Corona-Selbsttests: So vermeiden Sie typische Anwendungsfehler

Coronawissen

Im Handel erhältliche Selbsttests sollen für mehr Sicherheit während der Pandemie sorgen. Doch trotz klar formulierter Anleitungen bleibt viel Raum für Fehler. Ein Experte klärt auf.

26.04.2021, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Hände und Arbeitsfläche sollten bei der Durchführung des Selbsttests sauber sein.

Hände und Arbeitsfläche sollten bei der Durchführung des Selbsttests sauber sein. © Zacharie Scheurer / dpa

Mit frei erhältlichen Selbsttests kann sich jeder daheim auf das Coronavirus testen. Doch auch, wenn die beigelegte Beschreibung eigentlich keine Fragen offen lässt, gibt es bei der Anwendung der Antigen-Schnelltests aus Supermarkt, Drogerie oder Apotheke immer wieder Unsicherheiten.

Ein HNO-Arzt erläutert typische Anwendungsfehler - und wie man sie vermeidet.

Corona-Selbsttests richtig lagern

Nicht zu kalt und nicht zu warm sollte der Karton in der Wohnung liegen. Also weder im Gefrierschrank noch in der prallen Sonne - Studien deuten darauf hin, dass solch eine Lagerung die Ergebnisse des Tests verfälschen könnte.

„Sie können ganz normal bei Raumtemperatur aufbewahrt werden“, empfiehlt HNO-Arzt Bernhard Junge-Hülsing. Bei welchen Temperaturen der Karton mit dem Test gelagert werden darf, steht in der Regel im Beipackzettel.

Wichtig ist: Zum Zeitpunkt der Anwendung sollten die Tests stets Raumtemperatur haben - wer sie also an einem kühleren Ort gelagert hat, sollte sie für ein gewisse Zeit auf der Arbeitsfläche liegen lassen und nicht sofort benutzen.

Fehler bei der Durchführung vermeiden

Hygiene ist elementar, um das Testergebnis nicht zu verfälschen. Darum sollte die Arbeitsfläche sauber sein und bevor man loslegt, wäscht man sich gründlich die Hände - unter anderem, weil man nach dem Rühren der Tupferspitze in der Pufferlösung einen Verschluss mit Ausguss auf das Röhrchen stecken muss.

Familientests: Lieber nacheinander statt alle auf einmal

Wer mehrere Personen, zum Beispiel sich und seine Kinder, testet, kann die Teströhrchen nicht alle in der Hand halten. Junge-Hülsings Tipp: Wäscheklammern verhindern das Umfallen. Die klemmt man unten an die Röhrchen. Dort sind sie quasi eine Stütze und sorgen dafür, dass die Röhrchen aufrechtstehen und man problemlos arbeiten kann.

Um die Ergebnisse klar zuordnen zu können, ist es ratsam, die Tests nacheinander und nicht zeitgleich durchzuführen.

So geht der Corona-Abstrich richtig:

In aller Regel ist für den Selbsttest ein Nasenabstrich gefordert. Und zwar in beiden Löchern. Es reicht doch, den Tupfer in eines zu stecken, könnte man meinen - ein Trugschluss. „Dadurch bekommt man womöglich zu wenig Sekret an den Tupfer“, sagt Junge-Hülsing. Der Tupfer gehört also in beide Löcher.

Vor dem Corona-Selbsttest Nase putzen?

Manche Test-Anleitungen geben vor, dass man sich vor dem Abstrich seine Nase gründlich putzt. Die Idee dahinter: Durch das Schnäuzen sollen Sekret und damit mögliche Viren aus dem tiefer liegenden Nasen-Rachen-Raum weiter nach vorne gepustet werden.

Junge-Hülsing ist skeptisch, ob der Test dadurch genauer wird, ob dadurch also wirklich mehr mögliche Viren an den Flimmerhärchen im vorderen Nasenbereich haften bleiben als beim normalen Ausatmen und dort vom Tupfer aufgenommen werden können. Er hält das vorherige Ausschnäuzen für eher keine gute Idee.

Zu wenig Sekret für ein klares Ergebnis?

Einen Anhaltspunkt dafür, dass vergleichsweise wenig Sekret am Tupfer gelandet ist, liefert nach Angaben von Junge-Hülsing die Farbe des Kontrollstriches auf der Testkassette. „Ist dessen Farbe nur sehr blass, spricht das für wenig Sekret.“ Dann steige das Risiko eines falsch-negatives Ergebnisses, so der Arzt. Also, dass der Test negativ ausfällt, obwohl man positiv ist.

Nicht zu weit rein, nicht schräg nach oben

Generell gilt beim Umgang mit dem Tupfer: Vorsicht und Gefühl. Bei den Selbsttests muss der Tupfer nicht bis in den Übergang von Nase zu Rachen geschoben werden. Zwei bis vier Zentimeter tief ins Nasenloch, das genügt.

Und zwar flach in Richtung Gehörgangsboden und nicht schräg nach oben - sonst drohen Verletzungen.

Wie wird das Ergebnis des Selbsttests richtig gedeutet?

Hier lauert nach Einschätzung des HNO-Mediziners die wohl größte Fehlerquelle. Viele halten nämlich einen Strich bei C für ein positives Ergebnis. Dabei steht C nicht für Corona, sondern für Control, also Kontrolle. „Wenn bei C kein Strich ist, ist der Test nicht verwertbar.“ Das T steht für Test - das ist die relevante Stelle für die Frage, ob man positiv oder negativ ist.

Konkret bedeutet das: Sind bei C und T Striche zu sehen, ist der Test positiv ausgefallen. Ist nur bei C ein Strich zu sehen, ist der Test negativ. Ist nur bei T ein Strich zu sehen, ist er ungültig - das gilt auch, wenn gar kein Strich erscheint. Und was fängt man mit dem Ergebnis an? „In dem Moment, wo der Test positiv ist, ist Sense“, so formuliert es Junge-Hülsing.

Positiver Corona-Selbsttest: Was tun?

Ab dann sollte man Kontakte meiden und sich umgehend bei einem Arzt oder einer Ärztin oder in einem Testzentrum um einen genaueren PCR-Test bemühen, um das Ergebnis des Selbsttests zu bestätigen oder zu widerlegen.

Und bei einem negativen Testergebnis?

Ein negativer Selbsttest ist kein Freibrief. Nicht nur aufgrund möglicher Anwendungsfehler bietet er keine Garantie, dass man nicht doch positiv und ansteckend ist.

Experten wie der Virologe Christian Drosten weisen darauf hin, dass die Tests gerade am Anfang der Infektion oft noch negativ ausfallen - obwohl man womöglich bereits genug Viren in sich trägt, um andere anzustecken.

Man tut also gut daran, die Hygieneregeln auch bei negativem Selbsttest-Ergebnis weiterhin einzuhalten.

dpa

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