Waren im Katastrophengebiet im Einsatz (v. l. n. r.): Marcel Berkemeier, Daniel Thomas, Lukas Hellkuhl, Peter Richters, Bernd Mönstermann, Tobias und André Hackenfort sowie Lars Hellkuhl. © privat
Flutkatastrophe

Einsatz für Legdener im Katastrophengebiet: „Da hat man Tränen in den Augen“

Als er die Bilder aus dem Ahrtal sah, war André Hackenfort klar, dass er helfen muss. Er organisierte auf eigene Faust schweres Gerät und fuhr ins Katastrophengebiet. Jetzt steht der nächste Einsatz an.

Die Flutkatastrophe im Ahrtal liegt inzwischen rund fünf Wochen zurück, doch es wird noch Jahre brauchen, bis die Schäden beseitigt sind. Dabei haben auch Freiwillige aus Legden geholfen.

Das Team um André und Tobias Hackenfort ist auf eigene Faust, aber mit viel Unterstützung aus der Heimat in das Ahrtal gefahren. „Ich habe Tag und Nacht geschaut, was da passiert ist“, erinnert sich André Hackenfort. „Ich dachte mir, dass ich da helfen muss.“

Anstatt fürs heimische Haus zum Baumarkt zu fahren, bog der 36-Jährige an jenem Tag ab zu VTS Trucks im Legdener Gewerbegebiet und fragte, ob etwas möglich sei. Kein Problem, hieß es dort. Lkw, Tieflader, Radlader – alles ganz unbürokratisch, einen Ausweis wollte niemand sehen. Der Legdener Landwirt Michael Große-Puppendahl, das Unternehmen Reers Maschinentechnik aus Heek und die Gemeinde steuerten auch noch schweres Gerät bei.

Organisierte und gezielte Hilfe aus dem Kreis Borken

Und noch ein weiteres Problem mussten die Hackenforts lösen: Wie gelangen sie an Ansprechpartner vor Ort? Acht Leute aus Legden fuhren am Ende runter in die Flutgebiete, über die 150 Mitglieder umfassende WhatsApp-Gruppe der Helfer aus dem Kreis Borken waren flugs Unterkünfte organisiert. Hierüber wurden die Legdener auch für Aufgaben eingeteilt.

Dann kam die Stunde der Wahrheit. Fahrt herunter nach Bad Neuenahr-Ahrweiler, Ground Zero. Nicht mehr Fernsehen, hier wurde die Katastrophe für die Legdener Wirklichkeit.

„Das war heftig bei der Ankunft, gestapelte Autos“, erzählt André Hackenfort. Aus dem Fernsehen könne man das allenfalls erahnen. „Das kann man sich nicht vorstellen. Wir waren bei einem Winzer, bei dem das Wasser sechs Meter hoch auf dem Hof gestanden hat“, berichtet sein Bruder Tobias Hackenfort (33). An einer anderen Stelle sei eine Straße einfach weggespült gewesen.

Viel weggeräumt mit schwerem Gerät aus Legden und Heek

Mit ihrem schweren Gerät halfen die acht Männer vor allem beim Wegräumen von allem, was die Flut so angespült hatte. Im Falle des Winzers war es vor allem Schlamm, der Teile der Anbauflächen bedeckte. „Da war um die Ecke ein ganzes Haus einfach weggespült worden, ein Mann und ein Kind starben. Da hat man Tränen in den Augen, wenn man das hört“, erzählt André Hackenfort.

Die Geschichten, die sie vor Ort hörten, seien sehr bedrückend gewesen. „Bei dem Weingut lagen Schnuller und Zahnbürsten im Dreck herum, da habe ich mir gedacht, dass da noch etwas auf uns zukommt“, blickt der Programmierer zurück.

Schlamm auf dem Sportplatz

Sein Bruder war bei einer Realschule im Einsatz, die die Bundeswehr bereits geräumt hatte. Der Schutt musste auf Lkw verladen und abtransportiert werden. Auch hier war der stinkende Schlamm ein Problem: „Der stand 20 Zentimeter hoch auf dem Sportplatz“, berichtet Tobias Hackenfort.

„Wir waren letztlich immer da, wo gerade Bedarf war“, sagt André Hackenfort. Eine Zufahrt geräumt, eine Tiefgarage entschlammt. Was den Legdenern aber am einprägendsten in Erinnerung geblieben ist, ist die Herzlichkeit und Dankbarkeit der Menschen vor Ort.

„Das war einfach Wahnsinn“, so André Hackenfort. Teilweise wollten die Menschen sogar Geld geben. Überall hatten die Menschen Stände aufgebaut, um die Helfer mit Essen zu versorgen.

Wenn die Legdener Ausrüstung erhalten, fahren sie nochmal los

Das alles ist jetzt zwei Wochen her. Die Erinnerungen lassen die Helfer aus Legden seither nicht mehr los. Übernächste Woche, erklären sie, wollen sie vielleicht wieder ins Ahrtal. Zu tun gebe es dort schließlich noch genug. Nur die notwendige Ausrüstung fehlt ihnen noch…

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