E-Carsharing hat die Kinderkrankheiten besiegt und jetzt lockt ein schnittiger BMW i3

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Türen gehen nicht auf, das Auto lässt sich nicht starten: Die Anfänge für das E-Carsharing waren mühsam. Vor allem die App bremste Autofahrer aus. Jetzt aber ziehen die Mietzahlen an.

Legden, Heek, Ahaus

, 12.02.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Kinderkrankheiten sind zum größten Teil raus. Das sagt Ute Schwietering, Koordinatorin des Leader-Projekts E-Carsharing. Je problemloser es funktioniert, ein E-Auto auszuleihen, desto mehr wird das Angebot genutzt. Auch der Fuhrpark wurde noch ausgebaut. Mit mehr Öffentlichkeitsarbeit soll in diesem Jahr noch mehr Schwung in das Projekt gebracht werden. Und es gibt noch mehr Pläne.

Inzwischen sind es sieben Autos, die an verschiedenen Standorten in Ahaus, Heek und Legden ausgeliehen werden können. Beliebteste Ausleihstation: die Stadtwerke in Ahaus.

Rund 100 Menschen haben dort zwischen Juni und Dezember ein E-Auto ausgeliehen – für ein paar Stunden oder für das ganze Wochenende. In diesem Jahr beobachtet Ute Schwietering eine steigende Nachfrage. An den anderen Stationen waren es zwischen 10 und 35 Fahrten. Ute Schwietering: „Da ist noch Luft nach oben.“

Geduldige Stammkunden halfen

„Wir haben einen netten Kundenstamm“, erzählt die Projektkoordinatorin. Und der habe sich sehr geduldig gezeigt und immer wieder die Fehler gemeldet. Neben technischen Schwierigkeiten bei der Verbindung vom Smartphone zur Telemetrieeinheit im Fahrzeug gab es auch Missverständnisse bei der Anwendung. Diese erste Zeit nennt Ute Schwietering eine Lernphase.

„Wir verschicken jetzt eine E-Mail mit Tipps und Tricks“, erzählt sie. Wie entferne ich das Ladekabel, wie beende ich die Miete, was mache ich, wenn sich die Türen nicht öffnen – auf all diese Fragen gibt es eine Antwort.

„Viele sind neugierig“, erzählt Ute Schwietering, „manche testen auch die verschiedenen Modelle.“ Genau so soll es sein. Denn das erst einmal auf zwei Jahre begrenzte Leader-Projekt hat das Ziel, Bürger für Elektrofahrzeuge zu begeistern und einen Umstieg auf Elektromobilität zu fördern.

Fünf Standorte in Ahaus, je einer in Heek und Legden

Das größte Angebot gibt es in Ahaus mit fünf Standorten: am Rathaus, bei der Wirtschaftsförderung, den Stadtwerken, in Alstätte und bei der Autovermietung Althoff. Dort wurde jetzt das neueste Fahrzeug, ein BMW i3, stationiert. Als einziges Fahrzeug der Flotte ist er schwarz, alle anderen Wagen sind weiß und tragen das AHL-Logo.

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In Heek und Legden steht jeweils ein Wagen. Der Smart, der anfangs in Legden stand, wurde aus dem Projekt herausgenommen. „Er war wegen der Reichweite nicht so attraktiv“, so Ute Schwietering. Inzwischen steht am Rathaus in Legden ein Renault Zoe.

Fast überall kann man rund um die Uhr die Autos buchen. Mitarbeiter, beispielsweise der Gemeinde Heek oder der Stadtwerke in Ahaus, müssen sich genauso einbuchen wie Privatpersonen. Dabei gilt das Motto: Wer zuerst kommt, leiht zu erst. An den Rathäusern in Ahaus und Legden allerdings stehen die E-Autos werktags zu den Bürozeiten ausschließlich den Mitarbeitern in den Rathäusern zur Verfügung.

„Ich nutze das Auto jeden Tag.“
Friedhelm Kleweken

„Ich nutze das Auto jeden Tag, auch spontan“, sagt Bürgermeister Friedhelm Kleweken, warum in Legden diese Lösung gilt. Auch Mitarbeiter sind mit dem E-Auto unterwegs. Auch er beobachtet steigende Ausleihzahlen. „Das Auto ist jetzt jedes Wochenende ausgeliehen.“

Aller Anfang ist mühsam. Da stellt auch die Dinkelgemeinde in Sachen E-Carsharing keine Ausnahme dar. „Wir mussten hohe Hürden nehmen, bis wir alles am Start hatten“, sagt Heeks Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff auf Anfrage.

Negative Vorfälle sind bisher die absolute Ausnahme

Gab es denn mal negative Vorfälle beim Thema E-Car in der Gemeinde? Franz-Josef Weilinghoff muss einen Moment überlegen. „Nein, bis auf eine Ausnahme glücklicherweise nicht.“ Seinerzeit habe eine Frau das E-Car einfach kurzerhand mit nach Hause genommen. Angeblich, weil die Ladestation am Rathaus nicht frei gewesen sei. Ob dem tatsächlich so war, lässt sich nicht mehr klären.

Der Ausleih-Ablauf in 6 Schritten:
  • Einmalige Registrierung hier.
  • Einmal persönlich mit Führerschein, Ausweis und Sepa-Mandat bei den Bürgerämtern oder dem Kooperationspartner vorbeikommen.
  • Smartphone-App „ConfCar“ aus dem AppStore (iOS) oder Google PlayStore (Android) herunterladen.
  • Anmeldung im Buchungsportal oder über die ConfCar-App, ein eAuto auswählen und buchen.
  • An Ihrem geplanten Standort über die ConfCar-App die Fahrzeugmiete
    starten und per App das Fahrzeug öffnen.
  • Einsteigen und losfahren.
  • Die Mietkosten betragen 13 Euro für sechs Stunden. Wer das Auto für das ganze Wochenende bucht, zahlt 60 Euro inklusive Stromkosten.

Übrigens waren die Mitarbeiter der Dinkelgemeinde im Vorfeld des offiziellen Starts vor sechs Monaten eine Art „Versuchskaninchen“. Wochenlang testeten sie den E-Golf und die dazugehörige Technik. Und halfen dabei, die „Kinderkrankheiten“ Stück für Stück auszumerzen. „Wir als Gemeinde blicken jetzt zuversichtlich in die Zukunft“, so Franz-Josef Weilinghoff mit Blick auf das Pilotprojekt.

Rund 35 Mal wurde der E-Golf in Heek bisher gebucht

Und diese Aussage lässt sich zugleich an Zahlen festmachen. 3000 Kilometer ist der geleaste E-Golf bei mittlerweile rund 35 externen Buchungen gelaufen. „Seit November 2019 haben sich die Zugriffszahlen deutlich verbessert.“ Und der Bürgermeister hat für Interessierte einen Ratschlag: „Beim ersten Mal ist das vielleicht noch etwas ungewohnt, aber das gibt sich schnell. Einfach einmal ausprobieren.“

„Einfach einmal ausprobieren.“
Franz-Josef Weilinghoff

Und wie geht es jetzt weiter? In Heek wird perspektivisch bereits daran gedacht, das Projekt irgendwann mal auf eigene Beine zu stellen – beispielsweise mit Ankermietern aus der lokalen Wirtschaft. Legdens Bürgermeister Friedhelm Kleweken steht voll hinter dem Projekt. Doch danach müsse es privatwirtschaftlich organisiert werden. „Auf keinen Fall wird die Gemeinde Legden als Autovermieter auftreten“, betont er.

Er denkt den Share-Gedanken sogar noch weiter. Nachbarschaften könnten sich ein Auto teilen. „Das gemeinsame Nutzen eines teuren Wirtschaftsgutes wird ein wichtiges Thema“, sagt er und nennt als ein Beispiel einen teuren Anhänger für Grünabfälle, den sich Bürger teilen könnten.

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Projekt soll über die zwei Jahre hinaus verlängert werden

Doch noch ist das Zukunftsmusik. Aktuell steht erst mal eine Verlängerung des auf zwei Jahre bis April 2021 ausgelegten Leader-Projekts im Raum. „Das möchten wir gerne, weil es einfach Sinn macht“, so Weilinghoff. Denn: „Jeder soll auch in Zukunft bei uns mit relativ wenig Aufwand und kostengünstig ein E-Car testen können.“

Friedhelm Kleweken sagt, dass nach Partnern gesucht werde. In den kommenden Wochen wolle man das Projekt stärker bewerben. Das ist auch der Plan von Ute Schwietering. Sie ist sicher, dass sich noch einiges tun wird. „In diesem Jahr sollen viele neue Modelle herauskommen“, sagt sie. Möglich, dass dann auch noch mehr Autos für das E-Carsharing angeschafft werden. Weitere Standorte in Ortsteilen von Ahaus könnten dazukommen.

Die kommenden Monate sollen nun klären, ob man das Projekt wirtschaftlich auf eigene Beine stellen kann. Auf dem Weg dahin sollen weitere Unternehmen gewonnen werden. Ute Schwietering: „Sie könnten eigene Autos einbringen oder aber unseren Pool nutzen.“

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