Der Legdener Gastronom Andreas Beckhaus wünscht sich von der Politik eine klare Perspektive. © Sascha Keirat
Coronavirus

Bund-Länder-Runde: Legdener Gastronom fordert klaren Öffnungsplan

Bund und Länder beraten am Mittwoch über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise. Bei der „Hermannshöhe“ hofft man auf eine konkrete Perspektive. Dabei kennt man hier auch die Gefahren.

Am Mittwoch kommt sie wieder zusammen, die Runde aus Vertretern von Bund und Ländern. Schon jetzt ist klar: Trotz stagnierender, teilweise sogar steigender Inzidenzwerte soll es auch um Öffnungen gehen. Selbst bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) scheint mittlerweile ein Umdenken stattgefunden zu haben. Der Druck wurde zu groß.

Das weckt Hoffnung in verschiedenen Branchen. Eine davon ist die Gastronomie. Andreas Beckhaus, der mit seiner Familie das Landhotel Hermannshöhe in Legden betreibt, fordert nun ein klares Zeichen von der Politik: „Wir brauchen eine Perspektive und keine schwammigen Formulierungen mehr. Mal lag der kritische Wert bei 50, dann bei 35, jetzt wird er wohl doch wieder hochgesetzt. So darf es nicht weitergehen.“

Planbarkeit muss gegeben sein

Dabei ist dem Legdener Gastronom und Hotelier durchaus bewusst, dass eine schnelle Öffnung ohne Auflagen nicht die Lösung sein kann. „Wenn wir jetzt alles öffnen, riskieren wir einen dritten Lockdown. Das wäre das Worst-Case-Szenario.“ Daher plädiert Andreas Beckhaus für kleine Schritte – und den Mut zum Risiko. „Wir müssen irgendwann wieder loslegen. Aber so, dass wir zur Not wieder die Handbremse ziehen können, falls es nicht klappt.“

Wichtig ist dem Legdener auch eine gewisse Planbarkeit. Ein ähnliches Szenario wie im Frühjahr 2020 möchte er unbedingt vermeiden. „Damals hatten wir nur wenige Tage Zeit, uns nach langem Lockdown auf die Öffnung vorzubereiten. Wir brauchen aber etwas Vorlauf, wenn der Betrieb über Wochen und Monate quasi komplett stillstand.“ Seit Anfang November 2020 ruht der reguläre Restaurantbetrieb. „Den Mitarbeitern fehlt die Routine. Auch hier geht es nicht von 0 auf 100. Teilweise müssen wir das Personal neu einarbeiten“, so Beckhaus.

Wenig Zuspruch für Peter Altmaiers Vorschlag

Wenig hält er von der Perspektive, ab Ostern (4. April) die Außengastronomie wieder öffnen zu dürfen. Diesen Vorschlag hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier unterbreitet. „Mit etwas Pech liegen die Temperaturen zu dieser Zeit rund um den Gefrierpunkt. Auf das Wetter im April kann sich niemand verlassen.“ Gerade auf dem (flachen) Land brauche es schon viel Sonne, um es im Frühling auf der Terrasse angenehm zu haben.

Daher hat die Familie Beckhaus schon im vergangenen Jahr kräftig investiert, um im Innenbereich des Restaurants einen coronakonformen Betrieb zu ermöglichen. Neben Plexiglasscheiben und Desinfektionsspendern wurden auch Luftreiniger angeschafft. Dabei wären die zu keinem Zeitpunkt notwendig gewesen. „Laut Gesundheitsamt hätte es gereicht, regelmäßig zu lüften. Aber wir wollten besondere Vorkehrungen für unsere Gäste und unser Personal schaffen“, erklärt Andreas Beckhaus.

Hoffnungen ruhen auf Schnelltests und neuer App

Für die (nahe) Zukunft kann er sich vorstellen, dass auch digitale Lösungen einen immer höheren Stellenwert einnehmen könnten. Mit großer Aufmerksamkeit verfolgte er am Sonntagabend den Auftritt des Rappers „Smudo“ in der Talkshow von Anne Will. Dort präsentierte der Musiker die unter anderem von ihm entwickelte App „Luca“. Mit ihr soll Kontaktverfolgung deutlich vereinfacht werden.

„Darin setze ich große Hoffnung. Allerdings brauchen wir eine einheitliche Lösung. Wenn jeder Kreis auf eine andere Software setzt, dann wird das nichts werden“, glaubt der Legdener Gastronom. Auch Schnelltests hält er für ein Mittel, um in vielen Bereichen zum Normalbetrieb zurückkehren zu können. „Ich halte das für eine sinnvolle Lösung, um zum Beispiel den Restaurant- oder Kinobesuch wieder möglich zu machen.“

Pauschale Kritik an der Regierung hält Andreas Beckhaus übrigens für falsch. Zum Beispiel seien bei ihm die Hilfszahlungen relativ zeitnah geflossen. Und auch sonst gibt es in diesen Zeiten positive Nachrichten für die Hermannshöhe. „Das Außer-Haus-Geschäft wird sehr gut angenommen. Und durch Monteure und Geschäftsleute liegt die Auslastung unseres Hotels im Schnitt bei 70 bis 80 Prozent.“ Trotzdem freut sich der Legdener Gastronom, wenn es in den nächsten Wochen wieder richtig losgehen kann. „Hoffentlich.“

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
Zur Autorenseite
Johannes Schmittmann

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.