„Same Size“ („Dieselbe Größe“) heißt dieses Gemälde von Heiner Meyer aus dem Jahr 2016. Seine großformatigen Pop-Art-Bilder sind ab sofort bei digitalen Rundgängen durch das Schloss Oberhausen zu sehen. Meyer lebt in Bielefeld und ist vor allem in der USA sehr bekannt. © Heiner Meyer
Sneaker, Sandalen, Stiletto

Virtueller Rundgang: Ludwiggalerie macht Schuhe zu Museumsstücken

Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen widmet sich den Schuhen in der Kunst. Die Ausstellung „Art About Shoes“ ist jetzt im Internet zu sehen und bringt manch überraschende Erkenntnis.

Sie sei gar kein Fan, sagt Museumsdirektorin Christine Vogt: „Wenn ich Schuhe kaufen muss, habe ich schlechte Laune.“ Das hat sie aber nicht davon abgehalten, im Schloss Oberhausen eine farbenfrohe, fröhliche und faktenreiche Ausstellung über Fußbekleidung in der Kunst zu machen. Noch ist es eine Geisterschau im Lockdown. Aber: Ab diesem Mittwoch (20.1.) gibt es immerhin Videorundgänge.

Kunst, aber keine Schuhe

„Art About Shoes – von Schnabelschuh bis Sneaker“ heißt auf Deutsch etwa „Kunst über Schuhe“. Es ist also eine Kunstausstellung, eine Schuhausstellung ist es nicht. Die rund 200 Exponate sind größtenteils Bilder, nur zwischendurch grüßt mal ein barockes Pantöffelchen oder ein Schuh als Nadelkissen aus der Vergangenheit herüber.

Vogt wollte ausdrücklich nicht die Treter selbst zeigen: „Das machen schon die Museen für angewandte Kunst, zum Beispiel das Ledermuseum in Offenbach oder das Grassi-Museum in Leipzig.“

Verbeultes Schuhwerk

Deshalb sehen wir nicht die berühmten Turnschuhe von Joschka Fischer, in denen er sich 1985 als hessischer Umweltminister vereidigen ließ, sondern das ikonisch gewordene Foto der Szene von Barbara Klemm.

Oder wir bestaunen ein Gemälde von 2002, auf dem der Maler Johannes Grützke unter dem Titel „Meine Turnschuhe“ sein ausgeleiertes, verbeultes Schuhwerk so porträtiert hat, als hätte es erstens selbst eine Persönlichkeit und würde zweitens etwas über den Maler zu sagen haben.

Trägt drei Streifen an den Füßen: Freddie Mercury 1986 in London.
Trägt drei Streifen an den Füßen: Freddie Mercury 1986 in London. © Neil Preston © Neil Preston

Zwei Jahre hat Christine Vogt immer wieder an der Schau gearbeitet und so eine Präsentation geschaffen, die geistreich und unterhaltsam die Geschichte der Schuhe von der Antike bis heute erzählt.

Ägypter trugen Sandalen

Schon 3000 vor Christus wandelten hochgestellt Persönlichkeiten auf Sandalen durch Ägypten. Und im alten Rom? Charles F. Mayer zeichnete 1821 den „Fuß einer antiken Statue“, die eine Schnürsandale trägt, wie man sie heute noch kaufen kann.

In einer Skulptur aus dem frühen 16. Jahrhundert der „Annaselbdritt“ hat Anna, die Mutter Marias und Großmutter des Jesuskindes, beim gemütlichen Vorlesen einen Pantoffel abgestreift. Albrecht Dürer (Kopie der Handwaschung des Pilatus, ursprünglich 1512) hat Schuhe gemalt, aber auch Konrad Klapheck, Roy Liechtenstein, Georg Baselitz und (besonders bunt) Elvira Bach.

„Studie Stiletto“ heißt dieser Entwurf für die sechs Meter hohe Plastik.
„Studie Stiletto“ heißt dieser Entwurf für die sechs Meter hohe Plastik. © Meyer © Meyer

Den roten Schuhen ist eine eigene Abteilung gewidmet. Und da findet sich nicht nur der sexy Stöckelabsatz, sozusagen das Klischee aus der Schuhkiste. Mit roten Absätzen wusste zuerst der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. seinen Stand zu zeigen.

Die armen Dienstboten

„Damals waren der rechte und der linke Schuh gleich“, berichtet Christine Vogt – eine schmerzhafte Vorstellung. Vogt: „Die Diener der hohen Herren mussten die Schuhe eintragen.“ Übrigens empfiehlt Vogt besonders die oberste Etage der Schau, in der abgeformte Schuhe von Anita Brendgens von der Decke hängen. Die Künstlerin ist derzeit absolut angesagt. Ihre schneeweiße Papier-Installation wirkt wie aus den Wolken gefallen.

Info

Die Ausstellung: Art About Shoes

  • Besonderer Höhepunkt der Schau: Am Samstag, 20. März, wird voraussichtlich die Skulptur „Red Heels“ an der Konrad-Adenauer-Allee vor dem Schloss enthüllt. Sie wird auf jenem Sockel stehen, auf dem sich ursprünglich eine Keith-Haring-Arbeit als Leihgabe befand.
  • Auf der Suche nach einem „Hingucker“ für den Sockel hatte Vogt den Pop-Artisten Heiner Meyer in Bielefeld aufgesucht, der in den USA sehr bekannt ist. Er stellte seinen Entwurf kostenlos zu Verfügung. Auch für die Herstellung konnte Vogt Sponsoren finden. Die Firma Klöckner steuert den Stahl bei, die Franken Apparatebau stellte den Turm her.
  • Umso schöner, dass die Schau „Art About Shoes“ auch 50 Werke von Heiner Meyer im Erdgeschoss präsentiert. Sie zeigen nur auf den ersten Blick die todschicke Welt des Konsums. Ich kaufe, also bin ich? Auf den zweiten Blick kommentieren die Werke diese Haltung mit einer gehörigen Portion Ironie, Humor und Fantasie.
  • Die Schau ist derzeit geschlossen, geplant ist sie bis 24. Mai.
  • Katalog im Kettler Verlag, 39,90 Euro.
Über die Autorin
Kultur-Redaktion
Kultur ist eine Reise ins Abenteuer, und ich verstehe mich als Ihr Reiseführer. Welche Ausstellung in der Region ist super? Vor welchem Theaterstück muss ich warnen? Da nützt ein Magisterabschluss in Germanistik und Kunstgeschichte von der Ruhr-Uni Bochum nur bedingt. Mir hilft mehr, dass ich seit 1990 Journalistin und ein 1963 in Essen geborener Ruhrgebiets-Fan bin. Mein Ziel: Dass Sie mit unseren Tipps ihre Freizeit gut gestalten.
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