Lass Dich drücken: Tully (Katherine Heigl, l.) und Kate (Sarah Chalke) gehen durch dick und dünn. Netflix © Netflix
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Neu bei Netflix: Freundinnen fürs Leben in „Immer für dich da“

Die Netflix-Serie „Immer für Dich da“ kreist um zwei Frauen, die seit Teenie-Tagen zusammenhalten, privat und beruflich. Tully und Kate beißen sich durch: mehr Seifenoper als Existenzdrama.

Sie sind beste Freundinnen, egal wie es kommt. Die Netflix-Serie „Immer für Dich da“ begleitet Kate und Tully über 30 Jahre, vom Kennenlernen als Teenager bis in ihre Vierziger. Beide wollen im Journalismus Fuß fassen. Tully (Katherine Heigl) wird ein Star mit eigener Fernsehshow, Kate (Sarah Chalke) schlägt sich als Redaktionsassistentin durch.

Der Stoff basiert auf einem Roman von Kristin Hannah und nimmt das große Ganze ins Auge: ein Lebenspanorama um Liebe, Lust und Freundschaft, um Mutterschaft und Beruf, Selbstverwirklichung und Verzicht, abgeschmeckt mit Schicksalsschlägen. Verwandte sterben, Beziehungen versanden. Im Auf und Ab bleibt die Freundschaft der Frauen die Konstante.

Dreigleisig erzählt

Verhandelt wird das in zehn Folgen, die auf drei Zeitebenen spielen. Da sind die jungen Mädchen, Roan Curtis als Kate, Ali Skovbye als Tully. Dann die Weichzeichner-verjüngten Heigl und Chalke, wie sie sich in der Ära von Punk und New Wave tummeln.

Und schließlich sehen wir die reiferen Damen der 90er und der Nuller-Jahre, nicht mehr taufrisch, aber um diverse Erfahrungen reicher. Die dreigleisige, nicht chronologische Erzählweise ist gewöhnungsbedürftig. Manchmal fungiert sie als eingebauter Cliffhanger, wenn die Handlung an kitzliger Stelle aussetzt und in die Vergangenheit abbiegt.

Diese Zeitsprünge sind immer auch Anlass für Exkursionen in Sachen Mode und Musik. Wobei die 80er-Jahre optisch seltsam schräg und ungelenk daherkommen, was daran liegen mag, dass Jungbrunnen-Tricks und flippige Klamotten die (eigentlich zu alten) Damen ins Püppchenhafte rücken.

Übergriffiger Chef

Was sagt die Serie über Frauen im Journalismus? Nun, sie haben es nicht leicht. Während des Studiums wird Tully vom Dozenten nicht für voll genommen, worauf sie sich dem Kerl an den Hals schmeißt und eine Affäre mit ihm beginnt. Was die MeToo-Debatte fast auf den Kopf stellt.

Viel später, als Tully eine erfolgreiche Moderatorin ist, wanzt sich ihr übergriffiger Chef an sie heran und macht ihr unverhohlene Avancen. Sie schafft es aber, den Chauvi auf Abstand zu halten. Das ist dann durchaus ein Statement in Sachen Selbstbehauptung und Durchsetzungskraft. Was nichts daran ändert, dass ernst zu nehmender Journalismus hier nur von Männern gemacht wird, ohne dass die Serie das groß aufs Korn nähme.

Es ist Tullys früherer Produzent, verheiratet mit Kate, der in den Irak reist und Kriegsreporter wird. Die Damen beim Sender sind schmucke Aushängeschilder wie Tully oder Fleißbienen, die hinter den Kulissen werkeln.

Privates im Rampenlicht

Zur Generalabrechnung mit den Machos dieser Welt taugt die Serie eher nicht. Eine leicht feministisch angehauchte Agenda läuft im Hintergrund, doch im Rampenlicht stehen private Episoden, Probleme und Problemchen. Tully erleidet eine Fehlgeburt, ihre Mutter ist ein Drogenwrack. Und immer wieder Schäferstündchen und Pärchengymnastik: Tully hält sich einen „Toyboy“, Kates Ehe kriselt.

Das Wohlfühl-Flair und die Geschwätzigkeit der Seifenoper siegen hier über das Existenzdrama. Die Serie unterhält einigermaßen, aufrütteln und aufwühlen kann sie aber nicht.

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Kultur-Redaktion
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