Geballte Gülleladung in Legden/Asbeck sorgt für Kritik

dzLandwirtschaft

Böse Zungen behaupten, dass die bäuerliche Fruchtfolge rund um Legden die sei: Gift, Gülle, Gift. Die zuständige Kontrollbehörde, die Landwirtschaftskammer, widerspricht vehement.

Legden

, 01.05.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Naturschützer beklagen es für Legden/Asbeck ja schon länger und immer wieder. Sie sprechen von einer „Überfrachtung mit Gülle“. Zum Schaden von Natur und Umwelt, Gewässern und vor allem der Gesundheit. Insbesondere in der Trockenzeit der letzten Wochen werde das extreme Ausbringen der Gülle zum Problem, weil sie stark ausgase, Feinstaub und Keime freisetze.

Aktuell hat eine Untersuchung von Greenpeace, die Antibiotika-resistente Keime in Gülle aus der Schweinemast festgestellt hatte, für Aufregung gesorgt.

Vorwurf: Gewässer besonders stark betroffen

Der weitere Vorwurf eines Naturschützers aus Legden, der aus Angst vor Repressalien namentlich nicht genannt werden möchte: Weil die dürren Böden die Nährstoffmengen gar nicht aufnehmen könnten, würden durch Drainagen und Abflussrinnen auch Gräben und Gewässer zusätzlich extrem belastet. Die Folge seien Schaum- bis hin zu Pilzbildungen.

Auch im ausgetrockneten Graben sind Schaumreste deutlich zu erkennen.

Auch im ausgetrockneten Graben sind Schaumreste deutlich zu erkennen. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Akribisch haben die Naturschützer die Mängel mit Angabe der jeweiligen Flurstücke aufgelistet und auch mit Fotos dokumentiert. Einige Auszüge: Gräben wie Kloaken, Schaumbildung; Güllerückstände in einer mit Totalherbizid abgespritzten Ackerfläche; überdüngte Flächen mit Abflussrinnen zum Graben; Ausbringung von Glyphosat bis auf den Wegrand. Selbst das Wasser aus dem Quellbereich des Asbecker Mühlenbach komme im Dorf Legden-Asbeck in sehr schlechter Qualität an.

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Massentierhaltung als Quelle?

Das alles sei die Konsequenz, die sich aus der Massentierhaltung ergebe. Also geht es im Kern gar nicht nur um ein Gülle, sondern um ein Entsorgungsproblem im Kreis Borken mit seiner Tierbesatzdichte? Was aber sagt die zuständige Kontrollinstanz, die Landwirtschaftskammer, zu einer derartigen Kritik?

Was falsch aussieht, kann richtig sein

Heinrich-Ludger Rövekamp, Leiter der LWK-Kreisstelle Borken, geht erst einmal davon aus, dass angesichts „geballter“ Düngetätigkeiten in der Öffentlichkeit oft der Eindruck entstehen könne, dass Landwirte nicht ordnungsgemäß handelten. Das Güllen der Felder sei aber eben nur in bestimmten Phasen möglich.

Das gleiche Bild: Schaum hängt an den Grabenrändern.

Das gleiche Bild: Schaum hängt an den Grabenrändern. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Die Kammer aber nehme ihre Kontrollfunktion ernst, gehe jeder Anzeige nach und führe auch unangemeldet Pflanzenschutzkontrollen durch. Sollten Missstände festgestellt werden, habe das empfindliche Konsequenzen für den Landwirt.

Heinrich-Ludger Rövekamp: „Da geht es dann um Kürzungen bei der EU-Prämie, nicht nur für die betroffene Fläche sondern für den Gesamtbetrieb.“

Außerdem müssten Landwirte sich verpflichtend regelmäßig in Sachen Pflanzenschutz fortbilden.

Kammer: Nur wenige schwarze Schafe

Das räumt er aber ein: „Natürlich gibt es auch hier schwarze Schafe, im Großen und Ganzen handelt es sich aber um Einzelfälle, mitunter ist es auch einfach Missgeschick.“ Im Vergleich zu anderen Kreisen stehe der Kreis Borken nämlich recht gut da. Hinweise auf Verstöße lägen hier „tendenziell auf niedrigem Niveau“.

Und manchmal sei auch der Eindruck, den ein braunes Feld hinterlasse, nicht gleich der Hinweis auf Verfehlungen. „Der Landwirt kann dennoch sach- und fachgerecht tätig gewesen sein.“ Auch bei der Kritik bezüglich resistenter Keime durch Antibiotika sieht der Kreisstellen-Leiter der Kammer den Kreis Borken „relativ sicher aufgestellt“.

Zumindest hätten hier Erhebungen zusammen mit dem Ministerium für Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW (LaNuV) und schon vor Jahren ergeben, dass die gefundenen Antibiotikareste nicht aus der Tiermast, sondern aus humaner Quelle stammten.

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