Glätte, Sturm und Dürrefolgen sind Herausforderungen für den Legdener Bauhof

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Ein Blick auf die Wettervorhersage ist wichtig im Bauhof Legden. Denn Frost oder stürmische Winde fordern den Einsatz notfalls rund um die Uhr. Dazu gehören auch Holzarbeiten.

Legden

, 22.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ralf Mönsters schiebt das Tor auf und gibt den Blick frei auf Salzberge. Das Lager ist gut gefüllt. Der Winter ist vergleichsweise mild, sagt der Leiter des Bauhofs Legden. Doch immerhin 13 Mal in diesem Jahr musste der Bauhof frühmorgens ausrücken, um zu streuen. Das Hauptgeschäft in diesen Tagen sind Holzarbeiten.

Aufmerksam beobachtet Ralf Mönsters (52) in diesen Wochen die Wetterlage. Wenn die Temperaturen nachts fallen sollen, gehen zwei der sechs Mitarbeiter in Rufbereitschaft. Für mindestens einen von ihnen ist dann die Nacht um 3 Uhr vorbei. „Der Mitarbeiter fährt dann bestimmte Punkte an und überprüft die Straßen“, erläutert Ralf Mönsters: Autobahnbrücken, verschiedene Pflasterflächen, also neuralgische Punkte. Ist es glatt, kommt der zweite Mitarbeiter dazu. Dann wird gestreut. „Einer macht die Straßen, der andere die Gehwege.“

In einem Schirmschuppen lagern die Salzvorräte, 70 Tonnen Salz sind es in jedem Jahr durchschnittlich.

In einem Schirmschuppen lagern die Salzvorräte, 70 Tonnen Salz sind es in jedem Jahr durchschnittlich. © Ronny von Wangenheim

Der Legdener Bauhof ist zuständig für die Gemeindestraßen. Auf der B 474 zum Beispiel ist der Landesbetrieb Straßen-NRW zuständig. „Wir streuen vorrangig die Schulwege“, erläutert Ralf Mönsters und zeigt sein Streubuch. Hier wird genau dokumentiert, wo und wann gestreut wurde. Vier Stunden inklusive der Reinigung des Fahrzeugs wird für den Winterdienst veranschlagt.

Winter ist milder als sonst

Gefühlt gab es fast keinen Frost in diesem Winter. Das täuscht, so Mönsters. Zwar ist der Winter milder als sonst, aber gerade nachts wird es doch manchmal glatt. „Die Temperaturen steigen aber oft morgens sehr schnell, dann merkt das keiner mehr“, sagt der Legdener.

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Gestreut wird Salz. „Es gibt keine Alternative dazu“, sagt Ralf Mönsters, der seit 20 Jahren im Bauhof arbeitet und ihn seit 2014 leitet. Splitt zum Beispiel müsse man auch wieder auffegen, das bedeutet doppelte Arbeit. Zudem lande der Splitt auch in der Kanalisation und dann im Klärwerk. 70 Tonnen Salz lagern in der Regel in einer Schirmscheune. In den vergangenen drei Wintern lag der Verbrauch zwischen 34 und 40 Tonnen.

Eine Weide in der Nähe eines Kinderspielplatzes wird von den Mitarbeitern des Bauhofs beschnitten.

Eine Weide in der Nähe eines Kinderspielplatzes wird von den Mitarbeitern des Bauhofs beschnitten. Hier sind Tobias Vinkelau und als neuer Mitarbeiter Bernd Mönstermann im Korb. © Ronny von Wangenheim

Gekauft wird das Salz immer im Sommer, wenn die Preise günstiger sind. Ralf Mönsters: „Wenn es mit dem Wetter so weiter geht, brauchen wir vielleicht nicht mal was kaufen.“ 1,5 Tonnen Salz werden in einer Nacht verbraucht, wenn wie bisher 5 Gramm pro Quadratmeter gestreut werden. Gäbe es stärkeren Frost oder Schneefall, können theoretisch bis 40 Gramm pro Quadratmeter gestreut werden.

Bis Ende Februar können noch Bäume gefällt werden

Verkehrssicherungspflicht ist das große Stichwort für die Arbeit des Bauhofs. Das gilt für den Winterdienst, aber auch für die Holzarbeiten. Sie beschäftigen die Mitarbeiter in diesen Tagen. Anfang Oktober bis Ende Februar ist das Zeitfenster. Hecken auf den Stock setzen, Bäume beschneiden oder fällen – das sind die Hauptaufgaben.

Die vertrocknete Fichte auf dem Jüdischen Friedhof in Legden wurde jetzt gefällt.

Die vertrocknete Fichte auf dem Jüdischen Friedhof in Legden wurde jetzt gefällt. © Ronny von Wangenheim

Die Dürre der vergangenen beiden Sommer hat auch vor den Legdener Bäumen nicht Halt gemacht. Viel mehr Bäume als sonst mussten gefällt werden. Baumhasel und Mehlbeere an der Hauptstraße oder eine Robinie am Rathausplatz nennt Mönsters als Beispiele. In dieser Woche wurde auch eine sehr große Fichte auf dem jüdischen Friedhof gefällt, deren nackte Äste zeigten, dass sie abgestorben war.

Schippe, Rechen, Besen: Viel Handarbeit wird von den Bauhofmitarbeitern verlangt.

Schippe, Rechen, Besen: Viel Handarbeit wird von den Bauhofmitarbeitern verlangt. © Ronny von Wangenheim

Die Entwicklung sei schon besorgniserregend, so der Legdener. „Wenn wir mit dem Steiger nach oben fahren, erschrickt man, wenn man sieht, was da noch alles an Totholz in der Krone ist. „Überall wird es im Herbst Neuanpflanzungen geben“, so der Bauhof-Leiter. Zurzeit wird an einem Konzept gearbeitet, mit welchen klimaresistenten Bäumen man in Zukunft arbeiten will.

Nach „Sabine“ die Schulbuslinie abgefahren

Auch Sturm Sabine hat die Bauhof-Mitarbeiter beschäftigt. „Es war glimpflicher als angekündigt“, sagt Ralf Mönsters. Am Tag danach haben sie den ganzen Tag lang die komplette Schulbuslinie abgefahren – insgesamt 30 Kilometer – und vor allem auf den Wirtschaftswegen vereinzelt Äste beseitigt.

Kontrolliert werden im Winter auch alle Bäume in der Nähe von Kindergärten oder Spielplätzen. In dieser Woche hat Bauhofmitarbeiter Tobias Vinkelau die Säge an eine Weide in der Nähe einer öffentlichen Grünfläche am Mückenmarkt beschnitten. Andere Kollegen sammeln das Holz, das später geschreddert wird.

Bauhofmitarbeiter haben am Mittwoch eine Weide am Mückenmarkt gestutzt.

Bauhofmitarbeiter haben am Mittwoch eine Weide am Mückenmarkt gestutzt. © Ronny von Wangenheim

Vor allem im Außenbereich werden die Hecken auf den Stock gesetzt. „Die Wirtschaftswege müssen frei bleiben“, sagt Mönsters. Generell werde darauf geachtet, dass in Kreuzungen oder Straßeneinmündungen die Sichtwinkel frei sind. Bei Bäumen wird auf das Lichtraumprofil geachtet, also in der Höhe geschnitten, damit große Fahrzeuge nicht behindert werden.

Es gibt Kritik am Bauhof wegen des Umgangs mit Wallhecken

Ralf Mönsters kennt die Kritik, wenn Hecken auf den Stock gesetzt werden. „Das sieht erst mal unglücklich aus, es ist aber unumgänglich.“ Er erläutert: „Wir sind schon ökologisch aufgestellt.“ So würden Wallhecken immer nur abschnittsweise wie bei einem Schachbrett auf den Stock gesetzt, um den Lebensraum für die Tiere zu erhalten. Generell müssten Hecken alle acht Jahre auf den Stock gesetzt werden, damit sie von unten wieder nachkommen. „Nach zwei Jahren ist die Hecke wieder nachgewachsen.“

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