Ein Schuss im Wald, ein Gedicht und viele offene Fragen über einen Mörder

dzMord in der Broeke

Der Mord in der Broeke vor 100 Jahren bleibt Thema in Legden. Jetzt ist ein altes Gedicht aufgetaucht. Und damit die Frage: Könnte es vom Beichtvater des Mörders stammen?

Legden

, 09.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Nicht nur der Gedenkstein in der Broeke erinnert an den feigen Mord an dem Forstaufseher Ernst Schmitz vor 100 Jahren. In Legden entstand damals ein Gedicht, das ältere Legdener in ihrer Jugend auswendig gelernt haben und es vereinzelt noch heute aufsagen können.

Einer von ihnen hat jetzt aufgrund der Berichte der Münsterland Zeitung zum 100. Jahrestag und zum Besuch der Verwandten aus Amerika das Gedicht noch einmal zu Papier gebracht und dem Legdener Heimatkenner Hermann Terhörst geschickt. Etwas romantisierend verklärt es den Mord an Ernst Schmitz. „Das Gedicht geht unter die Haut“, sagt der Legdener.

Jetzt lesen

Hermann Terhörst sagt weiter: „Wer der Verfasser des Gedichts ist, steht nicht fest. Hier gibt es Vermutungen, dass der Verfasser der Dahlienvikar Entrup war, welcher auch der Jagd sehr zugetan war.“ Er geht sogar weiter in den Spekulationen: „Vielleicht war er ja Beichtvater des Wilderers.“

Erbitterter Kampf zwischen Wilderern und Beamten

Nach Legden führte damals die Spur der Wilderer, die sich vor 100 Jahren, kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs, mit den fürstlichen Förstern einen wahren Krieg geliefert hatten – und hierhin führte wahrscheinlich auch die Spur des Mörders. Seine Identität konnte nie geklärt werden.

Da drückte der Wilddieb dem Förster, die gebrochenen Augen zu,
und flüsterte leise die Worte:
Gott schenke dir ewige Ruh.

„Halt Schurke die Büchse herunter! So tönt es von drüben her, dich Wilddieb, dich such ich schon lange, von der Stelle kommst du mir nicht mehr“, heißt es in dem siebenstrophigen Gedicht, das laut Hermann Terhörst in der damaligen Zeit entstanden sein muss. Hier werden mehrere Ereignisse zusammengeworfen.

Tatsache ist, dass es eine andauernde Fehde zwischen den Förstern und den Wilderern gab, die die Salm-Salm’sche Jagd „vollständig ausgeschossen hatten“, also alles Wild erlegt hatten. So schrieb es Otto Busdorf in seinem Buch „Wilddieberei und Förstermorde“.

Beim Feuergefecht stirbt ein Wilderer

Anfang März 1919 zog der Landrat in Ahaus alle verfügbaren Förster und Landjäger zusammen, um etwas gegen die Wildererbanden zu unternehmen, die immer dreister auftreten. Als ein Oberlandjäger auf einen Wilderer stieß, entwickelte sich ein Feuergefecht zwischen einigen Beamten und Wilderern, wobei „der berüchtigte R. aus L.“, so Busdorf, erschossen wurde.

„Der Wilddieb gibt keine Antwort, er kennt ja die sichere Hand, ein Knall und gleich darauf ein Aufschrei und der Förster lag sterbend im Sand“, heißt es weiter in dem Gedicht. Jetzt ist auf jeden Fall Ernst Schmitz gemeint, der am 29. März 1919 aus 240 Metern Entfernung erschossen wurde. Es war ein Racheakt und Schmitz gar nicht gemeint. Er hatte seinen ersten Arbeitstag als fürstlicher Forstaufseher in der Broeke.

Jetzt lesen

In der letzten Strophe weicht die Dichtung von der Realität ab: „Er stellt sich im Ort dem Gendarmen, gepeinigt von Reue und Glut. Gott schenk meiner Seele Erbarmen, ich büß für des Försters Tod.“

Taten waren verjährt

In der Realität wurde der Mörder nie gefasst, trotz einer hohen Belohnung. Erst fünf Jahre später wird der Kriminaloberinspektor Tykwer aus Recklinghausen mit der Aufklärung betraut. Er kann etliche Wilderer vor den Untersuchungsrichter bringen. Diese Taten sind da aber schon verjährt.

100 Jahre später erinnert ein Gedenkstein in der Broeke an den Mord. Erst kürzlich besuchte der Großneffe Bill Schmitz mit seinem Sohn Tim, der in Cleveland/Ohio lebt, den Gedenkstein gemeinsam mit Verwandten aus der Region.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt