Glenn Close und Amy Adams (r.) spielen Mutter und Tochter im Dauerzoff. © Lacey Terrell/NETFLIX
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Im Netflix-Film „Hillbilly Elegie“ ist Glenn Close eine Schlampe

Meine Güte, besser meine Fresse! Wenn diese Familie zankt, dann richtig. Ron Howards „Hillbilly Elegie“ spielt unter kleinen Leuten in Kentucky, man darf wohl ruhig Proleten sagen.

In den USA hat sich der Begriff „white trash“ eingebürgert, wenn es um die weiße Unterschicht geht, für die der amerikanische Traum in weiter Ferne bleibt.

Eine Schicht, die sich abrackert und doch auf keinen grünen Zweig kommt. Enttäuschte, Deprimierte, Abgehängte, die 2016 Donald Trump wählten, weil sie sich vom Establishment in Washington ignoriert fühlen.

Als 2016 die Memoiren von J.D. Vance erschienen (Vorlage zu Howards Film), galt das Buch vielen als perfekte Beschreibung der Klasse, die Trump zur Macht verhalf. Wobei auch im Film die Analyse von Gesellschaft im Subtext stattfindet, im Vordergrund steht das Porträt einer ziemlich kaputten Familie, in der täglich die Fetzen fliegen.

Dieser Film ist das Porträt einer ziemlich kaputten Familie

Die Mama (Amy Adams) bandelt mit den falschen Kerlen an, verliert ihren Job und hat ein Drogenproblem. Die Oma (Glenn Close) ist eine Kodderschnauze, die kein gutes Haar an der Tochter lässt und verhindern will, dass ihre Enkel unter die Räder kommen.

Enkelsohn J.D. (als Kind von Owen Asztalos, als Erwachsener von Gabriel Basso gespielt) steht verloren zwischen den Fronten.

Erinnerungsfilme erzählen von der Jugend des Enkels

Seine Jugend wird in Rückblenden erzählt, in Erinnerungsfilmen, die ihn noch plagen, als er Kentucky gegen die Elite-Uni Yale getauscht hat. Seine Schwester ruft J.D. in die Heimat zurück Mutter hatte eine Überdosis.

Schon steckt er wieder im Familienzoff. Close und Adams (beide mit Mut zur Hässlichkeit) sind großartig, wie sie sich anfrotzeln. Adams gibt die Drama-Queen mit kurzer Lunte, Close hält dagegen.

Am Schluss fehlt dem Film die Fallhöhe

Ihre Leben sind eine Kette von Enttäuschungen, gleichwohl biegt der Film in Wohlfühl-Gefilde ab, wo Tragik und Melodram stehen könnten. Das entspricht der Buchvorlage, wirkt hier aber verlogen.

Stattdessen greift das uramerikanische Mantra Egal, woher Du kommst, wenn Du Dich anstrengst, schaffst Du es nach Yale! Solche Schönfärberei raubt dem Film viel an Gewicht und Fallhöhe.

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Kultur-Redaktion
Wie sagte "Mr. Chance": Ich gucke gern!
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