21 Jahre Bürgermeister: „Deshalb bin ich Legden treu geblieben“

dz21-jährige Amtszeit

In 21 Jahren kann viel passieren und man kann viel schaffen, das weiß Legdens Bürgermeister Friedhelm Kleweken. Er trat mit 67 Jahren nicht erneut zur Wahl an. Pläne hat er aber noch viele.

Legden

, 13.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fast genau 21 Jahre ist es her, dass Friedhelm Kleweken (67) sein Amt als Bürgermeister der Gemeinde Legden antrat, „21 Jahre und genau 13 Tage“, ergänzt er im Gespräch mit der Redaktion. Er blickt noch einmal zurück auf seine Amtszeit – auf viele schöne und auch schwierige Zeiten.

Als Quereinsteiger hat er seine Bürgermeisterkarriere in Legden begonnen. Vorher war der heute 67-Jährige als Elektro-Ingenieur bei der Firma Ruthmann in Gescher in der Entwicklungsabteilung tätig. Davor war er viele Jahre bei der Firma Siemens beschäftigt.

Erste Amtshandlung: Büro einrichten

Und was war seine erste Handlung als Bürgermeister von Legden? „Ich habe erst mal mein Büro bezogen und eingerichtet“, sagt Friedhelm Kleweken und lacht.

Eine seiner ersten Aufgaben war es einen Gemeindeentwicklungsplan für Legden und Asbeck zu erstellen. Der Titel war: „Legden 2020“. Bis dahin sollten die darin beschriebenen Maßnahmen ungesetzt sein. „Jetzt höre ich tatsächlich zufällig im Jahr 2020 auf. Umso mehr freut es mich, dass die meisten Maßnahmen aus dem Gemeindeentwicklungsplan umgesetzt wurden“, so Kleweken.

Unliebsame Dinge habe es sicherlich auch immer wieder gegeben: „Viele Krisensituationen gab es in den 21 Jahren“, sagt Friedhelm Kleweken.

„Dazu gehörte beispielsweise die Flüchtlingswelle im Jahr 2015. Das war eine große Herausforderung.“ Außerdem waren da noch die extremen Überschwemmungen in 2010 und 2016, die durch Starkregen verursacht wurden.

Krisensituationen währen der Vergangenen Jahre

Oder das riesige Schneechaos 2005: „Überall fehlte der Strom. Das war gerade für Landwirte, die Tiere versorgen mussten, ein großes Problem“, erinnert sich Friedhelm Kleweken. Da sei die Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr in Legden eine enorme Hilfe gewesen.

Zu Silvester 1999/2000 hätten viele die Sorge gehabt, dass wenn das Millennium anstehe, sich die ganzen Computer nicht von selbst umstellen. „Die ganze Feuerwehr war in Alarmbereitschaft, so wie wir auch“, sagt Friedhelm Kleweken. „Zum Beispiel die Wasserversorgung läuft ja auch computergesteuert“, sagt er weiter. „Aber zum Glück ist ja nichts passiert.“ In solchen Situationen müsse man immer einen kühlen Kopf bewahren und strategisch vorgehen.

Corona-Krise betrifft jeden

Genau so wie derzeit wieder. Die Corona-Krise werde zur Dauer-Krise und betreffe schließlich jeden. „Corona ist für alle gefährlich, nicht nur für ein paar“, so der 67-Jährige. „Bisher haben wir die Situation gemeinsam mit dem Kreis Borken gut gemeistert“, so Kleweken.

Bisher gab es in der Gemeinde Legden noch keinen einzigen Corona-Fall. „Hoffen wir, dass es so bleibt, denn das kann sich ja jederzeit ändern“, sagt er und klopft auf Holz. Aber ein Bürgermeister hat nicht nur Krisen zu meistern, sondern er muss auch für die Gemeinde und ihre Menschen in die Zukunft schauen und planen.

Etwas gegen Abwanderung tun

„Ich habe direkt zum Start überlegt: Was brauchen die Dörfer für die Zukunft? Bei der starken Abwanderung von jungen Leuten, war die erste Aufgabe, die ich mir selbst gestellt hatte, dass ich dem entgegensteuern möchte“, sagt Friedhelm Kleweken.

Die Antwort war: Industrie muss her. Mit mehr Industrie im Gewerbegebiet müssten auch gut bezahlte Jobs für junge Menschen geschaffen werden. „Das funktioniert gut derzeit“, so Kleweken. Aber dafür müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen, wie ausreichend Kindergartenplätze. Daran habe man stetig mit neuen Betreuungsplätzen gearbeitet und immer wieder angepasst.

Das macht Legden aus

Dass Friedhelm Kleweken immer in Legden geblieben ist und Bürgermeister für 21 Jahre war, liegt daran, dass er Dörfer liebt. „Deshalb bin ich Legden treu geblieben.“ Hier gebe es eine sehr hohe Lebensqualität, einen großen Zusammenhalt unter den Menschen und eine ausgeprägte Vereinskultur.

„Es gibt hier viel Ehrenamt, wer sich engagiert, kümmert sich und entwickelt das Dorf mit“, so der 67-Jährige. In Summe seien es genau diese Dinge, die eine Gemeinde ausmachten.

Friedhelm Kleweken war 21 Jahre Bürgermeister der Gemeinde Legden. Am 1. November übernimmt Dieter Berkemeier das Amt des Bürgermeisters.

Friedhelm Kleweken war 21 Jahre Bürgermeister der Gemeinde Legden. Am 1. November übernimmt Dieter Berkemeier das Amt des Bürgermeisters. © Ronny von Wangenheim

Bei der Entstehung und Entwicklung des Gewerbegebietes Industriepark A31 habe die Gemeinde den Standortvorteil genutzt. „Wir haben den Kontakt zur Stadt Ahaus aufgenommen und am Ende ist ein Zweckverbund entstanden.“ Auch beim Gewerbegebiet Heying Esch habe sich die intensive Arbeit gelohnt.

Jetzt sei es Aufgabe des kommenden Bürgermeisters, Dieter Berkemeier, das weiterzuführen und zwar mit dem gleichen Elan. „Eine gute Beziehung zur Stadtverwaltung Ahaus ist nötig und es ist dann seine Aufgabe die erfolgreiche Zusammenarbeit weiterzuführen“, so Kleweken.

Alter und Dienstzeit haben zur Entscheidung geführt

Bis zur letzten Minute möchte Bürgermeister Friedhelm Kleweken seine Aufgaben nachkommen. Projekte mit Menschen machen ihm viel Spaß und er schaut gerne in andere Städte, um zu sehen was dort gemacht wird.

„Aber ich habe das Alter und die Dienstzeit erreicht, das hat zur Entscheidung geführt“, sagt Friedhelm Kleweken. Seine Frau habe deutlich gemacht, dass sie das gut und richtig findet.

Pläne für die Zukunft

Pläne für die Zukunft hat der 67-Järhige noch einige. „Als erstes steht jetzt der Hausbau an. Ich habe ein Grundstück, da muss noch angebaut und umgebaut werden“, sagt der scheidende Bürgermeister.

Außerdem möchte er noch einen 42 Kilometer langen Marathon in Berlin laufen und mehr Zeit mit seinen drei Kindern verbringen, sowie mit seinen fünf Enkelkindern. „Urlaubsreisen sind wegen Corona erstmal gecancelt, aber in Legden ist es ja auch schön.“

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