Die „Abendfantasie“ füllte die Gnadenkirche gleich zwei Mal

dz„Abendfantasien“ in Gnadenkirche

Lange musste die Reihe der „Abendfantasien“ in der evangelischen Gnadenkirche wegen Corona pausieren. Unter strengen Auflagen fand am Sonntag die elfte Veranstaltung statt. Gleich zwei Mal.

Legden

, 23.06.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Pfarrer Olaf Goos und VHS-Leiter Dr. Nikolaus Schneider konnten für die Wiederbelebung dieser gemeinsamen Reihe von Christus-Gemeinde und der VHS Ahaus Michael Rein (Violine) gewinnen. Er spielt die erste Violine beim Orkest van het Oosten in Enschede und er dirigiert zusätzlich das Euregio-Sinfonieorchester der VHS. Rein interpretierte alle Stücke auf der historischen Violine aus dem Jahr 1740, gebaut von Camillo Camilli, wodurch auch neuere Werke einen ganz eigenen Klang entfalteten.

Abendfantasien wurden gleich zwei Mal aufgeführt

„Die Abendfantasie in doppelter Ausführung hatten wir auch noch nicht“, begrüßte Goos das Publikum, das auf Abstand im Kirchenraum platziert worden war. Maximal 18 Personen konnten an der Veranstaltung teilnehmen, weshalb das Programm aus Musik, mentalem Input durch Schneider und Gedichten, gelesen von Schneider und Dorothee Käufer, bestand. Bei der ersten Veranstaltung mussten viele Besucher auf den zweiten Abendtermin vertröstet werden.

Reins Interpretation der Fantasie Nr. 5 A-Dur von Georg Phillip Telemann bildete den musikalischen Auftakt der „Abendfantasie“, die unter dem Motto „Künstlich“ stand.

Was ist alles „künstlich“?

Schneider nahm dieses Motto zum Anlass, um auf die dritte Strophe des Kirchenliedes „Lobet den Herrn“ einzugehen, in dem das Wort „künstlich“ ebenfalls vorkam. „Als Kind habe ich mich schon gefragt, was dieser Begriff dort soll. Alle Dinge, die mit Kunstfertigkeit geschaffen wurden wie der Mensch, sind künstlich“, lieferte Schneider die einleuchtende Erklärung dazu.

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Heute seien wir alle umgeben von einem „Technikpark“, der künstlich geschaffen wurde, so Schneider. „Schon immer waren die Menschen damit beschäftigt, mit Kunstfertigkeit die Welt zu verändern“, leitete Schneider zu einem Gedicht von Erich Kästner über, das Käufer – wie alle Gedichte – von der Empore las.

Reins Interpretationen der Werke von Alexey Igudesman, mit gerade 47 Jahren der jüngste Komponist, den der Musiker in diesem Konzert vorstellte, und dem folgenden Werk von Nicolo Paganini vermittelten nicht nur spannende abwechslungsreiche Einblicke in die Vielfalt der Geschichte der Musik, sondern auch in die Virtuosität von Rein.

Gedichte – „künstliches Arrangement von Wörtern“

„Auch die Kunstfertigkeit von Michael Rein ist nicht vom Himmel gefallen. Er hat Jahre dafür geübt. Dafür musste er ganz neue Bewegungen lernen. Auch das Instrument ist künstlich geschaffen. Alle Kunst ist künstlich“, so Schneider.

„Die Natur ist in den Gedichten ein Vorwand für etwas anderes“, ergänzte Schneider und bewies es zusammen mit Käufer durch zwei Gedichte von Joachim Ringelnatz und Hans Dieter Hüsch. Auch Gedichte bezeichnete Schneider als „künstliches Arrangement von Wörtern“.

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