Das Thema Digitalisierung und Home Schooling sorgte in der Gemeinderatsitzung in Legden für eine Diskussion. © picture alliance/dpa

Diskussion im Rat um Digitalpakt: Liegen Lehrer auf der faulen Haut?

Etwas hitzig war die Diskussion im Rat über den Sachstand der Digitalisierung in Legdens Schulen. Vor allem die Lehrkräfte gerieten dabei ins Visier. Hätten die Lehrer sich vorbereiten müssen?

Die Digitalisierung der Schulen läuft in ganz Deutschland ziemlich unterschiedlich, dabei stehen alle vor dem gleichen Problem: Homeschooling. Dazu braucht es nicht nur Geräte, Software und das Know-How, dies auch nutzen zu können, sondern vor allem auch Konzepte.

Die CDU Legden hatte für die Ratssitzung am Montag, 25. Januar, beantragt, dass Thema „Sachstandsbericht Umsetzung Förderprogramm Digitalpakt an den Schulstandorten der Gemeinde Legden“ in die Tagesordnung aufzunehmen. Im Antrag heißt es: „Leider sind weder die zuständigen Fachgremien noch der Rat der Gemeinde Legden über die Ergebnisse und den Stand der Umsetzung bislang informiert worden.“

Nie wieder was von Medienkonzepten gehört

Das Thema wurde im Tagesordnungspunkt 12 besprochen. Und das sorgte für einige Diskussionen. Der Sachstand wurde zwar in der Sitzung erläutert, nämlich dass die Brigidenschule noch auf Endgeräte warte und die Paulus-van-Husen Schule 50 Laptops für Lehrer und 30 Laptops für Schüler erhalten habe, aber das war den Antragstellern nicht genug.

Fanden bereits im November 2020, dass die Paulus-van-Husen-Schule auf einem guten Weg hin zur Digitalisierung ist, auch wenn Geduld aufgebracht werden muss (v. l.): Elternpflegschaftsvorsitzende Susanne Entrup, Schülersprecher Lukas Kauling und Schulleiter Knut Kasche.
Fanden bereits im November 2020, dass die Paulus-van-Husen-Schule auf einem guten Weg hin zur Digitalisierung ist, auch wenn Geduld aufgebracht werden muss (v. l.): Elternpflegschaftsvorsitzende Susanne Entrup, Schülersprecher Lukas Kauling und Schulleiter Knut Kasche. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Immer wieder sei im Vorfeld ein Medienkonzept Thema gewesen. Das sei ja schließlich auch erforderlich für die Förderung. Bereits ein Jahr sei es her, dass über Medienkonzepte gesprochen wurde. Die CDU hätte diese Konzepte gerne einmal gesehen. Vor allem aber, hätte alles viel schneller umgesetzt werden müssen.

Was haben die Lehrer gemacht?

Und dann kam eine Frage, die für Zündstoff sorgte. Berthold Langehaneberg von der CDU fragte: „Was haben die Lehrer denn die ganze Zeit gemacht?“ Während der Corona-Pandemie sei für die Lehrer ja Zeit gewesen, solche Konzepte zu entwickeln.

Fragen rund um das Thema Schule beantworten wir in unserem kostenlosen Live-Talk am Dienstag, 2. Februar, um 18.30 Uhr unter www.muensterlandzeitung.de. Zu den Experten gehört unter anderem Mathias Richter, Staatssekretär im Schulministerium. Fragen können Sie schon jetzt mailen an: reden@muensterlandzeitung.de

Das konnte sich Tobias Ebbing von der SPD nicht länger anhören und verteidigte die Lehrer: „Die Lehrer setzen sich mit vielen Überstunden aus persönlichem Antrieb ein und arbeiten am digitalen Lernen.“ Auf einzelne Lehrer möge es zutreffen, dass sie sich nicht engagierten, aber insgesamt stimme es nicht, dass die Lehrer sich nicht kümmerten.

Die Brigidenschule mache derzeit das Homeschooling über IServ, aber das Ziel sei es auch, über den Digitalpakt einen eigenen Server aufzubauen, erklärte Ebbing weiter. Was die Hardware angeht, so warten derzeit viele Schulen auf Endgeräte, da gibt es Lieferschwierigkeiten. Die Brigidenschule hat alte Laptops fit gemacht und sie an Schüler ausgegeben, die selbst keine Endgeräte haben.

40 Jahre nach Lehrplan

Dennoch wurde im Rat darauf hingewiesen, dass seit zwölf Jahren von Mängeln gesprochen wird. Die Kuh müsse endlich vom Eis. Berthold Langehaneberg ruderte nach den Ausführungen von Tobias Ebbing jedoch etwas zurück und sagte, er gebe nur Rückmeldungen von Eltern weiter. Trotzdem wies er auch darauf hin, dass im Digitalpakt aus 2019 Gelder bereitgestellt worden sind und die Schulen gesagt haben, dass sie in der Lage seien, Konzepte zu entwickeln.

Darauf reagierte Silke Meß von der UWG: „Mein Kind ist an der Paulus-van-Husen-Schule und da gibt es derzeit keine Probleme.“ Tobias Ebbing wies darauf hin, dass einige Lehrer seit 40 Jahren einem Lehrplan folgten und gerade diesen Lehrkräften einfach eine Vorbereitung auf Home-Schooling fehle.

Hardware ohne Schulungen bringt nichts

Berthold Langehaneberg pflichtete ihm bei und sagte: „Die Schüler sind ja heute auch flotter mit der Technik unterwegs als die Lehrer. Das ist das Problem.“ Offenbar um die Diskussion nicht noch weiter in die Länge zu ziehen, meldete sich Gerd Heuser von der UWG zu Wort: „Wir müssen da einfach Dampf machen, bislang bekommen die Schulen nur die Hardware, mehr nicht. Keine Schulungen oder ähnliches.“ Darüber will man sich nun Gedanken machen.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen