Maxi (Luna Wedler) trifft Karl (Jannis Niewöhner) in Berlin. © Pandora
Kino

„Je Suis Karl“: Sexy Terrortruppe will die rechte Revolte anzetteln

„Je Suis Karl“ möchte im Kino vor Neonazis warnen, Jannis Niewöhner spielt den Chef. Der Lichtblick ist aber jemand anderes.

Offenbar ist dieser deutsche Hochglanz-Film über ein rechtes Terrornetzwerk für den internationalen Markt gedacht. „Je Suis Karl“ wird bevölkert von schönen jungen Hipstern, die Videos schöner junger Hipster posten, die auf der Bühne stehen und den Untergang des Abendlandes beklagen. Tenor der Hetzreden: Sie überfluten Europa, genießen unsere Freiheit und bringen ihre Bomben mit! Gemeint sind die Anderen, die Fremden, die Muslime.

„Je Suis Karl“ mit lächerlichem Kintopp

Die Influencer, die in Christian Schwochows Film Alarm schlagen und „Europa erwache!“ rufen, sind nach dem Vorbild der Identitären Bewegung geschnitzt: Neu-Rechte, die mit umfrisierten Nazi-Parolen und Slogans wie „Umvolkung“ hantieren.

Stimmt, die realen Identitären sind jung und netzaffin, aber was „Je Suis Karl“ der Filmvariante an Sexappeal, Rockstar-Glamour und Bling-Bling andichtet, ist lächerlicher Kintopp.

Für „Je Suis Karl“ wurden extra Songs produziert

Für den Film wurden extra Songs produziert, brauner Dream-Pop und Krieger-Rap, wo Elfen das Sterben des Kontinents besingen oder harte Kerle nach Gewehren schreien. Die Lieder ertönen auf Kongressen der Rechten, die schwer nach Party aussehen.

Jannis Niewöhner spielt den Europa-Chef der Neonazis, Karl sein Name. Alles an der Truppe, Posterboy Karl eingeschlossen, hat attraktiv und fotogen zu sein. Szenenbild und Kamera arbeiten an mondänen Oberflächen, auf Ebene des Drehbuchs (Thomas Wendrich) lauert aber nur hemdsärmeliger Biederstrick.

Ein Anschlag bringt Brisanz in den Film

In Berlin explodiert eine Bombe, ein Dutzend Leute sterben. Gezündet hat sie Karl höchstselbst, er will den Verdacht auf Islamisten lenken. Was der Film bald ausplaudert, damit Karls Affäre mit Maxi (Lichtblick: Luna Wedler) Brisanz gewinnt: Sie hat Mutter und Brüder in Berlin verloren und schläft ahnungslos mit dem Wolf im Schafspelz…

Konstruiert auch das reißerische Finale, wo Karls Bewegung zu einem Märtyrer kommt und Europa im Chaos versinkt. Thema verschenkt, das meiste ist stylish fotografierter Humbug.

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Kultur-Redaktion
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