Ruby Barker (li.) spielt die Rolle der Marina Thompson, die zur Familie Featherington gehört. © Liam Daniel/Netflix
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„Bridgerton“: Der Fluch von Moral und Etikette

Mit „Bridgerton“ zeigt Netflix einen Serienhit, der unter englischen Aristokraten um 1800 spielt: Erotik, Skandale, Heiratspolitik als Seifenoper voller Prunk und Pomp.

1813 in London. Für Englands Blaublüter ist das Leben eine Kette von Bällen, Soirees und Festen. Wer buhlt um wen, wer ist eine gute Partie? Scheinbar gibt es keine anderen Probleme, als Töchter unter die Haube zu bringen. „Bridgerton“ heißt die jüngste Erfolgsserie bei Netflix, die daherkommt, als habe man Thackerays „Jahrmarkt der Eitelkeiten“ mit einer Seifenoper gekreuzt und mit dampfender Erotik à la „50 Shades of Grey“ abgeschmeckt. Topf sucht Deckel, Intrigantenstadl trifft Sittenbild und romantischen Schmachtfetzen.

Unterhaltung für Damen, nach Romanen von Julia Quinn, orchestriert für den Film von „Showrunner“ Chris van Dusen und Shonda Rhimes (der Frau hinter „Grey’s Anatomy“). Und die wissen, welche Knöpfe sie drücken müssen, um die Zielgruppe bei der Stange zu halten.

Irrungen, Wirrungen, Fallstricke

Es gibt amouröse Verwicklungen, Leidenschaft und enttäuschte Liebe, hinter den Kulissen wird verkuppelt und geschachert. Lästermäuler sabotieren Hochzeitspläne, über allem schwebt der Fluch von Moral und Etikette.

Da ist die Jungfrau aus Milch und Blut, die schöne Debütantin Daphne Bridger (Phoebe Dynevor), die einen Pakt mit einem Adonis von Herzog schließt. Simon (Regé-Jean Page) und Phoebe wollen so tun, als seien sie ein Paar. Der Grund ist bald egal, wichtig bleibt, dass sie Gefühle füreinander entwickeln. Irrungen, Wirrungen, Fallstricke – werden sie sich kriegen?

Homoerotik und Feminismus klingen an

„Bridgerton“ ist eine rauschhafte Extravaganza aus Samt, Seide, Taft und Tüll, die der „Vogue“ ein Interview mit Kostümbildnerin Ellen Mirojnick wert war. Allein für Phoebe Dynevor wurden mehr als 100 Kleider geschneidert. Pracht und Pomp, wo man nur hinschaut.

Zeitgeist von heute floss ein. Die Queen und viele vom Adel haben afrikanische Wurzeln. Homoerotik und Feminismus klingen an, die anonyme Autorin einer Klatschpostille könnte auch ein allwissender Paparazzo der Yellow Press sein. Clever gemacht.

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Kultur-Redaktion
Wie sagte "Mr. Chance": Ich gucke gern!
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