Die Angst vor der Impfnebenwirkung Sinusvenenthrombose ist groß, jeden Tag gibt es Verdachtsfälle in den Notaufnahmen. © picture alliance/dpa

Klinikum Unna: Fast 100 Mal mehr Verdachtsfälle auf Sinusvenenthrombose als vor Corona

Seitdem im Zusammenhang mit Astrazeneca Fälle der Nebenwirkung bekannt wurden, wächst die Sorge. Fast kein Tag vergeht, ohne dass sich ein Patient deswegen in der Notaufnahme vorstellt.

Ganz wichtig, und deswegen betont es Bettina Szallies auch ganz deutlich: „Wenn Sie nach einer Impfung starke Kopfschmerzen bekommen und befürchten, Sie könnten eine Hirnvenenthrombose haben, dann kommen Sie bitte auf jeden Fall zu uns in die Klinik.“ Dort könne man dann die Ursache abklären. „Im Zweifel nehmen wir die Patienten dann auch stationär auf, um die entsprechenden Untersuchungen durchführen zu können.“

Für alle neurologischen Probleme ist es darüber hinaus sinnvoll, sich direkt im CKU (Christlichen Klinikum Unna) West vorzustellen, da hier die entsprechende Fachabteilung ansässig ist.

Fast hundert Mal so viele Verdachtsfälle wie vor Corona

Die Zahl der Menschen, die sich mit starken Kopfschmerzen und der Befürchtung, es könne ein Anzeichen für eine Hirnvenen- oder Sinusvenenthrombose sein, in die Notaufnahmen des CKU begeben, hat sich in der Tat enorm erhöht. Die Sprecherin des Christlichen Klinikums Unna weiß um die Ängste gerade derjenigen Menschen, die bereits mit dem Impfstoff Astrazeneca behandelt worden sind.

„Wer Sorgen hat, soll kommen. Das ist alles noch im Rahmen bei uns, aber dass es das Thema im Moment gibt, merken wir schon sehr.“ Vor Corona sei vielleicht mal ein Patient im Monat mit einer derartigen Symptomatik zum Abklären auf Sinusthrombose gekommen, heute sind es im Schnitt drei am Tag. Das ist auf den Monat gerechnet fast eine Verhundertfachung der Verdachtsfälle.

Alle werden untersucht

Bislang hat sich in den Notaufnahmen des CKU, also West und Mitte, jedoch in keinem Fall der Verdacht auf Sinusvenenthrombose bestätigt. „Zum Glück“, so Szallies und macht noch einmal klar: „Es soll bitte niemand mit Beschwerden oder Befürchtungen zu Hause bleiben.“

Das bezieht sich nicht nur auf eine akute Thrombose, sondern auch auf viele Nicht-Corona-Krankheiten. „Es ist oft so, dass sich Patienten, vielleicht gerade wegen einer Vorerkrankung, nicht in die Kliniken trauen, weil sie Angst vor Covid haben“, berichtet Jan Westermann. Er ist Leitender Oberarzt der Inneren Klinik I/Gastroenterologie am CKU Mitte und erlebt es häufiger, dass durch versäumte Vorsorgeuntersuchungen oder weil Patienten zu lange gewartet haben, mit ihren Beschwerden zu kommen, bei Nicht-Corona-Erkrankungen wesentlich schwerere Verläufe zu verzeichnen sind. „Da kostet das Fernbleiben die Lebensjahre, die man Angst hat durch eine Corona-Ansteckung zu verlieren.“ Und sich in der Klinik anzustecken, ist dank der sorgsamen Hygienemaßnahmen fast unmöglich.

Über den Autor
1982 in Dortmund geboren. Abi in Holzwickede, Journalistik-Studium wieder in Dortmund. Seit 2013 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Freut sich über die spannende Herausforderung, den Wandel eines Traditionsverlags hin zu einem modernen, familiengeführten Multimedia-Unternehmen zu begleiten.
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