BI setzt trotz Teilerfolg Kampf fort

Strom-Erdkabel

LEGDEN Noch knistert die 220-kV-Hochspannungsleitung über den Köpfen der Bewohner der Siedlung Waldkrone. Dass die RWE-Tochter Amprion sie im Zuge des Ausbaus zur 380-KV-Hochspannungsleitung bis 2015 unter die Erde verlegt –– und mit ihr das Risiko der Anwohner, durch Elektrosmog zu erkranken – , ist inzwischen beschlossene Sache: ein Teilerfolg der Bürgerinitative „Pro Erdkabel Legden“. Doch die BI will mehr.

von Von Sylvia Lüttich-Gür

, 05.01.2010, 18:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Unter der Erde liegt die Hochspannungsleitung zurzeit nur im Spiegelbild auf dem druchnäassten Acker.

Unter der Erde liegt die Hochspannungsleitung zurzeit nur im Spiegelbild auf dem druchnäassten Acker.

HGÜ-TECHNIK:

Noch besser sei es aber, die innovative HGÜ-Leitungstechnik anzubieten – am besten auf einer Trasse, die nicht der bestehenden Hochleitung folge quer durch das Legdener Wohngebiet, am Rand der Raesfelder Wohnbebauung vorbei und durchs Borkener Gewerbegebiet, sondern entlang der A 31. Die Gleichstromübertragung mit Hochspannung sei die Technologie der Zukunft, so Völker. NRW könne sich mit der Anwendung als Technologiestandort profilieren. Vor allem sieht der Legdener – genauso wie die Vertreter der anderen Bürgerinitiativen auch – aber den Vorteil in der größeren Energieeffizienz.

Außerdem komme es nicht zu einer Erwärmung des Erdkabels – und der unter die Erde verbannte und damit weitgehend unschädlich gemachte Elektrosmog falle ganz weg. Ein weiteres entscheidenes Plus: Der Korridor zur Verlegung der Kabel – Völker spricht von bis zu neun Metern bei der Anwednung der herkömmlichen Technik – wäre längst nicht so breit. In den kommenden Monaten stellt Amprion die notwendigen Genehmigungsanträge und das Bauleitverfahren bei der Bezirksregierung beginnt. „Das wird ein spannendes Frühjahr“, steht für Völker fest. Dass sich Amprion doch noch für die HGÜ-Technik entscheiden könnte, hält Völker gar nicht für unwahrscheinlich: „Wir werden dakämpfen.“

HGÜ-TECHNIK:

  • Was? Die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) ist ein Verfahren zur Übertragung von elektrischer Energie mit Gleichstrom hoher Spannung von über 100 kV. Es handelt sich um eine Technologie, die das Unternehmen ABB vor über 50 Jahren entwickelt hat, um die Effizienz bei Stromübertragung über größere Entfernungen zu erhöhen.
  • Wie? Elektrischer Strom besteht aus bewegten Ladungen: Elektronen fließen im metallischen Leiter und transportieren dabei Energie. Dabei gibt es physikalisch zwei Möglichkeiten: Bei Gleichstrom fließen Ladungenstets in die gleiche Richtung. Bei Wechselstrom ändern die einzelnen Ladungen viele Male pro Sekunde ihre Fließrichtung, bewegen sich also im Rhythmus der Netzfrequenz (Europa: 50 Hertz).
  • Warum? Wechselstrom kann bei Höchstspannung zwar über einige Hundert Kilometer transportiert werden, jedoch kaum weiter; bei Seekabeln liegt die Grenze sogar deutlich unter 100 km. Auf längeren Distanzen werden die Verluste so groß, dass die Kraftwerksleistung vor allem die Leitungen erwärmt. Gründe Bei der Übertragung mittels HGÜ geht nach Angaben von ABB weniger Strom verloren. 

 

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