weiteren Grund für seine Vorliebe: Sebastians Vater und Großvater fertigen das Schuhwerk für den zweitjüngsten Spross der Familie und seine kleine Schwester selbst an – und für viele Gartenbesitzer, Landwirte und andere Holzschuhfreunde in ganz Deutschland ebenfalls. Die in dritter Generation geführte Holzschuhmacherei gehört zu den letzten verbliebenen Betrieben ihrer Art in der Region. Sebastians Opa Ewald hat in den 1950er Jahren noch die Meisterprüfung abgelegt – als einer der letzten des auslaufenden Handwerk-Fachs. Sebastian steht inmitten seiner Freunde. Kopiermaschine und Bohrer pausieren genauso wie Säge, Fräse und Schleifmaschine – und das, obwohl die Holzschuhmacher gerade Hochkonjunktur haben. „Wir produzieren im Winter, wenn es in der Landwirtschaft nicht so viel zu tun gibt“, erzählt Vater Bernd.

Da sein Sohn gestern aber seine Kindergartengruppe zur Betriebsbesichtigung eingeladen hat, ruht die Produktion. Dafür prasseln unablässig Fragen auf die Holzschuhmacher aus dem Eiißingort ein. Die Mädchen und Jungen kennen sich bei Besuchen in Firmen bereits aus: Ob Bäckerei oder Feuerwehr, sie schauen gerne hinter die Kulissen.

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