Ashok (Rajkummar Rao, l.) und Pinky (Priyanka Chopra) geben den Ton an, Balram (Adarsh Gourav) ist Diener. © Tejinder Singh Khamkha/Netflix
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„Der weiße Tiger“: Der Diener, der ein großer Boss werden will

Neu bei Netflix: „Der weiße Tiger“ ist eine brutal ehrliche Sozialparabel aus Indien. Dabei erwarten den Zuschauer so manche Wendung und der großen Kontrast zwischen Land und Stadt.

Balram ist bloß ein Habenichts in einem indischen Dorf, ein armer Schlucker, der sich beim Grundbesitzer einschleimt und als Fahrer, Koch und Mädchen für alles arbeiten darf. Man behandelt ihn wie einen Fußabtreter, er lächelt es tapfer weg.

Der Ich-Erzähler Balram (Adarsh Gourav) ist Held und Antiheld des Films „Der weiße Tiger“ (läuft bei Netflix), einer Sozialparabel, die brutal ehrlich mit Indiens Gesellschaft, seinem Kastenwesen und der Korruption abrechnet.

Schluss mit Bollywood

Schluss mit dem Bollywood-Kitsch, Ramin Bahranis Film greift an. Er zeigt das Elend der vielen und den Prunk der wenigen, dazu einen Mann, der entschlossen ist, vom Lakaien zum Boss aufzusteigen. Koste es, was es wolle.

Der Film basiert auf einem Roman von Aravind Adiga, der seine Analyse indischer Verhältnisse in eine eskalierende Schelmengeschichte verpackt. Einen seltenen „weißen Tiger“ nannte man den Musterschüler Balram an der Grundschule, ihm winkte ein Stipendium. Als sein Vater stirbt, muss er stattdessen im Teelokal schuften. Später schreibt er sein eigenes Kapitel zum Raubtier-Kapitalismus.

Sie schmieren Beamte

Bilder von Dorfbewohnern, die wie im Mittelalter leben, erinnern an eine Armuts-Reportage, ganz wie die Obdachlosen in Delhi, die am Straßenrand schlafen. Das Landei Balram steht staunend in der Großstadt, wo er seine Bosse herumfährt.

Die spazieren mit Taschen voller Geld ins Ministerium und schmieren Beamte. Ihn speist man mit nichts ab, als er nach einem tödlichen Unfall für die Frau (Priyanka Chopra) des Chefs alle Schuld auf sich nimmt. Balrams Frust und Groll gipfeln in einem „Breaking bad“-Moment kalter Wut.

Sei ein Schwein, wenn du in Indien nach oben willst! Provokanter Sarkasmus ist die Waffe dieser galligen Satire dicht an der Wirklichkeit. Sehenswert.

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Kultur-Redaktion
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