Private Hochschule, FH, Fernuni oder öffentliche Universität?

Öffentliche Hochschule oder Privatuni
Welche Hochschule oder Studienform passt zu mir? Annika Makowka stellt in ihrer Kolumne die verschiedenen Hochschularten vor. © Adobe Stock/Makowka
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Öffentliche Universitäten, Fachhochschulen, Fernunis und Privatunis – was sind da eigentlich die wichtigsten Unterschiede? Und welche Hochschulform passt zu mir? Diese Fragen habe ich mir damals nach der Schule gestellt, wie es wohl schon vielen Studentinnen und Studenten vor mir ergangen ist.

Öffentliche Hochschulen

Öffentliche Universitäten sind nach wie vor die wohl gängigste Studienform. Sie sind meist in staatlicher Trägerschaft – die finanziellen Mittel kommen also vom jeweiligen Bundesland.

    • Der große Vorteil öffentlicher Unis: Sie verlangen – zumindest in Deutschland – in der Regel keine Studiengebühren. Es werden lediglich Semestergebühren, zum Beispiel für das Bahnticket, fällig.
    • Zudem bieten öffentliche Hochschulen eine riesige Vielfalt an Studiengängen und es ist möglich, nach dem Studium den Doktor- oder Professortitel zu erlangen. Das ist zum Beispiel an Fachhochschulen nicht möglich.
    • Zu den Nachteilen öffentlicher Universitäten zählen die oftmals begrenzten Studienplätze sowie damit verbundene strenge Zugangsvoraussetzungen wie der Numerus Clausus. Zudem finden die Vorlesungen meist in großen Hörsälen statt – auf individuelle Fragen oder Schwierigkeiten können die Lehrkräfte aufgrund der schieren Menge an Studenten und Studentinnen in der Regel nicht eingehen.
    • Und ebenfalls wichtig: Man muss sich seinen „Stundenplan“ selbst aus vorgegebenen Modulen zusammenstellen und sich somit eigenständig organisieren.

Privatunis

Private Hochschulen erleben seit einigen Jahren einen erheblichen Aufschwung. Ich selbst habe mich damals auch für mein Studium der Wirtschaftspsychologie für eine private Hochschule entschieden und war im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Dennoch gibt es nicht nur positive Aspekte.

    • Privatunis haben den Vorteil, dass die Vorlesungen meist in deutlich kleineren Gruppen als an öffentlichen Hochschulen stattfinden. Viele Privatunis bieten das Lernen in einer Art Klassenverbund an, sodass nur etwa 25-35 Studenten und Studentinnen an der Vorlesung teilnehmen. Dadurch wird eine etwas persönliche Umgebung geschaffen, in der auch auf individuelle Fragen eingegangen werden kann.
    • Ebenfalls positiv zu erwähnen sind die geringen Zugangsvoraussetzungen. Hier hat auch jemand eine Chance auf einen Studienplatz, der den Numerus Clausus an öffentlichen Hochschulen nicht erreicht hat – beziehungsweise, der trotz guter Noten vielleicht keinen Studienplatz ergattert hat.
    • Der wohl größte Nachteil privater Unis sind die hohen Kosten. Nicht selten werden monatliche Studiengebühren von 600 Euro und mehr aufgerufen – und die gilt es erstmal zu finanzieren. Wer nicht das Glück hat, dass die Eltern für die Studiengebühren aufkommen (können), muss also oftmals auf einen Studienkredit zurückgreifen oder gleich mehrere Nebenjobs annehmen.
    • Ein weiterer Nachteil: Auch wenn immer mehr Studiengänge hinzukommen, die auch an privaten Unis angeboten werden, ist die Auswahl dennoch eher begrenzt. Unter Umständen wird der Wunschstudiengang an privaten Hochschulen also (noch) gar nicht angeboten.

Fachhochschulen (FH)

Fachhochschulen haben einen anwendungsorientierten Schwerpunkt, das bedeutet, sie sind auf die spätere Berufspraxis ausgelegt und beinhalten oftmals viele Praktika oder konkrete Projekte.

    • Als wichtigster Vorteil von Fachhochschulen ist daher auch der Praxisbezug zu erwähnen. Man kann nach dem Studium schnell ins Berufsleben starten, da man alle wichtigen praktischen Inhalte erlernt und häufig bereits während des Studiums in den Betrieben tätig ist.
    • Auch bei Fachhochschulen gibt es normalerweise eher kleine Klassen statt überfüllte Hörsäle. Das ermöglicht eine persönliche Betreuung durch feste Ansprechpartner
    • Ebenfalls wichtig: Für ein Studium an der Fachhochschule reicht ein Fachabitur oder eine vorangegangene Ausbildung in der Studiengangsrichtung aus. So kann man auch dann studieren, wenn man die Schule ohne Vollabitur verlassen hat.
    • Nachteil: Leider ist es auch heute noch oft nicht möglich, an einer FH zu promovieren. Interessiert man sich für die Forschung oder wissenschaftliches Arbeiten, ist man an einer öffentlichen Uni meist besser aufgehoben.
    • Und wie bei privaten Hochschulen fallen auch bei Fachhochschulen häufig Studiengebühren an, die man selbst aufbringen muss.

Fernunis

Fernunis sind vor allem bei Studenten und Studentinnen beliebt, die nebenbei noch arbeiten gehen oder die durch private Verpflichtungen zeitlich sehr eingespannt sind.

    • Als Student/in an einer Fernuni hat man den großen Vorteil erheblicher Flexibilität. Man kann sich selbst die Stunden und den Lernaufwand genau so einteilen, wie es am besten in das eigene Leben passt. Viele Fernunis bieten zum Beispiel die Seminare online an, sodass man zu jeder Zeit und von überall aus teilnehmen kann.
    • Zudem kann man auch Studiengänge belegen, die nicht in der eigenen Region angeboten werden – ohne, dass man extra umziehen muss oder dass lange Pendelzeiten anstehen.
    • Als größter Nachteil von Fernunis ist die fehlende Nähe zu Kommilitonen und Dozenten zu nennen. Oft fehlen persönliche Ansprechpartner, zudem entfällt das typische Studentenleben mit gemeinsamen Feiern, kleinen Lerngruppen oder Kennenlernevents.
    • Ein Studium an einer Fernuni erfordert außerdem ein hohes Maß an Eigenmotivation und guter Organisationsfähigkeit. Sonst wird die Studiendauer schnell mal unnötig in die Länge gezogen.

Bevor man sich für eine Studienform entscheidet, kann es durchaus sinnvoll sein, sich zu fragen, was für ein Lerntyp man ist, welche Erwartungen man an das Studium hat und wie es nach dem Abschluss weitergehen soll.