Reisebüros und Reisende in Legden und Südlohn werden von der Corona-Krise schwer getroffen

dzCorona-Krise

Nicht nur bei Reisenden sind Träume zerplatzt. Die Reisebranche erlebt mit Corona die dritte Krise. Reisebüro-Chefin Annette Dülker kennt aber trotz aller Dramatik auch positive Effekte.

Legden, Südlohn

, 30.03.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie die Kollegen in der Region hat die aktuelle Corona-Krise auch Annette Dülker und ihren Sohn Fabian von Glockenstadt Reisen aus Gescher bis ins Mark getroffen. Das Schlimmste, was Annette Dülker in den Jahrzehnten ihrer Tätigkeit für das Unternehmen, das 1984 von in Ahaus gegründet wurde, erlebt hat. Seit vergangener Woche sind auch die Büros von Glockenstadt Reisen in Legden und Südlohn geschlossen, für neun von insgesamt zehn Mitarbeitern wurde Kurzarbeit beantragt.

Stornieren, umbuchen, beraten

Eine Mitarbeiterin befindet sich im Homeoffice. Für sie, wie auch für Mutter und Sohn (Geschäftsführerin und Büroleiter), ist der tägliche Arbeitsauftrag jetzt wesentlich eingeschränkter als sonst. Auf der Agenda steht eigentlich nur das: stornieren, umbuchen, beraten. Das Meiste läuft übers Telefon, Infos aber auch über Mails oder soziale Medien. Dass die Kunden sich in Reise-Erstarrung befinden, sprich bereits gebuchte Reisen durch die Bank absagen, hat für die Reisebüros dramatische Konsequenzen. „Wir arbeiten gegen null“, sagt Annette Dülker und erklärt warum.

Das Geschäft der Reisebüros basiert auf Provisionen der Veranstalter, die diese mal bereits bei der Buchung, manchmal aber auch erst beim Start der Reise bezahlen. Davon werden in den Reisebüros Gehälter, Mieten und so weiter bezahlt. Das akute Problem: Bei stornierten Reisen werden die Provisionen zurückgefordert. „Und das, obwohl wir ja Leistungen bereits erbracht haben“, sagt die Geschäftsführerin. Außerdem habe sich die Touristik sehr gewandelt, seien die Margen inzwischen minimal.

Hoffen auf Hilfen von außen

Das bedeutet für Glockenstadt Reisen aber auch, dass man nicht mehr ohne Kredite und/oder die versprochenen Hilfen von Bund und Ländern auskommen wird. Keiner wisse aber genau, wann was tatsächlich greift und für wen es überhaupt in Frage kommt. Man warte da auf den Link für die Soforthilfe, der für Freitag angekündigt wurde.

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Wie bei Glockenstadt Reisen sieht die Realität fast überall so aus: Die Rücklagen sind aufgezehrt - insbesondere durch die Thomas Cook-Insolvenz. Innerhalb nur eines halben Jahres steckt man nach Air-Berlin- und Thomas-Cook-Pleiten jetzt schon wieder in einer Krise. Die Einbußen sind erneut riesig. Annette Dülker: „Ich habe gerade so etwas wie ein Déja-vus-Erlebnis.“

Plötzliche Nachfrage bei den Reisebüros

Damit meint sie aber nicht nur die negativen Erfahrungen, sondern hat auch das im Blick: „Schon bei der Thomas-Cook-Insolvenz haben viele der Kunden mitbekommen, wie wertvoll doch stationäre Reisebüros sein können.“ Wie damals ist es auch diesmal so, dass auch Fremdkunden bedient werden. Eigene Kunden würden aber bevorzugt behandelt, betont die Reiseexpertin. Vielleicht werden ja aus den Fremden, demnächst mal alte Bekannte, setzt sie auf Effekte dieses Services.

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Allen Kunden aber, die zur Zeit Rat suchen, rät Annette Dülker zur Besonnenheit. Statt aus Angst sofort zu stornieren, empfiehlt sie stattdessen, erst einmal abzuwarten, oder es mit einer Umbuchung zu versuchen. Die Unternehmerin hofft jedenfalls darauf, dass im Spätsommer wieder Reisen angetreten werden können und bietet aktuell Angebote für August September an. Aber: „So richtig weiß ja keiner, was wird.“

Was man vor einer Buchung wissen sollte

Und auch auf weitere unangenehme Nebenwirkungen wie jetzt bei der Corona-Krise weist sie hin: „Fast viele nicht wissen ist, dass eine ,verbundene Reiseleistung‘ keine Pauschalreise ist und man dann keinen Anspruch auf Erstattung hat.“ Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass die Flieger in bestimmte Länder nach wie vor fliegen, die Hotels weiter ihre Leistungen anbieten und für den Transfer auch gesorgt wird.

Dann nämlich, wenn „verbundene Reiseleistungen“ gebucht werden und für bestimmte Länder keine ausdrücklichen Reisewarnungen bestehen. „Dann fliegen die Flugzeuge eben auch mit wenigen Passagieren an Bord, und die Kunden bleiben zu 100 Prozent auf den Kosten sitzen“, betont Annette Dülker.

Außerdem sei von der aktuellen Lage die ganze Branche betroffen, nicht nur die Reisebüros, auch die Veranstalter von Events, Busunternehmer, Hotels und viele mehr.

Trotz aller Unwägbarkeiten möchte man bei Glockenstadt Reisen aber im eigenen Haus für Klarheit sorgen. „Den Mitarbeitern haben wir zugesichert, dass die Löhne pünktlich gezahlt werden und wir weitermachen“, versichert die Geschäftsführerin. Ein ähnliches Signal gebe es auch für die Kunden: „Wir sind weiterhin für sie da.“

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