Auch Künstler Sid hat dem medizinischen Personal in der Schweiz mit einem Wandbild ein Denkmal gesetzt. © Midas Verlag
Corona-Pandemie

Corona ist auf der ganzen Welt ein Streetart-Hit

Auf der ganzen Welt beschäftigen sich die Künstler mit dem Virus und der Pandemie. In der Streetart werden die Krankenschwestern zur Super-Woman. Auch Bart Simpson kämpft gegen das Virus.

Corona wird in den kommenden Jahren die Theater- und Buchautoren, Filmemacher und bildenden Künstler beschäftigen und inspirieren. Schon sichtbar ist die Pandemie in der Streetart. In vielen Ländern, auf fast allen Kontinenten haben die Künstler Mauern und Fassen mit Menschen mit Masken gestaltet.

Wie keine andere Kunstform ist Street Art dazu geeignet, die durchaus sehr gemischten Gefühle und Reaktionen der Gesellschaft zu dokumentieren – weil Streetart eine Kunstform ist, die schnell reagieren kann. Und sie hat dabei ein sehr großes Publikum – mehr als die Bilder in den Museen.

Dokumentation dieser Pandemie-Zeit

Xavier Tapies stellt in seinem Bildband im Taschenbuch-Format „Streetart in Zeiten von Corona“, 50 Statements von Graffiti-Künstlern, vor. Viele der weltweit bekanntesten Streetartkünstler wurden durch die Coronakrise zu neuen Werke inspiriert: Pøbel, Gnasher, Novy, SeiLeise, Ben Apache und auch Ragazzini. „Im Zuge der Pandemie sind aber auch einige erstaunliche neue Künstler ans Tageslicht getreten“, hat Tapies bemerkt.

Diese Künstler leben und arbeiten unter anderem in Sao Paulo, Teheran oder Shanghai. Tapies‘ Zusammenstellung der 50 Streetart-Kunstwerke ist eine Dokumentation dieser Pandemie-Zeit, die in die Geschichte eingehen wird. Und sie zeigt auf, wie vielseitig die Kunst mit der Sprühdose ist.

Tiefe Gefühle

„Von allen Kunstformen war einzig die Street Art in der Lage, die außergewöhnliche Zeit widerzuspiegeln, als das Virus Covid-19 im Jahr 2020 durch die Welt fegte. Dies schien nicht die Zeit für „hohe Kunst“, die mit Ausnahme von Picassos Guernica ohnehin meist versagt, wenn es darum geht, die tiefen Gefühle der meisten modernen Menschen einzufangen, die sich in einer existenziellen Krise gegenüber sehen“, schreibt Xavier Tapies im Vorwort von seinem interessanten Buch.

Liebe mit Mundschutz zeigt dieser unbekannte Streetart-Künstler in Frankreich.
Liebe mit Mundschutz zeigt dieser unbekannte Streetart-Künstler in Frankreich. © Midas Verlag © Midas Verlag

„Also sprangen viele Street Artists in die Bresche sie brachen wie gewohnt die Regeln und gingen auf die Straße.“ Viele Künstler begegnen dem Virus mit einer großen Portion von schwarzem Humor. So zünden im Graffiti der Künstler ARMX und Sweetsnini in Köln zwei kleine Kinder mit Masken eine Covid-Bombe.

Pest-Maske vs. Hilfe in der Natur

Andere Künstler zeigen das Leid der Menschen in der Pandemie – wie die Russin Anastasiaa, die eine Mauer in Paris mit dem Porträt einer melancholisch schauenden Frau mit Maske bemalt hat – schön bunt, aber mit sehr traurigem Ausdruck. Krankenschwestern werden in einigen Bildern zu Superheldinnen. Eine „Wonder-Nurse“ zeigt der Künstler Combo in Paris, und auch der Schweizer BustArt macht eine Pflegerin zur Superwoman.

Tolle Bilder von großartiger Kunst gibt es in dem Büchlein – auch viele Bilder von Hoffnung und der Suche nach Auswegen – zum Beispiel im Graffiti von Ben Apache, der in Wien zwei mysteriöse Figuren in unterschiedliche Richtungen gehen lässt. Der eine trägt eine Pest-Maske, der andere sucht in der Natur Hilfe gegen das Virus.

Respekt vor dem Virus

Zum Nachdenken regen fast alle Bilder an. Und genau diese Wirkung haben sie auch im öffentlichen Raum ihr Sinn; das ist das Schöne an dieser Alltagskunst. Manchmal lassen die Bilder auch über Corona schmunzeln – aber immer ohne das Virus zu verharmlosen.

Da ist es auch mal nett zwischen den vielen Bildern von Menschen, die sich mit Masken küssen und sich nach Nähe sehnen, über einen Bart Simpson zu lächeln, dessen „Ey Caramba“ der Künstler mit dem Pseudonym Cel Out auf einer Wand im australischen Melbourne zu einem „Ay Corona“ gemacht hat.

Sogar der Teddys trägt im Werk von Henrique EDMX Montanari eine Gasmaske. Zu sehen in Sao Paulo, Brasilien.
Sogar der Teddys trägt im Werk von Henrique EDMX Montanari eine Gasmaske. Zu sehen in Sao Paulo, Brasilien. © Midas Verlag © Midas Verlag

Fotos der Streetart füllen jeweils eine Buchseite im Din A 5-Format; auf der gegenüber liegenden Seite ist ein kurzes Statement der Künstler und der Ort, wo das Kunstwerk zu finden ist, abgedruckt. Man erkennt regionale Unterschiede im Graffiti-Stil – aber allen Kunstwerken gemeinsam sind die Darstellungen vom Respekt, den das Virus sich auf der ganzen Welt verschafft hat.

Info

Infos zum Buch

  • Xavier Tapies: Street Art in Zeiten von Corona – 50 Statements von Graffiti-Künstlern, 128 Seiten
  • Verlag: Midas Collection, 16 Euro
  • ISBN 978-3-03 87 61 78-5.
Über die Autorin
Kultur-Redaktion
Julia Gaß begleitet und beobachtet seit 35 Jahren für die Zeitung das Kulturleben in Dortmund und in der Region.
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