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Robert Seethaler: „Das Feld“

Buchkritik

Auf dem Friedhof in Paulstadt reden die Toten. Doch „Das Feld“ von Robert Seethaler ist kein Gruselroman, sondern ein Panoptikum des Lebens.

Was wäre, wenn die Toten auf einem Friedhof reden könnten? Was würden sie erzählen? Diese Fragestellung ist die Grundlage in Robert Seethalers neuem und ungewöhnlichem Roman „Das Feld“.

„Das Feld“, das ist die umgangssprachliche Bezeichnung für den Friedhof in dem fiktiven Städtchen Paulstadt. Viele, die dort begraben sind, kommen im Buch zu Wort, und so ergibt sich ein Gesamtporträt dieses Ortes.

Die Kirche angezündet

Da ist die Frau, die beim Einsturz eines neuen Freizeitcenters ums Leben kommt. Ihr Mann, der zunächst draußen im Auto auf sie wartet, bekommt das aber gar nicht mehr mit, weil er sich wenige Minuten vor dem Unglück entscheidet, seiner eigenen Wege zu gehen, und mit dem Auto davonfährt.

Da ist die Blumenhändlerin, die niemand vermisst, sodass sie mehrere Tage tot in ihrem Laden liegt, bevor sie jemand findet. Und da ist der tiefreligiöse Pfarrer, dem ein Erlebnis mit einem kleinen Jungen seinen Glauben nimmt, sodass er Feuer in seiner eigenen Kirche legt und darin selbst verbrennt.

Was das Leben ausmacht

Robert Seethaler, ein 1966 geborener österreichischer Autor, fängt mit diesem Roman die kleinen und großen Katastrophen des menschlichen Miteinanders genauso ein wie die Liebe, den Hass, die Aufs und Abs, die das Leben bestimmen, und natürlich – und das liegt an der Anordnung dieses Buchs – den Tod.

Weil alle paar Seiten eine neue Hauptfigur die Bühne betritt, aus deren Sicht dann weitererzählt wird, liest sich das Ganze eher wie eine Kurzgeschichten-Sammlung. Nachteil: Auch wenn diese Geschichten einen losen Gesamtzusammenhang bilden, muss sich der Leser immer wieder auf neue Charaktere und (Lebens-)Situationen einstellen. Das ist etwas anstrengend.

Die Kapitel sind dabei unterschiedlich lang. Eine der Toten, Sophie Breyer, hat lediglich ein einziges Wörtchen mitzuteilen: „Idioten“.

Robert Seethaler: Das Feld, 240 S., Hanser Berlin, 22 Euro, ISBN 978-3-4462-6038-2.
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