Apothekerin Petra Hruby aus Legden ist Vorsitzende der Bezirksgruppe Borken im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL). © Ronny von Wangenheim
Lieferengpässe

Apotheken: Lieferengpässe bei Arzneimitteln weiter auf hohem Niveau

Auch im Jahr 2020 haben Lieferengpässe den Apotheken vor Ort zu schaffen gemacht. Der Gesetzgeber hat allerdings für Erleichterung bei der Auswahl von Ersatzmedikamenten für Apotheken gesorgt.

Das Thema ist kein neues, aber leider wird die Lage auch nicht besser. Lieferengpässe von Arzneimitteln machen Apotheken und ihren Kunden auch weiterhin zu schaffen.

Blutdrucksenker, Schmerzmittel, Magensäureblocker: „Lieferengpässe machen uns nach wie vor in den Apotheken vor Ort zu schaffen“, sagt Petra Hruby, Vorsitzende der Bezirksgruppe Borken im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL).

Erleichterung bei Wahl von Ersatzmedikamenten

Im Jahr 2020 waren 16,7 Millionen Rabattarzneimittel nicht verfügbar. Damit blieben die Lieferengpässe in Apotheken auf einem ähnlich hohen Niveau wie im Vorjahr (18,0 Millionen). Das zeigt eine Auswertung der Verordnungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung, die das Deutsche Arzneiprüfungsinstitutes (DAPI) im Auftrag des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) erstellt hat.

Immerhin: „Seit April 2020 sind uns wegen der Corona-Pandemie vom Gesetzgeber einige Erleichterungen bei der Auswahl von Ersatzmedikamenten zugestanden worden. Das hat das Problem etwas entschärft“, sagt Petra Hruby. Sie ist nicht nur Vorsitzende der Bezirksgruppe Borken sondern auch Apothekerin der Hubertus Apotheke in Legden.

Schnellere Versorgung der Patienten

Nun könne man die Patienten schneller mit Austauschpräparaten versorgen.

„Die so genannte SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung gibt den Apotheken mehr Flexibilität im Falle von Lieferengpässen“, so Dr. Klaus Michels, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe.

Diese Flexibilität bei der Auswahl von Austauschpräparaten habe im Übrigen nicht zu einer Kostensteigerung geführt. Vielmehr habe die Umsetzung der Rabattverträge mit Arzneimittelherstellern durch Apotheken den Krankenkassen im Jahr 2020 einen neuen Rekord bei den Einsparungen eingebracht.

Pharmazeutische Beinfreiheit für Apotheken

Mit 4,966 Milliarden Euro liegen die Minderausgaben leicht über denen des Vorjahres (2019: 4,965 Mrd. Euro). Die Apotheken hätten also bewiesen, dass sie den Spielraum sehr verantwortungsbewusst nutzen, so Dr. Michels. Er fordert daher, den Apotheken unabhängig von der Pandemie auch in Zukunft die pharmazeutische Beinfreiheit zu lassen, Ersatzmedikamente auszuwählen. „Lieferengpässe waren schon vor Corona da, und es wird sie auch danach geben.“

Legdens Apothekerin Petra Hruby sagt: „In den Apotheken betreiben wir jeden Tag einen großen personellen und logistischen Aufwand, um Patienten mit gleichwertigen Austauschpräparaten zu versorgen, wenn ein bestimmtes Medikament eines Herstellers nicht lieferbar ist.“

Nicht alle Patienten wollen Austauschpräparate

Der Mehraufwand sei allerdings jeden Tag unterschiedlich hoch und schlecht kalkulierbar. „Das hängt vor allem von den unterschiedlichen Liefersituationen ab“, so Petra Hruby im Gespräch mit der Redaktion. Außerdem gebe es auch einige Patienten, die auf Austauschpräparate verzichten möchten. Es gibt lange Listen mit voraussichtlichen Lieferterminen. Wenn man nur ein oder zwei Wochen auf ein Medikament warten muss, kann man das noch überbrücken, aber eben nicht immer.

„Allerdings können wir viele kurzfristige Lösungen mit den Ärzten vor Ort finden“, sagt Petra Hruby. Mit Rezepten von Ärzten außerhalb Legdens sei das schon wieder schwieriger. „Wir versuchen wirklich jedem die bestmögliche Alternative zu bieten und das gelingt auch in den aller meisten Fällen“ sagt Petra Hruby im Gespräch mit der Redaktion. Denn es gebe fast immer eine Alternative.

Seit Beginn der Corona-Pandemie vor mehr als einem Jahr ist das Arbeiten in der Apotheke besonders herausfordernd, da zusätzlich zu den Lieferengpässen auch noch die Kontakte reduziert, also wiederholte Apothekenbesuche vermieden werden sollten.

Blutdrucksenker und Antidiabetika besonders rar

  • Von den 16,7 Millionen im Jahr 2020 nicht verfügbaren Rabattarzneimitteln lag Candesartan (Blutdrucksenker) mit 2,1 Millionen Packungen vor Metformin (Antidiabetikum) mit 0,7 Millionen Packungen, Pantoprazol (Magensäureblocker) mit 0,7 Millionen Packungen, Ibuprofen (Schmerzmittel) mit 0,6 Millionen Packungen und Metoprolol (Blutdrucksenker) mit 0,5 Millionen Packungen.
  • Insgesamt wurden 2020 etwa 643 Millionen Arzneimittel in Deutschland auf Rezept zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) abgegeben.
Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen

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