Noor Mertens (36) tritt im Juni ihre Stelle als Museumsdirektorin an. © Stadt Bochum
Chefposten-Wechsel

Neue Direktorin des Kunstmuseums Bochum will Dauerausstellung revolutionieren

Noor Mertens wird Direktorin des Kunstmuseums Bochum und löst nach 23 Jahren Hans Günter Golinski ab. Im Interview spricht sie über ihre Ziele und Ideen, neues Publikum zu erobern.

Im Juni tritt Noor Mertens ihre neue Stelle als Direktorin des Kunstmuseums Bochum an. Die 36-Jährige studierte Kunstgeschichte und Museumskuration in Utrecht und Amsterdam und ist seit 2017 Leiterin des Kunstvereins Langenhagen bei Hannover. Im Videogespräch wirkt sie angenehm unaufgeregt und trotzdem voller Freude auf die neue Aufgabe im Ruhrgebiet.

Was hat Sie gereizt an der neuen Aufgabe?

Es ging mir um die Tätigkeit als Museumsleiterin und das Ruhrgebiet, das ich als Region im Strukturwandel ziemlich reizvoll finde. Bochum als Stadt kannte ich vorher nicht gut. Dafür gab es Arbeitskontakte und Besuche im Folkwang Museum in Essen, dem Lehmbruck-Museum in Duisburg oder dem Kunstverein Dortmund. Mir ging es darum, in einer Institution zu arbeiten, die nicht zu groß ist, aber größer als der Kunstverein Langenhagen ist. In Bochum habe ich die Möglichkeit, mit einem Team zu arbeiten und mit neuem Publikum in Kontakt zu kommen.

Was fanden Sie bei der ersten Begegnung mit dem Museum interessant?

Das Gebäude, die Sammlung, die Größe, den regionalen Kontext. Am Gebäude fasziniert mich, dass es im positiven Sinne unspektakulär ist, kein monumentaler Bau. Drinnen hat man ein angenehmes Gefühl von Offenheit, dass man aufgenommen wird. Und vielleicht veraltete Bildungsideale wie zum Beispiel eine offene Bibliothek finde ich eher reizvoll.

Mit Eröffnung der neuen Räume in der Villa Marckhoff setzt das Kunstmuseum Bochum verstärkt auf die eigene Sammlung. Ist das ein Auftrag an Sie, sie weiter hervorzuheben?

Es ist kein Auftrag, ich bin frei damit umzugehen. Ich finde es aber sehr gut und bereichernd, eine Sammlung zu haben, mit der man sich immer wieder neu verbinden kann. Man braucht mit einer Sammlung auch keine Eile: Ich erinnere mich an meine Zeit als Museumskuratorin in Rotterdam, wo ich auch nach zwei Jahren noch faszinierende Aspekte der Sammlung entdeckt habe. Ich möchte die Sammlungspräsentation deshalb auch als etwas Veränderbares sehen.

Sie wollen also auch die Dauerausstellung in der Villa ab und zu umändern?

Das wäre mein Wunsch und ich muss schauen, wie realistisch das ist. Ich denke, das wird weniger über Ankäufe funktionieren, weil der Etat dafür sehr niedrig ist. Aber vielleicht klappt es über Kooperationen und Austausch mit den Ruhrkunstmuseen. Interessant fände ich Austausch auch in dem Sinne, dass zeitgenössische Künstler mit aktuellen Arbeiten in die Sammlungspräsentation intervenieren.

Haben Sie schon Ideen, wie man neue Publikumsschichten erobern kann?

Es könnte sinnvoll sein, eine Kommunikationsstrategie zu entwickeln. Dazu müssen im Team grundlegende Fragen geklärt werden wie: Was bedeutet es, zu kommunizieren auf verschiedenen Kanälen – über Einladungen, die Presse, Social Media, die Webseite? Wie geht man um mit Sprache und Gestaltung? Im Kunstverein Osnabrück hat man dieses Jahr experimentiert mit einfacher Sprache. Das finde ich sehr interessant.

Haben Sie bestimmte Vorlieben in Ihrer Ausstellungsarbeit?

Zuletzt habe ich mich viel damit beschäftigt, was eigentlich aktuell ist – auch am Werk bereits verstorbener Künstler. Oder mit der Frage, wie man mit Nachlassen umgeht: Wie können zum Beispiel noch lebende Künstler kreativ mit einem Nachlass arbeiten? Ich bin auch an politischen Kontexten interessiert – etwa wie man Themen wie Arbeit auf spielerische Weise in einer Ausstellung erfahrbar machen und kritisch erforschen kann.

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