Die Bürgerinitiative "Verdichterstation – Nein danke" versucht weiterhin mit aller Macht, das Großprojekt in Legden zu verhindern. Auch Reinhold Eynck (l.) und Rainer Bergemann denken gar nicht daran, den Kopf in den Sand zu stecken. © Johannes Schmittmann
Verdichterstation Legden

Bürgerinitiative: Kampf gegen Verdichterstation geht in nächste Runde

Die Legdener Bürgerinitiative „Verdichterstation – Nein danke“ wehrt sich weiter gegen die Pläne von Open Grid Europe. Dem Netzbetreiber werfen sie Geldmacherei und fehlende Kommunikation vor.

Die geplante Erdgasverdichterstation, die nach derzeitigem Stand in der Legdener Bauerschaft Haulingort entstehen soll, erhitzt auch weiterhin die Gemüter. Bis zum 15. Februar hatten die Beteiligten Zeit, bei der Bezirksregierung Münster Einwendungen gegen die aktualisierten Pläne vorzunehmen. Vor allem die Bürgerinitiative (BI) „Verdichterstation – Nein danke“ machte davon Gebrauch. Aber auch der Gemeinderat hat in Abstimmung mit der Verwaltung eine überarbeitete Stellungnahme eingereicht.

Die Hoffnung, das Großprojekt noch verhindern zu können, schwindet zwar stetig, doch Aufgeben ist für Rainer Bergemann und Reinhold Eynck keine Option. Die Legdener gehören zu den Gründern der Bürgerinitiative. Beide wohnen in direkter Nachbarschaft zu dem Grundstück, wo der Fernleitungsnetzbetreiber „Open Grid Europe“ die Verdichterstation plant, und wären daher in besonderem Maße betroffen.

„Hausaufgaben“ wurden gemacht

In den vergangenen Monaten verbrachten sie und ihre Mitstreiter fast jede freie Minute damit, „ihre Hausaufgaben zu machen“, wie Rainer Bergemann es nennt. Akribisch arbeiteten sie den nachgebesserten Entwurf von Open Grid Europe durch, verglichen Tabellen, markierten kritische Passagen. „Von Nachbesserungen kann eigentlich nur bedingt eine Rede sein“, erklärt Rainer Bergemann. „Sie haben einige Punkte verändert – aber nicht immer zum Positiven. Einiges hat sich sogar verschlechtert.“

Als Beispiel nennt er die Wasserentnahme. „Um die Baustelle zu entwässern, soll nun deutlich mehr Grundwasser abgepumpt werden als ursprünglich geplant. Da machen wir uns natürlich Sorgen um die Natur und Umwelt“, sagt Bergemann. Außerdem bestehe bei einigen die Sorge, dass dadurch die hauseigenen Brunnen zeitweise trockengelegt werden könnten. „Im gesamten Kreis Borken gibt es strenge Vorschriften zur Wasserentnahme. Und nun kommt ein Unternehmen daher und will 394.000 Kubikmeter abpumpen. Das geht nicht.“

Auch in Legden soll bald eine Erdgasverdichterstation stehen.
Auch in Legden soll bald eine Erdgasverdichterstation stehen. © Open Grid Europe © Open Grid Europe

Auch beim Verkehrsleitkonzept sieht die Bürgerinitiative enormen Verbesserungsbedarf. „Man kann schon jetzt sagen, dass es während der Bauphase zu Staus kommen würde. Die von Open Grid vorgeschlagene Lösung mit einer Ampelanlage macht es eher noch schlimmer“, sagt Reinhold Eynck. Insgesamt ist der BI das potenzielle Verkehrsaufkommen ein Dorn im Auge.

„Unsere Wirtschaftswege sind für die großen Maschinen und Lastwagen nicht ausgelegt. Man hat schon beim Bau der Zeelink-Leitung gesehen, dass dadurch viel kaputt gegangen ist“, so Bergemann. Ganz abgesehen von den Details kommt Reinhold Eynck zu dem Schluss: „Die Verdichterstation ist nicht notwendig. Und wenn doch, dann ist hier der falsche Ort dafür.“

„Gasverbrauch sinkt in ganz Europa“

Er nennt die Gründe, die aus seiner Sicht ganz allgemein gegen die Planungen von Open Grid sprechen: „Der Gasverbrauch sinkt tendenziell in ganz Europa. Im Jahr 2050 soll bei der Energieversorgung komplett Schluss sein mit fossilen Brennstoffen. Doch statt langsam runterzufahren, kommt von den Fernleitungsnetzbetreibern eine Investition nach der anderen.“ Eynck glaubt, dass es dabei schon lange nicht mehr um Rentabilität im klassischen Sinne geht. Er wirft den Betreibern vor, über Umwege mehr Geld vom Verbraucher abgreifen zu wollen.

„Sie können die Investitionen abschreiben und später auf den Endkunden umlegen. Je teurer es wird, desto besser. Es ist eine Gelddruckmaschine“, sagt Reinhold Eynck. Sein BI-Mitstreiter Rainer Bergemann wählt zwar weniger drastische Worte, doch auch auf ihn wirken die Open-Grid-Pläne nicht schlüssig. „Wenn man sich das Erdgasnetz anschaut, wundert es schon, wie man auf den Standort Legden kommt. Warum geht man nicht nach Epe, wo schon eine Gaskaverne steht?“

Den größten Vorwurf machen die Mitglieder der Bürgerinitiative aber in Sachen Kommunikation. „Ein Dialog hat nie stattgefunden. Man lässt uns im Dunkeln. Eine Bürgerbeteiligung war nie gewollt, stattdessen fährt Open Grid eine Salamitaktik“, sagt Reinhold Eynck. Bergemann ergänzt: „Gefühlt werden wir vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Gemeinde schöpft alle Möglichkeiten aus

Auch die Gemeinde Legden schöpft weiterhin alle Möglichkeiten aus, um das Großprojekt in Haulingort zu verhindern. Bei der Ratssitzung im Januar wurde beschlossen, eine erneute Einwendung bei der Bezirksregierung einzureichen. Im Grunde handelt es sich dabei um die erste Fassung, allerdings mit entscheidenden Ergänzungen. Bürgermeister Dieter Berkemeier erklärt: „Wir haben klar formuliert, dass die Grundwasserentnahme nicht zulasten der Anwohner geschehen darf.“

Außerdem fordert der Gemeinderat, genau wie die Bürgerinitiative, dass das Verkehrskonzept überarbeitet wird. „Wir wollen den Wirtschaftsweg am Landhotel Hermannshöhe für den Baustellenverkehr sperren. Sonst fahren sie uns alles kaputt“, so Berkemeier. Auch beim Thema Brandschutz sieht die Lokalpolitik noch Verbesserungsbedarf. Der Bürgermeister erklärt: „Sollte die Verdichterstation kommen, braucht die Feuerwehr entsprechendes Rüstzeug, um im Falle eines Brandes gerüstet zu sein.“ Nun liegt der Ball wieder bei der Bezirksregierung Münster und Open Grid Europe.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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