Jetzt muss es aber schnell gehen: Der Sensenmann (Michael Herbig, l.) und sein Ratgeber in Sachen Liebe (Sebastian Bezzel) geben Gas, um in letzter Minute eine Hochzeit zu verhindern. © Leonine Distribution GmbH
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Verliebter Sensenmann bei Prime: Der Boandlkramer und die ewige Liebe

Joseph Vilsmaiers letzter Film „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ läuft nun bei Amazon. Es ist ein Schwank, der die Handschrift von Michael Bully Herbig trägt.

Sensenmann, Freund Hein – Gevatter Tod hat viele Namen. In Bayern heißt er auch der „Boandlkramer“. Michael „Bully“ Herbig spielte ihn 2008 in der „Geschichte vom Brandner Kaspar“. Jetzt tut er es ein zweites Mal, in „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“, dem letzten Film des 2020 gestorbenen Joseph Vilsmaier.

Die Liebe bringt den Tod in Teufels Küche

Herbigs Sensenmann ist eine blasse Vogelscheuche, die mit dem Zweispänner die Verblichenen zu Himmel oder Hölle kutschiert. Als er in einer bayrischen Kleinstadt den zwölfjährigen Maxl abholen will, verknallt sich der Tod in Maxls Mutter (Hannah Herzsprung) und lässt den Jungen weiterleben. Was ihn in Teufels Küche bringt und ihm einen Pakt mit dem Satan (Hape Kerkeling) abnötigt.

Gevatter Tod spricht hier bayrische Mundart, die bei Herbig näselnd und etwas „deppert“ klingt, weil der Film eine Komödie und der Typ eine Witzfigur ist. Neben Filmen wie „Stalingrad“, „Schlafes Bruder“ oder „Comedian Harmonists“ wird man den Münchner Vilsmaier als den Mann in Erinnerung behalten, der Zungenschlag und Lebensart seiner Heimat ins Kino brachte, siehe „Herbstmilch“, „Rama Dama“, „Brandner Kaspar“ und jetzt im „Boandlkramer“.

Ein Exot bei Amazon

Der Film sollte eigentlich 2020 ins Kino kommen, Corona machte den Produzenten einen Strich durch die Rechnung. Nun läuft er bei Amazon Prime, wo er in seiner Mischung aus Posse, Groteske und Mundart-Schwank ein Exot ist.

Die Geschichte um den verliebten Sensenmann spielt in einer bayrischen Gemeinde um 1955. Adenauer war in Moskau und konnte die letzten Kriegsgefangenen loseisen. Züge mit Heimkehrern treffen ein, doch Gefi (Hannah Herzsprung) und ihr Sohn (Josef Staber) warten vergeblich.

Der Teufel (Hape Kerkeling) sieht aus wie ein Bruder von Heinz Schenk und feiert in der Hölle eine Musikrevue.
Der Teufel (Hape Kerkeling) sieht aus wie ein Bruder von Heinz Schenk und feiert in der Hölle eine Musikrevue. © Leonine Distribution GmbH © Leonine Distribution GmbH

Ihrem Kern nach ist die Handlung eher tragisch grundiert, doch Herbig (mit Vilsmaier auch Autor) hanswurstelt die Story in heiteres Fahrwasser. Von Gefühlen hat der Tod keinen Ahnung, von Frauen versteht er rein gar nichts. Also holt er sich Tipps von einem Heiratsschwindler (Sebastian Bezzel), dem er im Gegenzug die Hölle erspart.

Will der Boandlkramer auf Brautwerbung gehen, gibt es weitere Probleme. Für Lebende ist er unsichtbar, und seine Auserwählte hat dem Toni das Jawort versprochen. Da macht der Teufel dem Verliebten das Angebot, ihm Sichtbarkeit und Lebenszeit zu schenken. Kerkelings Höllenfürst kommt daher wie Heinz Schenk, umringt von Gogo-Mädels trällert er seine eigene Musikrevue.

Optisch wie Karl Valentin

Hier ist der Film einigermaßen charmant und amüsant, sonst aber will der Witz nicht zünden. Ob Herbig sich nun zum Wiedergänger von Karl Valentin umstylt oder im Gasthof Stan Laurel und Oliver Hardy imitiert – es bleibt gemütliche Schmunzelkomik, die kaum das Zwerchfell erschüttert.

Rick Kavanian, Nadja Auermann und Götz Otto haben Gastauftritte, doch mehr als ein laues, manchmal kindisches Wohlfühl-Komödchen kommt dabei nicht heraus.

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