Vanessa Kirby spielt die verzweifelte Martha. © Netflix
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Neu bei Netflix: 25 Minuten nah dabei, wenn eine Mutter ihr Neugeborenes verliert

Das Drama „Pieces Of A Woman“ erzählt vom Schmerz und vom Ende einer Liebe. Ein Film, der das Leiden einer Frau zeigt, deren Persönlichkeit neu zusammengesetzt werden muss.

Es sind auch für den Zuschauer 25 quälende Filmminuten, in denen Martha (großartig; Vanessa Kirby) ihr Kind verliert. In einer langen Sequenz ohne Schnitt sind wir hautnah dabei, wie eine Hausgeburt zum Drama wird. Marthas Tochter kommt auf die Welt, die Hebamme ruft noch den Notarzt, aber das Kind stirbt. Es waren nur Momente, in denen Martha ihr Baby im Arm halten konnte.

„Pieces Of A Woman“ (neu bei Netflix) startet mit einer emotionalen Intensität, wie sie selten ist im Film. Die Frau wimmert und heult, als die Wehen einsetzen. In ihren Zügen malt sich der Schmerz, dann ein kurzes Mutterglück, gefolgt von purer Verzweiflung. Vanessa Kirby spielt die Frau zwischen Himmel und Hölle absolut ergreifend und bewegend.

Wie eine Schlafwandlerin

Die Fehlgeburt wird Marthas Leben verändern. Nichts ist mehr so wie es war. Der Verlust lässt Marthas Beziehung zu ihrem Mann Sean (Shia LaBeouf) kriseln. Mit leeren Augen driftet sie umher wie eine weidwunde Schlafwandlerin. Der Anblick fremder Kinder versetzt ihr einen Stich, ihr Kummer lähmt sie. Auf Vorhaltungen ihrer besserwisserischen Mutter (Ellen Burstyn) reagiert Martha gereizt, alle Beileidsbekundungen fühlen sich schal an.

Seelisch zertrümmert

Regisseur Kornel Mundruczo („Evolution“ bei der Ruhrtriennale), ein Ungar, erzählt die Passionsgeschichte einer Frau, die seelisch zertrümmert wird und ihre Persönlichkeit neu zusammensetzen muss. Das Drehbuch stammt von Kata Weber, die ein gutes Gespür für die Spannung und Entfremdung zwischen Martha und Sean beweist. Liebe und Nähe weichen Kälte und Distanz.

„Pieces Of A Woman“ wird zum Bravourstück für Vanessa Kirby, die in der Bitterkeit fragil und durchscheinend wirkt, im Zorn vehement und dann in eine Milde wechselt, die sich auch in ihrem vorher verhärmten Gesicht spiegelt. Das ist eine Oscar-Nominierung wert. Zwischen Netflix‘ Unterhaltungsfutter ein sehenswerter Ausnahmefilm.

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Kultur-Redaktion
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