Asbecker Kinder machen den Führerschein für gesunde Ernährung

Projekt der Brigidenschule

Den Ernährungsführerschein haben 20 Asbecker Grundschüler mit Bravour absolviert. Dass das erfolgreiche Projekt fortgesetzt werden konnte, ist auch einem Brief an Jens Spahn zu verdanken.

Legden

, 12.04.2019 / Lesedauer: 4 min
Asbecker Kinder machen den Führerschein für gesunde Ernährung

Anhand von Knabbergemüse haben die Schüler allerlei über Gemüse gelernt. Außerdem ging es darum, den Arbeitsplatz einzurichten, Rezepte zu lesen und zu verstehen. © Ronny von Wangenheim

Die Tische sind festlich gedeckt. Das Besteck ist genau zum Porzellanteller hin ausgerichtet, Kerzen brennen und überall auf den Tischdecken steht Blumenschmuck. Tischkärtchen und Menükarten sind liebevoll bemalt. Das Klassenzimmer in der Asbecker Grundschule am Margaretendamm hat sich am Mittwoch für einen Vormittag in ein Restaurant verwandelt.

Die Gastronomen sind die 20 Kinder aus dem dritten und vierten Schuljahr. Und natürlich servieren sie auch ihren Müttern, Vätern, Großeltern und Ehrengästen persönlich den ersten von drei Gängen: lustige Brotgesichter und Knabbergemüse.

Asbecker Kinder machen den Führerschein für gesunde Ernährung

Küchenhygiene, Arbeitssicherheit und Küchentechniken waren Themen beim dritten Termin. Dabei wurde für einen kunterbunten Nudelsalat gemessen, gewogen und geraspelt. © Ronny von Wangenheim

Mit den lustigen Brotgesichtern hat für sie auch alles angefangen auf dem Weg hin zum Ernährungsführerschein, den ihnen Annette Homölle an diesem Mittwoch überreicht. Die Fachfrau für Ernährungs- und Verbraucherberatung im Landfrauenverband hat an sechs Terminen den Grundschülern alles Wissenswertes über gesunde Ernährung beigebracht. Sie kommt regelmäßig in die Brigidenschule, hat in diesem Jahr auch die 68 Kinder in den dritten Klassen am Legdener Standort an gesunde Ernährung herangeführt. Was die Kinder aber hier gezaubert haben, das macht auch sie einen Moment sprachlos.

„Es ist nicht egal, was ich esse, wie viel ich esse und wie ich esse“, sagt Annette Homölle. Und so geht es in den sechs Doppelstunden nicht nur um leckere Rezepte, sondern auch um Hygiene und Tischkultur. Die Voraussetzungen sind ganz unterschiedlich. „Manche Kinder schälen Kartoffeln wie die Profis, andere wissen nicht, wie man ein Messer oder einen Sparschäler richtig hält“, erzählt Klassenlehrerin Ruth Bertmann.

Asbecker Kinder machen den Führerschein für gesunde Ernährung

© Lotta Rehorst

Das Gleiche gilt für die Tischkultur. Einen Tisch schön zu decken, ist längst nicht mehr überall üblich. „Ein Junge hatte für heute Plastikbecher mitgebracht, aber beim Eindecken hat er gleich gesagt, dass das nicht schick aussieht“, erzählt die Lehrerin, dass die Kinder ein gutes Gespür entwickelt haben.

Leo Eismann gehört zu denen, die gerne in der Küche helfen. „Das ist jetzt noch mehr geworden“, erzählt seine Mutter Anke Eismann. Elias van Wüllen schwärmt vom Obstquark, den sie an einem Tag gemacht haben. Für viele waren die Backofenkartoffeln der Hit. Viele Eltern erzählen, wie begeistert die Kinder von dem Projekt sind. Bernd Reers konnte sich selbst davon überzeugen. Er hat wie andere Eltern an den Vormittagen geholfen. „Das ist ein schönes Projekt, die Kinder haben sehr viel gelernt“, sagt er.

Und dann gab es noch eine künstlerische Komponente. „Eat Art“ heißt die kleine Ausstellung im Schulflur. Stolz führen die Kinder ihre Gäste an den Kunstwerken entlang, die inspiriert durch den Schweizer Künstler Daniel Spoerri, dem Erfinder der Eat-Art, entstanden. Hamburger, Pommes, Linsensuppe oder Hirschsteak mit orangener Sauce wurden mit allerlei Material auf Teller und Platzsets wie ein dreidimensionales Stillleben drapiert.

Asbecker Kinder machen den Führerschein für gesunde Ernährung

© Ronny von Wangenheim

Ruth Bertmann ist überzeugt davon, dass das Projekt nachwirkt. Und dass nicht nur, weil die Kinder erfahrungemäß noch sehr lange lustige Butterbrotgesichter in der Schulbrotdose haben. Prävention ist wichtig. Laut einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts sind 15,4 Prozent der Mädchen und Jungen im Alter von 3 bis 17 Jahren übergewichtig. Die Langzeitstudie zeigt auch, dass viele die Extra-Kilos aus der Kindheit ein Leben lang behalten.

Asbecker Kinder machen den Führerschein für gesunde Ernährung

© Ronny von Wangenheim

Im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist das auch ein wichtiges Thema. Gerade erst im Februar wurde das Institut für Kinderernährung am Max Rubner-Institut (MRI) in Karlsruhe eröffnet. „Wir müssen in allen Lebensphasen die Ernährungskompetenz stärken und die Ernährungsforschung intensivieren“, sagte Ministerin Julia Klöckner bei der Eröffnung.

Der Ernährungsführerschein ist eines der großen Präventionsprojekte in Deutschland. In mehr als zehn Jahren sind in Deutschland mehr als eine Million Kinder fit gemacht worden für die Küche. Waschen, schälen, raspeln, Tisch decken, gemeinsam essen und vor das Händewaschen nicht vergessen – damit haben sich jetzt auch die 20 Asbecker Grundschüler mit viel Begeisterung beschäftigt.

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© Ronny von Wangenheim

Nachdem in der Vergangenheit die Schule nach Sponsoren suchen musste, hat diesmal die AOK die Finanzierung übernommen. Jens Spahn hatte den Kontakt vermittelt. Ruth Bertmann: „Ich habe einfach mal an Jens Spahn geschrieben. Es hat etwas gedauert, aber dann kam die Antwort.“ Annette Sadowski und Wolfgang Peschke von der AOK gehörten am Mittwoch auch zu den Gästen. Für sie passt das Programm gut in ihr Präventionsprogramm.

Und damit ist eine Fortsetzung nicht ausgeschlossen. In zwei Jahren soll in Asbeck wieder der Ernährungsführerschein gemacht werden. Für Schulleiterin Silvia Florack wäre eine dauerhafte Finanzierung des Projekts ein Traum. „Dann könnten wir den Ernährungsführerschein auch in unser Schulprogramm aufnehmen.“

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