21-Jähriger entwickelt digitale Kontaktverfolgungs-App für ZRFV Legden

dzReitverein Legden

Beim ZRFV Legden fällt am 9. Oktober der Startschuss für die Hallenturniersaison. Für das Event wurde nun eine digitale Lösung für die teilweise schwierige Corona-Kontaktverfolgung präsentiert.

Legden

, 18.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Legdener Zucht-, Reit- und Fahrverein (ZRVW) hat sich lange Zeit mit der Frage beschäftigt, wie man die Hygienevorschriften des Landes NRW sinnvoll umsetzt. Vor allem die bei Sportveranstaltungen obligatorische Konktaktverfolgung erwies sich zunächst als wenig praktikabel. Handschriftlich ausgefüllte Zettel konnten nur eine Übergangslösung sein, das war den Verantwortlichen sofort klar.

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„Wenn es dann wirklich zu einem Covid-19-Fall kommen sollte, ist die Auswertung mühsam. Manche Namen kann man kaum entziffern“, sagt Geschäftsführer Cornelius von Ingersleben. „Und am Ende sind wir als Veranstalter haftbar.“ Also suchte man nach einer digitalen Lösung. Praktischerweise befand sich mit dem 21-jährigen Ahauser Jonas Klinker ein selbstständiger Softwareentwickler im Vorstand des Vereins.

Problem: Viele Menschen kommen und gehen

Gemeinsam steckte man die Köpfe zusammen und überlegte sich zunächst: Was wird gebraucht? „Ein Reitturnier dauert nicht selten zwölf Stunden oder mehr. Über den Tag verteilt kommen und gehen viele Zuschauer, Teilnehmer, Betreuer und Helfer. Da läuft man Gefahr, falls es zu einer gemeldeten Coronainfektion kommen sollte, dass viele Menschen in Quarantäne müssen, obwohl sie mit der betroffenen Person gar nicht gleichzeitig auf dem Gelände waren“, erklärt Ingersleben.

Als das Problem geklärt war, setzten sich Jonas Klinker und drei seiner Mitarbeiter hin und begannen mit der Entwicklung. Pünktlich zur Anfang Oktober beginnenden Hallenturniersaison kann nun das Ergebnis präsentiert werden: die kostenlose App „Lylid – digitale Identifikation“.

Per Smartphone-App wird der Zugang kontrolliert. Die Holzbox ist noch ein Prototyp.

Per Smartphone-App wird der Zugang kontrolliert. Die Holzbox ist noch ein Prototyp. Die Edelstahlverkleidung und ein Bildschirm samt LED-Leuchte folgen noch. © Johannes Schmittmann

Jede Person, die an einem der Turniertage das Veranstaltungsgelände betreten möchte, muss sich digital registrieren. In der App werden die Kontaktdaten einmalig hinterlegt und werden für zukünftige Besuche gespeichert. Anschließend erhält die Person einen individuellen QR-Code, der quasi als digitaler Ausweis fungiert. Dieser wird in der App gespeichert, kann aber auch am PC ausgedruckt werden.

Zufällig generierter QR-Code in der App

„Dieser QR-Code ist zufallsgeneriert und enthält keine verwertbaren Informationen für Dritte. Das war uns bei der Entwicklung aus Gründen des Datenschutzes sehr wichtig“, beton Jonas Klinker. Der Lylid-Scanner, der am Eingang des Turniers postiert wird, erkennt allerdings, ob die betreffende ihre Kontaktdaten hinterlegt hat und registriert ist. Nur dann leuchtet das LED-Lämpchen grün auf und der Eintritt kann gewährt werden.

„Wir sind erst am Anfang. Aktuell muss noch jemand kontrollieren, ob wirklich das Lämpchen aufleuchtet“, sagt der Entwickler. Ein weiterer Schritt wäre es, die Software zum Beispiel mit einem Drehkreuz zu verbinden und so eine automatische Zugangskontrolle zu ermöglichen.

Instrument zur Steuerung und Kontrolle

Das wichtigste Funktion für die Veranstalter: Die App kann genau sagen, wie viele Personen sich gleichzeitig auf dem Gelände befinden. Das ist aus zweierlei Gründen wichtig. Aufgrund der Coronaschutzverordnung ist die maximale Personenzahl im Bereich der Veranstaltung begrenzt. Fortan haben die Organisatoren eine digitales Instrument zur Steuerung und Kontrolle.

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Zum anderen müssen sich in Zukunft im Fall der Fälle nicht alle Menschen, die sich an diesem Tag beim Turnier aufgehalten haben, in Quarantäne begeben. „Sollte es zu einem Coronafall kommen, zeigt die App eine Excel-Liste an. Dort sind exakt die Personen aufgeführt, die sich zeitgleich mit dem Corona-Infizierten auf dem Gelände befunden haben“, sagt Jonas Klinker.

Obwohl der ZRVW Legden nun voll auf die digitale Lösung setzt, möchte man niemanden von den Veranstaltungen ausschließen. „Sollte jemand mit der Registrierung nicht zurechtkommen, kann er entweder einen anderen Besucher bitten, das für ihn zu übernehmen. Ansonsten steht am Eingang auch ein Mitarbeiter bereit, der händisch die Daten eingibt und den Zugangscode auf ein Plastikschildchen klebt“, sagt Cornelius von Ingersleben.

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