Viele Unternehmen aus dem Handwerk können ihre Bedarf an Auszubildenden nicht decken. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Arbeitsmarkt

Azubis händeringend gesucht: Es wird enger für die Unternehmen in Legden

Das Ausbildungsjahr hat längst begonnen, doch nicht alle Ausbildungsstellen konnten bislang besetzt werden. Das stellt die Unternehmen in Legden vor wachsende Probleme.

Seit dem 1. August ist es so weit: Das neue Ausbildungsjahr hat begonnen, doch noch immer sind viele Ausbildungsplätze nicht besetzt. „Einen Lehrling haben wir bekommen“, sagt Sebastian Gehlmann von Scharlau Hochbau. Und das sei auch nur mit Hilfe der Bundesagentur für Arbeit gelungen. Gleichwohl: „Wir hätten eigentlich gerne zwei oder drei Azubis gehabt.“

Ähnlich sieht es bei Feimann aus: Das Sanitär- und Heizungsunternehmen sieht seinen Bedarf an Nachwuchskräften derzeit nicht gedeckt. „Gott sei Dank sind wir überhaupt fündig geworden“, erklärt Marius Brockheide. „Wir hätten auch einen zweiten eingestellt.“

Der Fachkräftemangel beginnt beim Nachwuchs

Der vielbeschworene Fachkräftemangel ist also auch bei den Handwerksbetrieben in Legden angekommen – und er macht sich schon beim Nachwuchs bemerkbar. Knapp 1800 offene Ausbildungsstellen meldete die Bundesagentur für Arbeit Ende Juli für den gesamten Kreis. Daten für Legden gibt die Behörde aus Datenschutzgründen nicht heraus.

Es ist aber nicht alles nur schwarz und weiß auf dem Ausbildungsmarkt. Stefan Hellkuhl, Maler- und Lackierermeister, sieht die Lage etwas entspannter: „Wir haben an dieser Stelle kein Problem.“ Sein Unternehmen beschäftigt derzeit drei Auszubildende, eine neue ist gerade dazu gekommen. Die sich verschlechternde Lage ist aber auch hier zu spüren: „In den letzten Jahren hatten wir immer mehr Anfragen von Interessenten als jetzt.“

Ähnliches berichtet Heike Wolter von Gartenbau Wolter. Der kleine Handwerksbetrieb hat gerade zwei neue Auszubildende eingestellt. „Viele Bewerbungen haben wir zuletzt nicht gehabt“, berichtet sie. Deren Anzahl habe in letzter Zeit abgenommen. Im Gegenzug habe sich die Qualität verbessert.

Eine mögliche Erklärung: Viele der späteren Auszubildenden starten bei Wolter mit einem Praktikum, beispielsweise über die Schule. Dann wissen sie auch, worauf sie sich später einlassen. Die Zeiten, in denen sich die Unternehmen die Bewerber aussuchen konnten, sind hingegen schon lange vorbei.

Studium wirkt attraktiver als die klassische Ausbildung

Andere Optionen wirken für Schulabgänger attraktiver, findet Sebastian Gehlmann von Scharlau Hochbau: „Das Handwerk wird nicht so mehr so gewertschätzt. Vielen wird eingebläut, erstmal ein Studium zu absolvieren.“ Da kann der klassische Bau mit der körperlich anspruchsvollen Arbeit dann nicht mithalten.

Marius Brockheide von Feimann sieht die Problematik ähnlich: „Erstmal Schule, Abi und dann studieren. Und dann heißt es noch, es würde nicht so viel Geld verdient im Handwerk.“

Die Darstellung der Handwerksberufe in der Öffentlichkeit scheint dabei eine nicht ganz unwesentliche Rolle zu spielen. Marius Brockheide berichtet von einer kürzlich durchgeführten Informationsveranstaltung in Osterwick, bei der das Unternehmen viele positive Rückmeldungen bekommen habe. „Wenn man die Chance zum persönlichen Kontakt hat, ist es nicht mehr so schwierig, die jungen Leute für sich zu begeistern“, berichtet er.

Was es bedeutet, wenn der eigene Bedarf an Arbeitskräften nicht gedeckt wird, spürt der SHK-Betrieb schon jetzt. „Wir könnten definitiv mehr Aufträge annehmen, wenn wir das Personal hätten“, so Marius Brockheide weiter.

Die Auftragsbücher seien bis zum nächsten Sommer gut gefüllt – für die Kunden bedeutete das eine längere Vorlaufzeit. „Wir würden sofort zwei neue Monteure einstellen.“ Nur passende Bewerbungen seien Mangelware.

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