Hochwasserschutzkonzept: So soll Legden von den Fluten verschont bleiben

dzHochwasser

2010 und 2016 trafen Hochwasserkatastrophen die Gemeinde Legden. Solche Szenarien sollen sich nicht mehr wiederholen. Ein Hochwasserschutzkonzept ist in Arbeit.

Legden

, 04.09.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Überflutete Wiesen und Hofanlagen, ein reißender Mühlenbach, Eigenheimbesitzer mit vollgelaufenen Kellern, Feuerwehrleute, die rund um die Uhr Wasser pumpen und Sandsäcke verbauen. 2010 und 2016 war Land unter in Legden. Ein solches Szenario soll sich nach Möglichkeit nicht wiederholen.

In der Aula der Sekundarschule in Legden ging es am Montagabend um das Hochwasserschutzkonzept der Gemeinde Legden.

Info-Veranstaltung

Gut 50 Zuhörer, darunter Ratsmitglieder, Vertreter des Wasser- und Bodenverbandes, Mitglieder der Landwirtschaftlichen Ortsvereine und der Freiwilligen Feuerwehr hörten sich die Ausführungen in der Info-Veranstaltung an.

Bürgermeister Friedhelm Kleweken berichtete zu Beginn von zahlreichen Gesprächen mit der Bezirksregierung Münster, dem Kreis Borken und dem Wasser- und Bodenverband. Letzterer sei 2016 mit der Bitte auf die Gemeinde zugegangen, mehr für den Hochwasserschutz zu tun.

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Das wiederum sei eine Aufgabe für die nächsten Jahre und Jahrzehnte, steckte der Bürgermeister den zeitlichen Rahmen ab. Doch ohne das Zutun der Landwirtschaft werde der Hochwasserschutz nicht funktionieren, sprach Kleweken die Landwirte unter den Zuhörern an. „Es geht nicht ohne die Bereitschaft, Flächen zur Verfügung zu stellen. Das werden Sie heute Abend noch hören.“

Geld und Fläche

Doch in welcher Größenordnung die Flächen von Landwirten herangezogen werden sollen, darüber wurde am Montagabend nicht mehr gesprochen. Auch die finanziellen Auswirkungen waren nur am Rande Thema. Schließlich stehe die Gemeinde ganz am Anfang des Verfahrens. Friedhelm Kleweken dazu: „Hochwasserschutz kostet viel Geld.“

Auch Vincent Hochfeldt vom Aachener Ingenieurbüro Pro Aqua blieb in seinem Vortrag eher im Allgemeinen. „Wir sind noch auf Konzeptebene und noch nicht in der Detailplanung.“

Hochwasserschutzkonzept: So soll Legden von den Fluten verschont bleiben

Vincent Hochfeldt vom Ingenieurbüro Pro Aqua aus Aachen. © Christian Bödding

Hochfeldt berichtete von zwei Vorsorge-Bereichen in Sachen Hochwasserschutz: den natürlichen Wasserrückhalt durch Aufstauen und den technischen Hochwasserschutz, zum Beispiel durch Bauwerke.

Probleme durch Hochwasser könne die Gemeinde unter anderem am Ortseingang im Bereich Roggenkamp sowie am Altenwohnhaus St. Josef bekommen. In Asbeck gebe es mit dem Mühlenbach Probleme im Bereich Frettholt.

Als mögliche Maßnahmen des Hochwasserschutzes nannte Vincent Hochfeldt, das Wasser des Mühlenbachs aufzustauen, im Bereich Haulingort einen Brückenquerschnitt zu verengen und einen Fußweg am Altenwohnheim anzuheben.

Retentionsfläche

Im Bereich Daldrup in Asbeck könne das Wasser auf eine Wiese (Retentionsfläche) zurückgestaut werden, ohne dass es Probleme gebe. So könnten bis zu 21.000 Kubikmeter Wasser problemlos gespeichert werden. Der Hochwasserspiegel im Ort könnte damit um 21 Zentimeter verringert werden.

In der Nähe der Barenborg an der Dinkel in Holtwick könnten zusätzlich 75.000 Kubikmeter Hochwasser im Holtwicker See „zwischengelagert“ werden. Zum Vergleich: ein Wettkampfbecken (50 Meter lang, 25 Meter breit, drei Meter tief) fasst 3750 Kubikmeter Wasser. „Alles, was wir an Wasser zwischenlagern, kommt nicht in der Ortschaft an“, erklärte Vincent Hochfeldt.

Hochwasserschutzkonzept: So soll Legden von den Fluten verschont bleiben

Teilnehmer der Info-Veranstaltung in der Aula der Sekundarschule. © Christian Bödding

Bürgermeister Friedhelm Kleweken berichtete nach Hochfeldts „wissenschaftlich fundiertem Vortrag“ über einen Hochwasseralarmplan. Für diesen bedürfe es jedoch der Zusammenarbeit der an der Dinkel liegenden Kommunen und der Stauwehrbesitzer.

Letztere würden schon seit Generationen mit viel Erfahrung auf steigendes oder fallendes Wasser reagieren, allerdings gebe es keine klare Abstimmung, wann wer und bei welchem Pegelstand das Wehr ziehe.

Kritische Nachfragen

Friedhelm Kleweken: „Ich hoffe, dass für den Alarmplan zeitnah ein Lösungsansatz gefunden wird.“ Kritische Nachfragen, warum denn mehrere Kommunen daran beteiligt werden müssten, beantwortete der Bürgermeister so: „Was dem einen nützt, schadet dem anderen, nur etwas zeitversetzt.“

Kritik gab es auch an der Gemeinde Legden. Es werde im Ort zu wenig in die Höhe gebaut und zu viel Fläche versiegelt, hieß es von einem Teilnehmer. Der Bürgermeister zeigte Verständnis: „Wir als Verwaltung wünschen uns an der ein oder anderen Stelle schon eine massivere Bebauung.“

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