Wegen des Hundes seiner Eltern wurde ein 21-jähriger Legdener wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. © picture alliance/dpa
Fahrlässige Körperverletzung

Der Hund seiner Eltern brachte einem 21-Jährigen mächtig Ärger ein

Er sollte nur auf den Hund seiner Eltern aufpassen. Fast zwei Jahre später sitzt der heute 21-Jährige dafür erneut vor Gericht. Der Richter schlug letztendlich einen Kompromiss vor.

Ein 21-jähriger Legdener sah den Richter im Ahauser Amtsgericht am Montag, 26. April 2021, nicht zum ersten Mal. Die Klage wegen fahrlässiger Körperverletzung war sogar schon fallengelassen worden, gegen die Ausrichtung von 15 gemeinnützigen Arbeitsstunden. Doch jetzt saß der junge Angeklagte erneut vor Gericht.

Am 5. Oktober 2019 hatte der heute 21-Jährige auf den Hund seiner Eltern in Legden aufgepasst. Das Gartentor habe laut Anklage offengestanden und so habe der Hund vom Grundstück entkommen können. Dabei hat der Rhodesian Ridgeback einen vorbeigehenden Passanten angesprungen. Dieser verletzte sich, sein Knie verdrehte sich und er erstattete Anzeige.

Normalerweise kommt der Hund selbstständig zurück

Doch das stimme so nicht ganz. Der heute 21-jährige Angeklagte fragte den Richter am Montag, ob er sich dazu äußern darf. Er durfte. Der nach Jugendstrafrecht angeklagte Legdener erklärte: „Wir wohnen am Feld und ich habe den Hund kurz rausgelassen, damit er sein Geschäft verrichten konnte.“ Normalerweise komme der Hund danach selbstständig wieder.

Nichtsdestotrotz hatte der Richter ihm bereits 15 Sozialstunden aufgedrückt. Dafür hat er die Anklage fallenlassen. Für die Durchführung der Sozialstunden hatte der Legdener zwei Monate Zeit.

Verfahren wieder aufgenommen

Die vom Richter verlangten Sozialstunden habe der junge Mann dann im Pflegeheim verrichtet, in dem seine Mutter arbeitet. Auf der „allem Anschein nach selbst erstellten und vom Arbeitgeber unterschriebenen Bescheinigung“ stand dann aber ein Ausstellungsdatum, das der Aufmerksamkeit des Richters nicht entging. Danach hätte der junge Mann die Sozialstunden bereits vor der Tat durchgeführt.

„Die Bescheinigung war vom 6. Juni 2017 und der Zeitraum der zu absolvierenden Sozialstunden ging bis zum 13. Juni 2017“, so der Richter. Das Ganze machte den Richter misstrauisch und das Verfahren wurde wieder aufgenommen.

Jugendgerichtshilfe trotz Bitte des Richters war nicht anwesend

Danach legte der junge Legdener eine neue Bescheinigung vor, dieses Mal sah sie nicht aus wie selbst geschrieben, sie hatte einen Briefkopf eines Unternehmens und ein ordentliches Datum. Dieses Mal handelte es sich aber nicht um gemeinnützige Arbeit. Dabei habe die Jugendgerichtshilfe laut Angeklagtem, die eigentlich am Montag vor Gericht anwesend sein sollte, versichert, die Bescheinigung über die verrichteten Sozialstunden sei in Ordnung und die geleistete Arbeit sei gemeinnützig.

Da die Jugendgerichtshilfe am Gerichtstermin am Montag nicht anwesend war, konnte diese nicht zu Rate gezogen werden. Auch ein vom Richter geforderter Bericht der Jugendgerichtshilfe lag nicht vor. Zudem sei es auch nicht das erste Missverständnis zwischen Jugendgerichtshilfe, Gericht und Angeklagtem gewesen.

„Ich mache auch gerne 20 Stunden mehr“

Der Angeklagte gab dem Richter am Montag zu verstehen, dass er mehr als bereit wäre, die Sozialstunden erneut zu leisten, auch mehr als gefordert. „Ich mache auch gerne 20 Stunden mehr“, wenn er diese nach der Coronapandemie leisten dürfe. Sein Vater habe vor Kurzem einen Herzinfarkt erlitten, diesen wolle er nun schützen.

Der Richter fackelte nicht lange und überlegte sich, dass eine zu verrichtende Geldstrafe als Alternative durchaus sinnvoll wäre. So käme dieses Hin und Her endlich zum Abschluss und der Legdener würde die Gesundheit des Vaters nicht gefährden. Die Anklage hatte keine Zweifel, dass der Angeklagte zahlen werden, denn der 21-Jährige verfügt über ein regelmäßiges Einkommen.

Somit war vom Vertreter der Staatsanwaltschaft kein Veto zu vernehmen. Der 21-Jährige hat nun 250 Euro in einer Rate bis zum 30. Mai 2021 zu leisten. Damit wäre das Thema laut dem Richter dann endlich durch, sofern der Legdener rechtzeitig zahle.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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