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Wie Claas Barnitzke aus Kirchhellen seine Einkäufe mit der Uhr bezahlt

dzBargeldloses Bezahlen

„Bar oder mit Karte?", fragt die Kassiererin im Supermarkt jeden Kunden. Die Antwort von Claas Barnitzke macht sie stutzig: „Ich zahle mit der Uhr!" Das funktioniert, aber nicht überall.

Kirchhellen

, 11.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Wenn Claas Barnitzke im Supermarkt um die Ecke an der Kasse steht, muss er nicht lange in seinem Portemonnaie nach den fehlenden Cents suchen. Nur kurz hält er seine Uhr auf den Scanner und macht einen Doppelklick - schon ist der Einkauf bezahlt.

Was dem Kirchhellener heute noch Verwunderung einbringt, ist für einige Apple-Nutzer seit Dezember gang und gäbe: Sie können einige Einkäufe bargeldlos mit einer App auf dem iPhone bezahlen. Claas Barnitzke ist ein Apple-Fan. Er hat alles: iPhone, Mac Book und Apple Watch. Selbstverständlich also, dass ihn auch das neue bargeldlose Bezahlen, „Apple Pay“ genannt, brennend interessierte.

„Ich verfolge die Entwicklungen bei Apple schon sehr intensiv. Natürlich musste ich mir dann auch Apple Pay herunterladen“, berichtet der Kirchhellener. Einen Haken gab es für ihn jedoch: Die ING-DiBa, bei der er Kunde ist, ist voraussichtlich erst ab Februar bei dem neuen Bezahldienst verfügbar.

Ein Apple-Pay-Konto mit französischen Anmeldedaten

Zuerst wollte der Kirchhellener diesen Zeitpunkt abwarten, zumal er schon zuvor erste Erfahrungen mit Apple Pay gemacht hatte: „Als es die Möglichkeit in Deutschland noch nicht gab, habe ich mir französische Anmeldedaten für Apple erstellt, damit ich mir ein Apple-Pay-Konto einrichten und zumindest schon mal beim Supermarkt bezahlen konnte.“

Eine Weile funktionierte das auch gut und Claas Barnitzke war begeistert von dem einfachen Zahlen. Dann sperrte Apple jedoch diesen Bezahlweg in Deutschland, so Barnitzke: „Da habe ich mir vorgenommen, erst mal zu warten.“ Als im Dezember auch in Deutschland das Zahlen mit dem iPhone möglich wurde, war die Verlockung zu groß: „Ich habe mir einen anderen Weg gesucht, auf dem ich das jetzt schon nutzen kann.“

Claas Barnitzke lud sich die App „Boon“ herunter, die er schon mit seinen französischen Anmeldedaten genutzt hatte. In dieser App musste er lediglich die Daten seiner Kreditkarte eingeben und konnte sich so ebenfalls ganz einfach bei dem digitalen Bezahldienst anmelden.

Bezahlen nicht bar oder mit Karte, sondern mit der Uhr

Für den Apple-Fan war das jedoch nicht alles. Der Kirchhellener verknüpfte den digitalen Bezahldienst zusätzlich mit seiner Apple Watch. Wenn er seitdem im Supermarkt um die Ecke gefragt wird „Zahlen Sie bar oder mit Karte?", ist seine Antwort meist: „Mit der Uhr!"

Wie Claas Barnitzke aus Kirchhellen seine Einkäufe mit der Uhr bezahlt

Sowohl mit dem iPhone als auch mit der Apple Watch kann Claas Barnitzke nun bezahlen. © Johanna Wiening

Oft bringt ihm diese Aussage noch Verwunderung ein, berichtet er: „Viele Leute wissen noch gar nicht, dass das möglich ist. Die sind immer ganz verwirrt und müssen sich das von mir erklären lassen." Wenn Claas Barnitzke dann nur die Uhr auf den Scanner hält und zweimal klickt, sind viele begeistert.

In Kirchhellen kann er den digitalen Bezahldienst in einigen Geschäften wie Aldi, Rewe oder Rossmann bereits nutzen. Auch in Dorsten sind mit Bijou Brigitte, Kaufland, TK Maxx und Tedi besonders viele große Ketten dabei. Die lokalen Geschäfte wie Mode Peters, Lederwaren Hutmacher und Körmann sind bisher bei den altbewährten Zahlungsmethoden geblieben.

So funktioniert Apple Pay

  • Wer Apple Pay nutzen möchte, muss zunächst die App „Wallet“ auf dem Gerät öffnen. Dann folgt man der Anleitung und fügt die Daten seiner Kredit-, Debit- oder Prepaidkarte hinzu. „Boon" funktioniert hier als eine Art Umweg, da in der App die Daten der Karte gespeichert sind und man die App dann mit Apple Pay verknüpft.
  • Die Bank oder der Kartenaussteller überprüft die Angaben. Hat der Nutzer seine Karte verifiziert, kann Apple Pay direkt genutzt werden. Das Bezahlen im Geschäft verläuft dann per Fingerabdruckscanner (Touch-ID), Doppelklick oder Face-ID (Gesichtserkennung).

Das wird jedoch nicht mehr lange so sein, ist sich Claas Barnitzke sicher: „Ich glaube, dass das jetzt nur der Anfang ist. Man wird mit der Zeit vom Bargeld wegkommen und dann wird wirklich jeder seinen Kaffee morgens mit Karte oder dem Handy zahlen. Davon bin ich fest überzeugt."

Nicht alle Banken sind bei Apple Pay verfügbar

Doch die Bezahlmethode hat einen Haken. Nicht alle Banken sind bei Apple Pay verfügbar. Während beispielsweise die Kunden der Deutschen Bank, von comdirect oder der Hypo Vereinsbank Apple Pay nutzen können, sind die Volksbank und die Sparkasse bisher nicht dabei.

„Grundsätzlich ist es so, dass wir für eine Zusammenarbeit mit Apple offen sind", erklärt Ralf Bröker, Bereichsleiter für Unternehmenskommunikation und Marketing bei der Vereinten Volksbank. Und auch die Sparkasse möchte ihren Kunden einen digitalen Bezahldienst auf den Apple-Produkten anbieten, so Frank Pinnow von der Unternehmenssteuerung der Sparkasse Bottrop: „Natürlich wollen wir auch unseren Kunden mit Apple-Geräten mobiles Bezahlen ermöglichen. Hierzu gibt es derzeit Gespräche, um für alle Beteiligten eine optimale Lösung zu finden."

Sparkasse möchte eigenes Bezahlsystem installieren

Besonders die Sparkasse sieht jedoch ein Problem: Apple blockiert die sogenannte NFC-Schnittstelle. Für die Banken bedeutet das, dass sie lediglich die Möglichkeit haben, Apple Pay zu nutzen. Im Gegensatz dazu ist es für sie allerdings nicht möglich, eigene Bezahldienste anzubieten. Apple begründet die Blockade bei der Wettbewerbsbehörde als Sicherheitsmaßnahme. Die Nutzung der NFC-Antenne würde die Sicherheit des iPhones grundlegend mindern.

Anders sieht das bei den Android-Smartphones aus. Hier ist die Bezahlmethode Google Pay bereits seit Juni des vergangenen Jahres verfügbar. Auf den Android-Geräten sind die Banken jedoch nicht nur auf Google Pay angewiesen. Sowohl die Sparkasse als auch die Volksbank bieten hier ihre eigenen Bezahldienste an, die von ihren Kunden flexibel nutzbar sind.

Claas Barnitzke kann das Verbot von Apple für andere Bezahldienste dennoch nachvollziehen: „Das ist ja ein Stück weit ein typisches Apple-Problem, auch wenn die sich mittlerweile durchaus schon ein Stück weit geöffnet haben. Wenn es aber der Sicherheit dient, ist es ja nur gut."

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