Justus geht auf die Paulus-van-Husen-Schule in Legden und findet das Homeschooling gut. © privat
Online-Unterricht

Homeschooling in Legden: Was sagen Schüler und Eltern dazu?

Die Kinder von Familie Heinzel aus Legden gehen auf unterschiedliche Schulen in Legden. Sie und ihre Eltern haben uns erzählt, wie es an beiden Schulen mit dem Homeschooling läuft.

Erst vor Kurzem kam es im Gemeinderat in Legden zu einer Diskussion über die Digitalisierung der Schulen in Legden. Dort wurde das Engagement der Lehrer von einem Ratsmitglied in Frage gestellt. Das gefiel nicht allen Anwesenden, auch nicht einer Familie, die später davon las.

Christiane und Karsten Heinzel haben zwei Kinder, Justus (12) und Pauline (8). Beide Kinder gehen in Legden zur Schule, Justus in die siebte Klasse der Paulus-van-Husen-Schule und Pauline in die dritte Klasse der Brigidenschule. Sowohl Eltern als auch Schüler haben im Gespräch mit der Redaktion erzählt, wie die Lage im Homeschooling in Legden ist.

Homeschooling klappte vom ersten Tag an der Brigidenschule

Beide Kids fanden die neue Situation im ersten Lockdown eher ungewohnt, Pauline fand es sogar doof, weil sie ihre Freunde nicht wie gewohnt sehen konnte. Aber dann fand sie es „eigentlich cool“. Sie habe bereits alle Sachen wie Arbeitsblätter und Bücher zu Hause gehabt, weil die Brigidenschule sich auf die Schulschließungen vorbereitet hatte.

Die Schule bietet eine Plattform an, das Padlet. Dort bekommen die Schüler Aufgaben, Elternbriefe und Lernvideos. Das klappte direkt vom ersten Tag an. Per WhatsApp informieren die Lehrer die Schüler, wenn neue Aufgaben auf die Plattform gestellt wurden. Auch Lob bekommen die Schüler über WhatsApp.

Mehr Geräte angeschafft für Fern-Unterricht

Vor dem Homeschooling wurden alle Schüler gefragt, ob sie Laptop und Drucker haben. Wer das nicht hatte, hat ältere Schul-Laptops bekommen, die wieder fit gemacht wurden. Wer zu Hause nicht drucken kann, der kann sich seine Aufgaben immer dienstags an der Brigidenschule abholen, ausgedruckt.

Da Pauline und Justus meistens zeitgleich Unterricht haben, haben ihre Eltern nach dem ersten Lockdown einen neuen Drucker, einen zweiten Computer und eine zweite Webcam gekauft. „Uns war klar, dass der Distanzunterricht wieder kommen wird“, sagt Karsten Heinzel im Gespräch mit der Redaktion. Dafür sei das zusätzliche Kindergeld vom Staat super gewesen.

Lehrer machen selbst Videos

Besonders gut am Homeschooling findet Pauline, dass sie sich selbst einteilen kann, wann sie ihre Aufgaben macht. An der Brigidenschule gibt es Aufgabenzettel und Wochenpläne. Montags, donnerstags und freitags finden Videokonferenzen mit den Lehrern statt. Die sind in Fünfer-Gruppen nach Klassen aufgeteilt. Dienstags werden die erledigten Aufgabenzettel, die im Wochenplan stehen, an der Schule abgegeben.

Auch Pauline geht in Legden zur Schule, auf die Brigidenschule. Sie mag es, dass sie sich ihre Aufgaben selbst einteilen kann.
Auch Pauline geht in Legden zur Schule, auf die Brigidenschule. Sie mag es, dass sie sich ihre Aufgaben selbst einteilen kann. © privat © privat

„Die Lehrer machen sogar selbst Videos zum Lernen“, sagt die Drittklässlerin. „Damit die Kinder auch die Lehrer mal wieder sehen“, ergänzt Karsten Heinzel. Die Brigidenschule sei super auf den ersten Lockdown vorbereitet gewesen. „Da waren sie montags schon vorbereitet auf das Homeschooling“, sagt Karsten Heinzel.

Digitales Klassenzimmer mit Hand heben

Ganz so einfach war der Start mit dem Homeschooling an der Paulus-van-Husen-Schule wohl nicht. Denn im ersten Lockdown konnten einige Schüler sich noch nicht online anmelden, aber das sei wohl eher ein Fehler der Schüler gewesen, meint Justus. Anfangs habe es keine Videokonferenzen gegeben, nur Aufgaben über die Schulhomepage. Dort gab es Links, die nach Klassen geordnet waren und so kam man an die Aufgaben. Karsten Heinzel sagt: „Die waren auch öfters verspätet online.“

Aber das alles habe sich mittlerweile total verändert. Im zweiten Lockdown wird der Unterricht bereits vom ersten Tag an eins zu eins digital umgesetzt. „Wir haben jeden Tag nach Stundenplan Konferenzen“, sagt Justus. Ganz normal wie in der Klasse, nur online. Man sieht die Lehrer, wie sie im Klassenraum an der Tafel stehen oder im Homeoffice sind. Sogar Hände heben geht online, wie man es kennt. „Das ist wirklich cool“, findet auch Karsten Heinzel.

Sportunterricht teils praktisch, teils theoretisch

In den Pausen können die Kids private Videochats nutzen, um sich mit ihren Freunden zu unterhalten „und sogar zum Zocken“, sagt Justus. Christiane Heinzel hatte anfangs Bedenken, dass ein ganzer Schultag auf Dauer zu anstrengend für ihre Kinder sein könnte, aber sie ist erleichtert, dass es nicht so ist.

Sogar Sportunterricht ist online machbar. „Das ist aufgeteilt in praktische und theoretische Teile“, erklärt Justus im Gespräch mit der Redaktion. Es gibt beispielsweise Lückentexte als Theorieteil und im Anschluss werden praktische Übungen zu dem Thema gemacht. „Heute haben wir Workouts gemacht mit Musik. Wir mussten die Übungen so lange machen, wie die Musik lief“, sagt der Siebtklässler.

Eltern sind begeistert vom Konzept

In Fächern wie Mathe, Deutsch und Englisch ist es möglich, den Videochat zu verlassen, wenn der Lehrer es erlaubt, damit man in Ruhe seine Aufgaben lösen kann. Man kann aber auch drin bleiben und dem Lehrer Fragen stellen. Auch Referate halten gehe online super.

Christiane Heinzel freut sich darüber, dass die Internetseite der Paulus-van-Husen-Schule immer aktuell gehalten wird. „Neuerungen stehen sofort auf der Seite“, sagt sie. „Der Online-Unterricht lief im zweiten Lockdown sofort super und nach Stundenplan“, resümiert Karsten Heinzel. Auch die Schüler würden den Lehrern helfen, wenn die technische Fragen haben. Von der Schule hat jeder Schüler ein Microsoft 365 Paket kostenfrei bekommen.

Schulen in Legden sind top vorbereitet

Gut kommt bei Christiane und Karsten Heinzel an, dass die Lehrer der Paulus-van-Husen-Schule täglich von 8 bis 16 Uhr erreichbar sind für Fragen. Und wenn Fragen später eingereicht werden, werden sie am darauf folgenden Tag beantwortet. „Die Schule ist auch total gut vernetzt wegen des Glasfaseranschlusses, deshalb können die Lehrer ihren Unterricht vor Ort vorbereiten“, sagt Karsten Heinzel.

Insgesamt hätten sich die Lehrer dort alle top vorbereitet und sich gegenseitig unterstützt und fortgebildet. „Sie lagen auf keinen Fall auf der faulen Haut. Im ersten Lockdown hatten wir das auch erst gedacht, aber dann hat alles eine gute Entwicklung genommen“, sagt Karsten Heinzel. Christiane und Karsten Heinzel glauben beide, dass Schulleiter Knut Kasche das Thema Digitalisierung gepusht hat und die Kollegen das gemeinsam umgesetzt haben. Das Fazit von Familie Heinzel zum Thema Homeschooling in Legden: Die Schulen in Legden sind top organisiert.

Homeschooling hat positive Nebeneffekte

Aber der Fernunterricht kommt nicht nur gut an, weil er funktioniert. Familie Heinzel hat nämlich noch mehr Vorteile entdeckt. Beide Kinder hätten durch den Fernunterricht mehr Medienkompetenz entwickelt. Pauline könne mittlerweile alleine Bilder zum Ausmalen ausdrucken, Dateien speichern und sich selbst in Konferenzen einwählen.

Auch Justus hat etwas festgestellt: „Es ist ruhiger und ich kann konzentrierter arbeiten“, sagt der 12-Jährige. Auch seine Eltern haben diesen Eindruck. „Wir haben das Gefühl, dass es Justus damit besser geht“, sagt Karsten Heinzel. Es gibt weniger Störungen und im Homeschooling herrsche eine bessere Arbeitsatmosphäre.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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