Dorf Münsterland: Festgenommene stehen in Verbindung zu Großschlachter

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Nach den Festnahmen am Dorf Münsterland steht jetzt fest: Die Festgenommenen stehen in Verbindung zu einem Großschlachtbetrieb. Allerdings anders als mancher vermuten würde.

Legden

, 07.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Insgesamt 22 Personen wurden am Montag, 5. Oktober, am Dorf Münsterland vorläufig festgenommen. Von Seiten der Polizei hieß es am Montag, dass der Verdacht bestand, dass sich mehrere Personen mit gefälschten Ausweispapieren in Deutschland arbeitssuchend aufhielten. Und das war dann am Dorf Münsterland auch der Fall. Der Einsatz dauerte mehrere Stunden.

Gehören die Festgenommenen zu Schlachtbetrieben?

Aufgrund der räumlichen Nähe von Betrieben der Großfleischereien Tönnies und Westfleisch zum Dorf Münsterland und der in der jüngsten Vergangenheit aufgedeckten Missstände bei Großfleischereien, stellt sich eine Frage: Stehen die vorläufig festgenommenen Personen bei Dorf Münsterland in Verbindung zu einem der Schlachtbetriebe?

André Vielstädte von der Pressestelle der Großfleischerei Tönnies, die in Legden Rinder schlachtet, antwortete am Dienstagmittag so: „Wir haben keine Informationen dahingehend, somit muss ich die Frage verneinen.“

Westfleisch arbeitet eng mit Behörden zusammen

Anders sieht es beim Konkurrenten Westfleisch aus. Die Großschlachterei hatte tatsächlich etwas mit den Festnahmen am Dorf Münsterland zu tun, allerdings anders als mancher vielleicht vermuten würde.

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Auf die Festnahmen in Legden angesprochen, reagiert Meinhard Born, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Westfleisch, am Dienstag sehr offen, antwortet allerdings erst am Mittwoch: Der Sachverhalt am Dorf Münsterland sei dem Unternehmen bekannt.

Sowohl die noch bis Jahresende für Westfleisch tätigen Dienstleister als auch die Genossenschaft selbst hätten demnach größtes Interesse daran, dass derartige Verstöße aufgedeckt und geahndet würden. Aus diesem Grund würden alle Beteiligten beim Thema Ausweispapiere eng mit den Behörden zusammenarbeiten.

Auffälligkeiten im Sprachverständnis

So war es auch bei den Festnahmen am Dorf Münsterland am Montag. Der Westfleisch-Dienstleister selbst habe die Überprüfungen initiiert, heißt es dazu aus der Unternehmenskommunikation. Der Grund: Auffälligkeiten im Sprachverständnis innerhalb der Beschäftigtengruppen ergaben Hinweise auf mögliche Unregelmäßigkeiten.

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„Etwa die Hälfte der festgesetzten Personen ist erst seit Kurzem im Einsatz, die andere Hälfte ist erst vor wenigen Tagen nach Deutschland eingereist“, erklärt Meinhard Born auf Anfrage unserer Redaktion.

Keine Beanstandungen in der letzten Zeit

Er betont, dass es sich dabei um eine Ausnahme gehandelt habe: Bei den in der Fleischwirtschaft regelmäßig anlasslos stattfindenden Routinekontrollen des Zolls und weiterer Behörden habe es in den vergangenen Wochen und Monaten keine Beanstandungen in den Betrieben von Westfleisch gegeben.

Und weiter sieht er nicht nur die Fleischbranche in der Pflicht: „Schließlich handelt es sich bei dieser Art von Vorfällen wie im Dorf Münsterland aus Expertensicht nicht um ein Branchenproblem, sondern um ein Thema, das in vielen Bereichen des modernen Wirtschaftslebens in Europa auftritt“, so Born.

Der Großeinsatz rund um das Dorf Münsterland am vergangenen Montag hatte für einiges Aufsehen gesorgt: Mit rund 20 Einsatzfahrzeugen hatte die Polizei das gesamte Gelände umstellt und schließlich 22 Personen festgenommen. Sie hatten in ihren Papieren angegeben, aus Bulgarien, Litauen, Rumänien und Ungarn zu stammen. Als EU-Bürger hätten sie so auch in Deutschland arbeiten dürfen. Tatsächlich stammen sie jedoch aus Georgien und der Ukraine. Gegen sie wurden Strafverfahren wegen ausländerrechtlicher Verstöße und Urkundenfälschung eingeleitet.

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