Kaffeerösterei Seewald in Legden ist seit 1928 Spezialist für Kaffee

dzSeewald-Kaffee

In der Kaffeerösterei in Legden ist die Zeit stehen geblieben. Wie vor Jahrzehnten wird hier auf Handarbeit gesetzt. Jürgen und Erich Seewald zeigen, wie bei ihnen guter Kaffee entsteht.

Legden

, 03.07.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wer die Kaffeerösterei an der Bahnhofstraße in Legden betritt, wird in eine andere Welt versetzt. Es liegt ein scharfer Geruch in der Luft. Nach Kaffee. Nach Röstaromen. Verheißungsvoll, aber noch nicht wirklich lecker. Das kommt noch. Spätestens wenn Jürgen Seewald ein paar Bohnen probehalber mahlt. Natürlich nicht in einer elektrischen Maschine, sondern in einer Mühle aus der Nachkriegszeit.

Auch alle anderen Gerätschaften bei Seewalds könnten gut und gerne in einem Museum stehen. Seit 1928 wird hier Kaffee geröstet. Die Trommelröstmaschine, die gerade bei 200 Grad Kaffee röstet und für den Duft im Raum sorgt, stammt zum Beispiel aus dem Jahr 1958. Da war Jürgen Seewald noch nicht einmal geboren. Die kleine Privatrösterei macht Kaffee, den der 51-Jährige zu Recht einzigartig nennt.

Aus vielen Ländern kommen Kaffeebohnen nach Legden.

Aus vielen Ländern kommen Kaffeebohnen nach Legden. © Seewald

Die lange Firmengeschichte, während der langlebige Verbindungen geschaffen wurden, sorgt dafür, dass immer exzellenter Kaffee in Legden ankommt. Und die lange Erfahrung sorgt für die richtigen Röstungen und Mischungen. „Aroma, Säuregehalt und Körper“, nennt Jürgen Seewald die drei Eigenschaften, die im richtigen Gleichgewicht zueinander stehen müssen. Vater Erich Seewald (84) sitzt derweil an einem Tisch mit Laufband, dass wie bei einer Nähmaschine angetrieben wird. Denn ganz viel Handarbeit gehört auch dazu. Doch davon später mehr.

Wegen der Coronakrise wurden die Vorräte vorsorglich aufgestockt

Denn erst einmal zeigt Jürgen Seewald den Weg vom Sack grüner Bohnen bis zur Tüte mit dem Logo der Kaffeerösterei, das schon aus dem Jahr 1928 stammt. Im Kaffeelager liegen zurzeit besonders viele Säcke. Zu Beginn der Coronazeit rechnete er mit Lieferschwierigkeiten und eventuell auch mit steigenden Preisen. „Wir haben uns mehr eingedeckt als sonst“, sagt er.

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Ein Blick in die Kaffeerösterei Seewald in Legden

Seit 1928 röstet die Familie Seewald Kaffee. In ihrer Kaffeerösterei in Legden sieht vieles aus wie vor Jahrzehnten. Wir haben uns zeigen lassen, wie aus Rohkaffee aus vielen Ländern leckere Kaffeemischungen entstehen.
03.07.2020
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Jürgen Seewald an der Trommelröstmaschine.© Seewald
Erich Seewald und Jürgen Seewald überprüfen die Qualität des Kaffees.© Ronny von Wangenheim
Die Kaffeerösterei besteht seit 1928 in Legden.© Seewald
In diesem Gefäß wird heute der Kaffee gemischt. Während und nach dem Krieg gehörte es zu einem Ofen, in dem Getreide als Kaffeeersatz geröstet wurde.© Ronny von Wangenheim
Die Kaffeerösterei Seewald in Legden röstet seit 1928 Kaffee. Die Geschichte ist überall spürbar, sei es bei der Trommelröstmaschine von 1958 oder der Verlesemaschine aus den 50er- Jahren. Erich Seewald und Jürgen Seewald sind die zweite und dritte Generation.© Ronny von Wangenheim
Die Kaffeerösterei Seewald in Legden röstet seit 1928 Kaffee. Die Geschichte ist überall spürbar, sei es bei der Trommelröstmaschine von 1958 oder der Verlesemaschine aus den 50er- Jahren. Erich Seewald und Jürgen Seewald sind die zweite und dritte Generation.© Ronny von Wangenheim
Die Kaffeerösterei Seewald in Legden röstet seit 1928 Kaffee. Die Geschichte ist überall spürbar, sei es bei der Trommelröstmaschine von 1958 oder der Verlesemaschine aus den 50er- Jahren. Erich Seewald und Jürgen Seewald sind die zweite und dritte Generation.© Ronny von Wangenheim
Mit dieser Maschine werden probehalber Bohnen gemahlen, natürlich von Hand.© Ronny von Wangenheim
Die Geschichte ist überall spürbar, sei es bei der Trommelröstmaschine von 1958, der Waage oder der Verlesemaschine aus den 50er- Jahren. © Ronny von Wangenheim
Die Kaffeerösterei Seewald in Legden röstet seit 1928 Kaffee. Die Geschichte ist überall spürbar, sei es bei der Trommelröstmaschine von 1958 oder der Verlesemaschine aus den 50er- Jahren. Erich Seewald und Jürgen Seewald sind die zweite und dritte Generation.© Ronny von Wangenheim
Die Kaffeerösterei besteht seit 1928 in Legden.© Seewald
Die Kaffeerösterei besteht seit 1928 in Legden.© Seewald
Die Kaffeerösterei besteht seit 1928 in Legden.© Seewald
Die Kaffeerösterei besteht seit 1928 in Legden.© Seewald
Die Kaffeerösterei besteht seit 1928 in Legden.© Seewald
Bei etwa 200 Grad werden die Bohnen geröstet.© Seewald
Die Kaffeerösterei besteht seit 1928 in Legden.© Seewald
Die Verlesemaschine wird gefüllt.© Seewald
Die Kaffeebohnen werden handverlesen. © Seewald
Die Kaffeerösterei besteht seit 1928 in Legden. Auch die Behälter stammen aus alten Tagen.© Seewald
Die Kaffeerösterei besteht seit 1928 in Legden.© Seewald
Die Kaffeerösterei besteht seit 1928 in Legden. Auch die Behälter stammen aus alten Tagen.© Seewald
Die Kaffeerösterei besteht seit 1928 in Legden.© Seewald
Die Kaffeerösterei besteht seit 1928 in Legden.© Seewald
Die Kaffeerösterei besteht seit 1928 in Legden.© Seewald

Costa Rica, El Salvador, Mexico, Brasilien, Äthiopien, Kenia – die Aufschriften verraten, aus welchen Ländern die Bohnen nach Legden kommen. Äthiopien übrigens gilt als Ursprungsland des Arabica. Jürgen Seewald hat sich in der dritten Generation dem guten Kaffee verschrieben: „Für mich gab es keine Muttermilch, für mich gab es Kaffee“, sagt er und lacht.

Viele unterschiedliche Kaffeebohnen kommen bei Seewalds an. Kleine runde Perlbohnen sind besonders wertvoll.

Viele unterschiedliche Kaffeebohnen kommen bei Seewalds an. Kleine runde Perlbohnen sind besonders wertvoll. © Ronny von Wangenheim

„Wir setzen nicht auf Masse, wir haben nur Premiumsorten“, betont der Legdener. Und es handelt sich ausschließlich um Arabica. Und um pestizidfreien Anbau. Das ist seinem Vater und ihm wichtig. Er sei anspruchsvoller als der Robusta, so der Legdener, und werde von Hand geerntet. Der Robusta dagegen lasse sich auch maschinell ernten. „Äste, Steine, Erde, da ist dann alles mit drin“, sagt er. Er holt hier und da die grünen Bohnen aus den Säcken, zeigt auf die Unterschiede. Perlbohnen aus Kenia, die so heißen wie sie aussehen, gehören zum Beispiel zu einer der höchsten Qualitätsstufen, die man bekommen kann.

Röstung dauert zwischen sieben und acht Minuten

Zehn Kilo schippt Jürgen Seewald jetzt in einen Eimer und kippt den Rohkaffee in die Trommelröstmaschine. Sieben bis acht Minuten werden die Bohnen jetzt rösten. Bei etwa 200 Grad. Zeit genug, um zu erzählen, dass die Sorten wie Kolumbia, Santos oder Mocca alle einzeln geröstet und erst später gemischt werden.

Die großen Röstereien würden fertige Mischungen nehmen. „Das kann nicht funktionieren“, so Seewald. Vielleicht noch gravierender für ihn: „Die Großröstereien arbeiten mit Heißluft. Die Bohnen bekommen in Sekunden ihren Röstgrad, die werden praktisch durch einen Heißluftstrom geschossen.“

Diese Bohnen sind noch zu hell. Sie müssen noch länger rösten.

Diese Bohnen sind noch zu hell. Sie müssen noch länger rösten. © Ronny von Wangenheim

Jürgen Seewald nimmt sich Zeit. Einige Male zieht er eine kleine Schippe mit ein paar Bohnen aus der Röstmaschine. Langsam verändert sich die Farbe, sie wird dunkler. Jürgen Seewald riecht wieder, einen Moment wird es noch dauern. Dann stimmen Duft und Aussehen. Der Röstgrad ist erreicht, die Bohnen fallen in eine Trommel, wo sie bewegt und damit abgekühlt werden. Schließlich fallen sie in ein Gefäß.

Jedes Kilo Kaffee bringt dem Staat 2,19 Euro Kaffeesteuer

Zwischen 190 und 220 Grad wird der Rohkaffee geröstet, bis zu zwölf Minuten lang. In der Länge der Zeit können sich die Aromen langsam bilden und ungewünschte Säuren können herausgeröstet werden. Je nach Sorte, aber auch nach Jahreszeit wird anders geröstet. Der fertige Kaffee wird dann in Eimer gefüllt und gewogen. „Für die Kaffeesteuer muss jeder Röstvorgang dokumentiert werden“, sagt Jürgen Seewald. Immerhin 2,19 Euro gehen pro Kilogramm an den Staat.

Erich Seewald verliest die Kaffeebohnen von Hand und sortiert kleine Steine oder „Stinker“ heraus.

Erich Seewald verliest die Kaffeebohnen von Hand und sortiert kleine Steine oder „Stinker“ heraus. © Ronny von Wangenheim

Nebenan geht es weiter. Hier sitzt Erich Seewald an der Verlesemaschine, die von einem Nähmaschinenmotor angetrieben wird. Langsam laufen die Bohnen über ein Band. Konzentriert schaut der 84-Jährige auf die Bohnen, nimmt hier und da eine Bohne weg. Genau wie seine Frau Gisela ist er fast täglich im Betrieb. „Das sind Stinker“ erzählt er. Kommen solche Bohnen in den Kaffee, können sie den ganzen Geschmack verderben. Auch auch kleine Steinchen oder Eisen fischt er ab und an heraus. Das danken dann später die Mahlwerke von Mühlen. Es ist eine aufwendige Arbeit, die Fingerspitzengefühl braucht. „Das machen nicht mehr viele Privatröstereien“, sagt Jürgen Seewald.

Den Blick auf die Bohnen gerichtet, erzählt Erich Seewald von seinem Vater Karl. Der betrieb in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gemeinsam mit seinem Bruder Hermann einen Margarinehandel. „44 Hausierer waren für sie unterwegs. Die konnten damals so mehr verdienen als wenn sie arbeiten gegangen wären“, so der 84-Jährige. Als die Konkurrenz auch Kaffee vertrieb, folgten die Brüder 1927.

In der Nachkriegszeit wurde Getreide als Kaffeeersatz geröstet

Die angebotenen Qualitäten, die aus Hamburg und Bremen geliefert wurden, genügten ihnen nicht, so die Familiengeschichte. Schon 1928 schafften sie sich eine eigene Röstmaschine an. Kaffee war damals noch ein Luxusgut, das in 50-Gramm-Päckchen verkauft wurde. Später dann im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit wurde bei Seewald Gerste und anderes Getreide verarbeitet.

Zurück zum Kaffee, der jetzt handverlesen ist. Erst an diesem Punkt werden die verschiedenen Kaffeesorten dann für die verschiedenen Sorten gemischt, die alle „den speziellen Seewald-Geschmack“ haben sollen. Naturmild, etwas stärker Kaffee, Espresso – Familie Seewald hat zehn Mischungen entwickelt. Aber auch reine Sorten werden angeboten. Neben Privatkunden, die im Internet bestellen oder auch direkt kaufen – in der Coronazeit jetzt durch das Fenster – zählt die Gastronomie zu den Abnehmern.

Auch die Büchsen, in denen der Kaffee lagert, sind schon alt.

Auch die Büchsen, in denen der Kaffee lagert, sind schon alt. © Seewald

Als zwei Legdenerinnen ihr Geschwister-Café in Hamburg eröffneten, nahmen sie Seewald-Kaffee aus der Heimat mit. Das brachte Folgeaufträge von Gästen und Gastronomie in Hamburg. Aber auch Großbüros oder Senioreneinrichtungen beziehen Kaffee. Für die Vollautomaten haben Vater und Sohn Ewald beispielsweise eine Mischung kreiert, die sowohl für Espresso- als auch Kaffeefreunde geeignet ist. Ein Trend sei übrigens Espresso, so Seewald. Und immer mehr Kunden, inzwischen etwa die Hälfte, nehmen ganze Bohnen.

Jamaica Blue Mountain ist etwas für spezielle Kaffeekenner

Ganz spezielle Kaffeekenner bestellen den Jamaica Blue Mountain. Er gehört zu den besten Kaffees der Welt. Und den teuersten. 170 Euro zahlen sie für das Kilo. Jürgen Seewald sagt: „Das ist wie mit Wein. Man muss schon ein Kenner sein“ und spricht lächelnd von einem „nussig-weichen Abgang.“

Familie Seewald lebt Kaffee seit 1928. Sie hat deshalb auch gute Kontakte in die Anbaugebiete. Dort gewesen ist allerdings keiner von ihnen. „Wir hatten konkret als großes Vorhaben Nicaragua auf der Liste“, erzählt Jürgen Seewald. Sich vor Ort zu informieren, zu sehen, wie vor Ort mit dem Produkt umgegangen wird – das interessiert ihn sehr. Doch dann kam die Corona-Pandemie. Nicaragua muss warten.

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