Düstermühlenmarkt abgesagt: Ungewissheit lässt Betreibern keine Wahl

dzCorona-Krise

Bis zuletzt hatten sie gehofft, dass sie den Düstermühlenmarkt 2020 organisieren können. Doch vor Beginn der konkreten Planungen verkünden die Betreiber die Absage. Das Risiko ist zu hoch.

Legden

, 15.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In jenen Tagen aber, wenn die großen Kram- und Viehmärkte das Bild der Düstermühle beherrschen, ist hier ‚kein Durchkommen mehr. Aus ganz Deutschland kommen dann die Händler, um von unseren Bauern Vieh zu kaufen.“ Der Beitrag aus der Kreiszeitung vom 23. Juni 1941 über die „Düstermühle im Wandel der Zeiten“, den ein Leser der Münsterland Zeitung wiederentdeckt hat, beschreibt sehr gut, welche Dimensionen der Düstermühlenmarkt schon damals angenommen hatte.

Ein weiteres Kapitel in der Geschichte wird in diesem Jahr nicht geschrieben: Die Betreiber des Marktes, Bernhard Lösing, Michael Schaedel, Ludger Kerkhoff und Bernhard Hülsken, haben nun frühzeitig die Abstimmung getroffen, den diesjährigen Markt am letzten August-Wochenende abzusagen. Die Corona-Krise lasse keine andere Wahl.

Stand heute keine Genehmigung möglich

„So schwer sie uns gefallen ist – wir mussten jetzt eine Entscheidung treffen“, berichtet Bernhard Hülsken. Noch vor einigen Wochen hatte man sich ein Stück weit Hoffnung bewahrt. Der Düstermühlenmarkt fällt auf das letzte Wochenende, das in den Zeitraum des aktuellen Verbots von Großveranstaltungen fällt.

Intensiv habe man sich mit den vier Betreibern in der vergangenen Woche ausgetauscht, die Meinung war am Ende einheitlich, so Michael Schaedel, Betreiber der Düstermühle: „Das ist mit zu viel Risiko behaftet. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass man im August die Pandemie besser im Griff hat, vieles wäre dann improvisiert. Und wer weiß, wie hoch die Auflagen dann wären?“ Ebenso wolle man eine Verhältnismäßigkeit zu anderen Großveranstaltungen wahren, dessen Veranstalter ebenso schon eine Absage vorgenommen hätten. Das gebühre der Respekt.

Mit der Vorlaufphase laufen die Kosten an

Vorausgegangen war auch eine Rückmeldung des Landrates Dr. Kai Zwicker: „Stand heute kann aufgrund der aktuell geltenden NRW-Verordnung zum Schutz vor Neuinfektionen keine Genehmigung erteilt werden, die Ungewissheit ist einfach noch zu groß“, gibt Brigitta Hülsken den Tenor wieder. Da nun allerdings die konkrete Planungsphase anlaufen würde, musste vorausschauend gedacht werden. „Wir müssen ja auch Personal gewinnen. Und vor allem: Mit Beginn der Vorlaufphase laufen auch die Kosten an“, erklärt Bernhard Hülsken.

Ein Artikel aus der Kreiszeitung für den Kreis Ahaus beschreibt die Düstermühle im Wandel der zeit. Ein weiteres Kapitel dieser Geschichte wird nun erst im kommenden Jahr 2021 geschrieben.

Ein Artikel aus der Kreiszeitung für den Kreis Ahaus beschreibt die Düstermühle im Wandel der zeit. Ein weiteres Kapitel dieser Geschichte wird nun erst im kommenden Jahr 2021 geschrieben. © privat

Nun seien diese noch überschaubar. Anders als bei der ersten Absage 2010 wegen des Hochwassers. „Da stand alles, die Folgen waren entsprechend heftig.“ Besonders getroffen seien natürlich die Krammarkt- oder Kirmesbeschicker. „Die Reaktionen reichen von Verständnis bis Enttäuschung. Für einige bricht in dieser Zeit leider vieles bis alles weg“, so Bernhard Hülsken. „Viele bekunden uns immer wieder, wie gerne sie gekommen wären. Eine solche Entscheidung fällt nicht leicht“, ergänzt Brigitta Hülsken. Doch Fakt sei auch, dass die „Verantwortung einfach zu groß sei“.

Vorfreude auf 2021 umso größer

„Wer einmal ein solchen Markt mit seinem bunten Leben und Treiben mitgemacht hat, wer einmal Zeuge dieser frohen Stunden an der Düstermühle war, der wird sie nie vergessen und manches Mal seine Schritte wieder zur alten Mühle an der Dinkel lenken, um bei ihr Freude und Erholung zu suchen.“ Auf diese Erfahrungen, wie sie in der Kreiszeitung von 1941 treffend beschrieben werden, müssen die Besucher nun bis ins kommende Jahr warten: „Da sind wir dann alle noch motivierter“, verspricht Bernhard Hülsken.

Kleines Alternativ-Event geplant

Womöglich nicht ganz verzichten müssen die Gäste auf ein wenig Markt-Flair Ende August an der Düstermühle. „Wir haben – sofern möglich – schon eine Alternative im Kleinen im Kopf, das können wir dann aber auch erst kurzfristig entscheiden“, spricht Michael Schaedel für den Landgasthof, der ebenso am Christi Himmelfahrtstag eine Bewirtung unter den bekannten Vorkehrungen sicherstellen wird. Und verzichten müssen die Schlagerfreunde auch nicht auf das Schlager Open-Air an der Düstermühle: „Das verschieben wir vom 28. Juni auf den 27. Juni 2021, Karten behalten ihre Gültigkeit.“ Nähere Infos gebe es in Kürze.

„Abhaken und nach vorne schauen“

„Es nützt ja nichts.“ Die Enttäuschung ist Bernhard Hülsken anzumerken. „Abhaken und nach vorne schauen“ laute deshalb das Motto, so bitter die Absage sei. Und: „2010 sind beim Hochwasser alle gesund geblieben, das ist jetzt auch das Wichtigste.“

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