Eine dicke Schneeschicht, wie hier auf dem Symbolbild, bedeckt vielerorts das im Herbst gesäte Getreide auf den Feldern. © picture alliance/dpa
Landwirtschaft

Erst Regen, jetzt Schnee: Ist extremes Winterwetter gut für die Landwirte?

Mit Regen, Schnee und Frost zeigt sich das Wetter in diesen Tagen von seiner winterlichsten Seite. Das extreme Winterwetter bringt viele Vorteile, aber auch Hürden für die Landwirtschaft mit sich.

Wer Bauernregeln Glauben schenkt, der könnte meinen, dass die Landwirte in der Region gerade Freudensprünge machen, wenn sie die weiße Pracht auf ihren Feldern sehen. So heißt es beispielsweise: Auf hartes Winters Zucht, folgt gute Sommersfrucht.

Oder: Wenn es sehr viel schneit und der Schnee lange liegen bleibt, so ist es ein Zeichen eines guten, fruchtbaren Jahres. „Aus dem Stehgreif kenn ich keine, da müsste ich googeln“, sagt Legdens Ortslandwirt Christian Bomberg und lacht. „Hier und da ist da aber was Wahres dran.“

Christian Bomberg, Landwirt in Legden, kennt zwar nur wenige Bauernregeln, weiß dafür aber, welche Vorteile Frost und Schnee mitbringen.
Christian Bomberg, Landwirt in Legden, kennt zwar nur wenige Bauernregeln, weiß dafür aber, welche Vorteile Frost und Schnee mitbringen. © (A) Ronny von Wangenheim © (A) Ronny von Wangenheim

Frost im Ackerboden verbessert die Bodenstruktur

So sind das Schneetreiben und die frostigen Temperaturen tatsächlich gut für die Natur. Frost gehört wie Sonne und Regen zum normalen Naturablauf dazu. „Das fehlte die letzten Jahre schon so ein bisschen“, sagt Christian Bomberg. Dass sich die Landwirte wegen der Temperaturen unter dem Gefrierpunkt freuen, könne er trotzdem pauschal nicht bestätigen. Aber: „Für die ganze Natur ist es erstmal gut, wenn es durchfriert.“

Denn Frost verbessert die Bodenstruktur. Da Eis ein größeres Volumen hat als Wasser, werden durch die gefrierende Feuchtigkeit in der Erde größere Erdklumpen auseinandergebrochen. Der Ackerboden wird dadurch lockerer. Durch den Frost werden auch Schädlinge auf natürliche Weise reduziert. Christian Bomberg nennt die Borkenkäfer als Beispiel. Die zählen zu den Feinden der Bäume und den schlimmsten Schädlingen im Wald.

Schneedecke wirkt auf den Feldern wie eine Isolierschicht

Auch bringt der Schnee Vorteile für die Landwirtschaft mit sich. „Schnee schützt die Pflanzen vor dem ganzen Frost“, erklärt der Landwirt. „Was wir im Herbst ausgesät haben, ist jetzt durch den Schnee bedeckt.“ Die Schneedecke ist somit eine Art Isolierschicht für das Getreide auf den Feldern.

Erfreulich sind für die Landwirte vor allem die steigenden Grundwasserspiegel durch die Regenmassen in den vergangenen Wochen. „Was wir in den letzten Wochen an Regen bekommen haben, hilft auf jeden Fall gegen einen Dürre-Sommer“, so Christian Bomberg. „Wir haben wieder Grundwasserstände, die wir zuletzt vor zwei oder drei Jahren hatten.“ Auch die tieferen Bodenschichten sind durch die langanhaltenden Regenfälle durchnässt worden.

Schnee und Frost bringen nicht nur Vorteile mit sich

Sobald der Schnee anfängt zu schmilzen, könnte das Tauwasser weiter zu einem gut durchnässten Boden verhelfen. Dennoch: „Vieles wird oberflächlich in die Gräben abfließen und nicht in den Boden einsickern.“

In diesen Tagen haben auf den Höfen in Legden wegen des Wintereinbruchs aber erst einmal die Tiere Priorität. Teilweise sind Futterlager zugeschneit und Leitungen zur Versorgung eingefroren. Auch die Silobestände sind zugefroren. „Früher war so ein Winterwetter normal, jetzt kennt man das gar nicht mehr.“

Über die Autorin
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In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
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Anne Schiebener

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