Jüdischer Friedhof in Legden soll würdiger Ort des Gedenkens werden

dzHeimatverein Legden

Der Jüdische Friedhof in Legden führt hinter einer Hecke ein Mauerblümchendasein. Nicht erst seitdem dort Bäume gefällt wurden, ist der Anblick trostlos. Das soll sich ändern.

Legden

, 09.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Verwahrlost ist der Jüdische Friedhof am Westring, Ecke B 474. Jetzt soll er neu gestaltet werden und so als ein Ort des Gedenkens und des Erinnerns mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dafür engagieren sich der Heimatverein Legden und die Sekundarschule Legden Rosendahl.

Für die Neugestaltung des Jüdischen Friedhofes hat der Heimatverein über das Förderprogramm Heimat-Scheck eine Förderung von 2000 Euro bekommen, 500 Euro kommen als Eigenanteil dazu. „An dem Gemeinschaftsprojekt ist die Sekundarschule Legden Rosendahl beteiligt“, so erläutert Gerd Heuser als Vorsitzender des Heimatvereins.

Auf dem Jüdischen Friedhof finden sich auch Grabsteine der Familie Rosenbaum.

Auf dem Jüdischen Friedhof finden sich auch Grabsteine der Familie Rosenbaum. © Ronny von Wangenheim

Normalerweise könnten die Arbeiten jetzt beginnen. „Wir wollten bis Ende April und bis zur Namensfeier der Sekundarschule fertig sein.“ Dann soll die Sekundarschule den Namen Paulus-van-Husen-Schule tragen. Damit wird an den Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus erinnert. „Das passt sehr gut“, zieht Heuser eine Verbindung zu dem gemeinsamen Projekt. Wegen der Schulschließungen wegen des Coronavirus ist dieser Zeitplan nicht zu halten.

Informationstafeln werden an jüdische Familien erinnern

„Der verwahrloste Zustand des Friedhofes ist sicherlich kein ehrendes Erinnern“, so Gerd Heuser. Durch die Herrichtung und Verschönerung des Jüdischen Friedhofes soll die Aufenthaltsqualität, die Besuchsfrequenz und Wahrnehmung gesteigert werden. Auch soll der Ort zum Verweilen einladen. Vor dem eigentlichen Jüdischen Friedhof sollen Informationstafeln aufgestellt werden. Sie werden zum einen das Projekt selbst erläutern, zum anderen die Geschichte des Jüdischen Friedhofes und die der jüdischen Familien in Legden.

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Durch das Schicksal einzelner Personen soll Geschichte lebendig und nachfühlbar werden. „Auf eine ansprechende und fesselnde Art wird somit das Kapitel des Nationalsozialismus in Legden vermittelt“, so heißt es in dem Antrag: „Wir wollen nicht mahnen oder anklagen, sondern durch die Erzählung etwas in den Menschen bewegen und sie berühren.“ Bis 1938 wurden auf dem Friedhof die jüdischen Mitbürger beigesetzt. Die meisten Grabsteine sind aber noch aus älteren Tagen.

Es soll ein Ort zum Verweilen werden

Neue Blumenbeete, ein Neuanpflanzung der Hecke, die teilweise nicht mehr existiert, und eine Parkbank, das alles gehört zu den Plänen, die Heimatverein und Schüler gemeinsam umsetzen werden. Auch zwei großwüchsige Bäume sollen angepflanzt werden. Und mit Rindenmulch sollen die Friedhofswege kenntlich gemacht werden. Gemeinsam mit der Sekundarschule soll eine nachhaltige Pflege gesichert sein.

Für die Sekundarschule ist es nicht die erste Auseinandersetzung mit der Geschichte der jüdischen Mitbürger. Im Herbst 2018 hatten sich die siebten Klassen am Legdener Standort innerhalb des Religionsunterrichts gemeinsam mit Pastoralreferent Daniel Tenbrink und dem pensionierten Realschullehrer Hermann Löhring auf Spurensuche begeben und viel über die Schicksale der beiden jüdischen Familien Rosenbaum und Seligmann erfahren.

An beide Familien erinnern Stolpersteine an der Hauptstraße 22 und der Kirchstraße 18. Einige ihrer Vorfahren sind auf dem jüdischen Friedhof beerdigt.

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