Eisgrauer Bart: George Clooney spielt den Forscher Dr. Lofthouse, der im hohen Norden ausharrt. © Netflix
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Der letzte Mann am Pol – neuer Film mit George Clooney

George Clooney ist in „The Midnight Sky“ als Wissenschaftler zu sehen,

Sage keiner, dass der Name George Clooney an Strahlkraft verloren hat. Im Kino hat er sich mehr als vier Jahre rar gemacht, doch wenn Netflix einen Film von und mit Clooney einstellt (geschehen einen Tag vor Weihnachten), dann geht das Ding in Deutschland sofort auf Nummer eins.

Clooneys Regiearbeit „The Midnight Sky“ ist die Adaption eines Romans von Lily Brooks-Dalton, der das Ende der Welt schildert. Die Atmosphäre ist verseucht. Satellitenbilder zeigen einen Planeten, der von giftgrauem und rotem Gewölk verschleiert ist, die Katastrophe ist Menschenwerk. Clooney spielt einen Astronomen namens Lofthouse. Als seine Forschungsstation evakuiert wird, bleibt er alleine am Polarkreis.

Raumschiff als zweiter Schauplatz

Seine Prognose ist ohnehin schlecht. Lofthouse hat Krebs. Doch der Mann hat im Jahr 2049 noch eine Mission. Im All fliegt ein Schiff mit Astronauten – die will Lofthouse anfunken und vor der Rückkehr warnen!

Zweiter Schauplatz ist das Raumschiff, Heimat einer fünfköpfigen Crew, die einen Jupitermond für die künftige Besiedlung inspiziert hat. Das Schiff fliegt Richtung Erde, über deren Kollaps ist die Besatzung nicht informiert. Merkwürdig, dass jeder Kontakt abgerissen ist. Funk-Expertin Sully (Felicity Jones), der Kommandant (David Oyelowo) und die anderen können sich keinen Reim darauf machen.

Trümmerhagel im All

Der Film springt hin und her zwischen Raumschiff und Polarstation, Kapseln, die in tödlicher Umgebung das Überleben sichern. Wer sie verlässt, geht hohes Risiko. Lofthouse muss aufs Eis, weil er den starken Sender einer anderen Station braucht. Die Astronauten müssen Schäden an der Außenhülle reparieren. Die Höhepunkte von „The Midnight Sky“ sehen nach Eismeer-Survival aus und oben zwischen den Sternen wie der Meteoritenschauer in Alfonso Cuaróns Space-Drama „Gravity“.

Beide Sujets sind alles andere als neu. Besonders der Trümmerhagel im All kommt epigonenhaft und abgekupfert daher, ist aber effekttechnisch superb gemacht. Durchgängige Thriller-Qualität entwickelt der Film dennoch nicht, im Naturell bleibt er ein Melodram.

Gekünstelter Stroy-Twist

Nicht etwa durch seine (eher beiläufig verfolgte) ökologische Botschaft, sondern durch einen Subtext, der von Lofthouses Einsamkeit, Sehnsucht und verpassten Chancen auf Glück erzählt. Solche Gefühle steigen in ihm auf, als er in der Station überraschend ein kleines Mädchen findet (schweigend und wunderbar: Caoilinn Springall), das seine Gefährtin und sein Trost wird.

Ein Story-Twist am Schluss wirkt zwar gekünstelt, aber der Alte und das Kind sind ein Gespann, das man so schnell nicht vergisst. Da verströmt der Film aus der Kälte einiges an Herzenswärme. Sympathisch.

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Kultur-Redaktion
Wie sagte "Mr. Chance": Ich gucke gern!
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